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Käptn´s Log: Tag 2.

Der erste Morgen an Bord, das erste Erfolgserlebnis: Wir sind noch dort, wo wir letzte Nacht geparkt haben.

Es ist ein herrlicher Spätsommertag, sonnig, warm und wolkenlos. Auf geht's. Der Pigeon Lake ist lang und schmal, hat Mischwald am Ufer und ein paar hübsche Farmen. Die Karte scheint zuverlässig: Ich mache nacheinander Paradise und Grenadier Island aus, winzige Eilande mit Sommerhäuschen darauf. Die Stimmung an Bord entspannt sich. Nach dem Anfängerstress am Vorabend kommunizieren wir wieder in ganzen Sätzen. Der Motor brummt vertrauenerweckend.

Bei den Gannon Narrows, einer Enge zwischen Fothergill und Jacob Island, drehen wir auf den Trent-Severn-Waterway ab. Im 19. Jahrhundert half der Trent-Severn, mit 40 Schleusen durchweg schiffbar gemacht, bei der Erschließung Zentral-Ontarios. Siedler, Kaufleute und vor allem Holzfäller auf zu riesigen Flößen zusammengebundenen Stämmen zogen auf ihm ihren Bestimmungsorten entgegen. Als aber 1920 die letzte Schleuse eingeweiht wurde, hatten Eisenbahn und Straßentransport die Wasserstraße längst überflüssig gemacht. Dann wurde sie von Anglern und Freizeitkapitänen entdeckt. Heute ist sie ein beliebtes Ferienparadies.

Szenenwechsel am Ufer. Granitfelsen, Zedern und Kiefern übernehmen die Regie, versteckt liegende Bootshäuser schlüpfen in Nebenrollen: Das Tiefland des St.-Lorenz-Stroms geht in den Kanadischen Schild über, die kanadische Bilderbuchlandschaft schlechthin. Vor uns liegt der Buckhorn Lake, ein H-förmiger See mit einer zerlappten Uferlinie und -zig unbewohnten Inselchen. Wir wollen zum Curve Lake Indian Reserve, wo Ojibwa-Indianer eine international bekannte Kunstgalerie betreiben. Dazu verlassen wir die von roten und grünen Bojen markierte Hauptroute und nehmen Kurs auf das Insellabyrinth zur Rechten. Wenig später allerdings ist die Karte nur noch ein Buch mit sieben Siegeln. Inseln sind plötzlich keine Inseln mehr, sondern Halbinseln, mutmaßliche Passagen entpuppen sich beim Näherkommen als Buchten, und mit der Übertragung der zurückgelegten Entfernung auf die Karte hapert es sowieso.

"Lost?"

Das Motorboot haben wir beim Kartenstudium gar nicht kommen hören. Ihm sei unser komischer Kurs aufgefallen, ruft ein jovialer Einheimischer herüber. Ob er helfen könne? Seine weibliche Crew grinst hämisch. Das wurmt besonders mich, denn schließlich hat man(n) ja seinen Stolz. Ich sage etwas wie "wir fahren nur so ´rum", aber ob er wohl ein paar Streichhölzer entbehren könne? Danach vertagen wir die Suche nach den Indianern auf morgen und gehen im Windschatten eines Felseneilands vor Anker. Steaks auf den Grill, das Bier aus dem Kühlschrank und die Beine auf die Reling: Die Galerie machen wir ein anderes Mal. Der geisterhafte Schrei des Loons, des Eistauchers, bricht sich an den Granitwänden der Insel gegenüber und echot zu uns herüber. Die Sonne scheint nur für uns unterzugehen. "That´s life", sagt die Mannschaft. Wir atmen tief durch. Zum ersten Mal seit langem.

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