Schwerer Atem und tiefe Lachfalten
Kambodscha lebt mit seiner schwierigen Vergangenheit
Text und Fotos: Corinna Ritter

Als Indochina fasst man sie zusammen, diese Länder dort unten. Aber nein, man merkt es, wenn man die Grenze zu Kambodscha überschritten hat: Ein warmes Lächeln holt uns schon an der Grenze ab und führt uns hinein. Kambodscha ist wie ein Greis. Sein schwerer Atem bläst uns in den Nacken. So viele Geschichten hat er zu erzählen, die Stimme schwach, aber unüberhörbar. Die Augenlider sind schwer, doch um sie herum liegen tiefe Lachfalten.
Antike Tempel, einsame Sandstrände, verwucherte Wälder, reißende Flüsse - und außerhalb von Angkor nur eine Hand voll Touristen. Gesichter voller tiefer Lachfalten und mit Augen aus denen noch die zermürbenden Erinnerungen an eine blutige Vergangenheit sprechen. Wohl kaum ein Land hat im letzten Jahrhundert so viel Wandel erfahren wie Kambodscha, das einstige Herrschaftsgebiet der großen Angkor-Könige und das spätere Reich der Roten Khmer.

Reeperbahn auf kambodschanische Art
Lachend und kreischend winkt uns eine Horde junger Mädchen zu, als wir auf drei Motorrädern durch das nächtliche Kampot fahren. „Come have a drink with us“, rufen sie mir und meiner japanischen Reisegefährtin zu. Dann entdecken sie unseren männlichen Begleiter, kreischen noch lauter und rücken sich aufgeregt die Brüste zurecht. Dank seines fahrbaren Untersatzes kann sich der Japaner gerade noch retten, die einheimischen Mädels rennen noch kurz seinem Moped hinterher, am Wegrand knöpfen sich schon einige die Bluse auf. Ein Rotlichtviertel auf kambodschanische Art. Wir brausen durch die Nacht und lassen uns von der kindlichen Erregung dieses Landes berauschen.
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