
Von Oryxantilopen, stacheligen
Eichen
und wilden Felsentälern
Text und Fotos: Norbert Suchanek
"Der
Tag war noch jung, als wir zwischen zwei ragenden Sandsteinnadeln,
an den Fuß eines weiten flachen Hangs kamen, der von den hochgewölbten
Bergen vor uns sanft hinablief. Er war mit Tamariskengebüsch bestanden
und - wie man mir sagte - der Anfang des Tals von Rum." So beschrieb
der Engländer Thomas Edward Lawrence seine erste Begegnung mit einem
Ort, der ihn wie keinen anderen auf der Arabischen Halbinsel fesseln
sollte. Der Archäologe und Stabsoffizier leitete während des Ersten
Weltkriegs erfolgreich den Aufstand der arabischen Stämme gegen das
Osmanische Reich und ging als "Lawrence von Arabien" in
die Geschichte ein. Immer wieder war er zu diesem Tal im äußersten
Süden Jordaniens zurückgekehrt, um wie er selbst schrieb: "Meine
Seele zu erfrischen durch eine Nacht in der Rum."
Wadi Rum ist ein Wüstental, eingeschlossen von parallelen, sich steil auftürmenden Felswänden aus buntem Sandstein, durchzogen von engen, labyrinthartigen Schluchten, übersät mit Ornamenten, Rissen, Furchen und Höhlungen, die die Verwitterung schuf. "Felsmassive", so Lawrence, "die gekrönt waren von hochgewölbten Gipfeln, gleich Gruppen von Domkuppeln."
Heute, Anfang des 21. Jahrhunderts, ist das eindrucksvolle Tal ein Nationalpark und - neben dem Tauch- und Badetourismuszentrum Akaba und den antiken Ruinenstätten der Nabatäer und Römer wie Petra (siehe Bild rechts unten) oder Jerash - Hauptziel der Jordanientouristen. Jährlich besuchen über 70.000 Urlauber Wadi Rum, Tendenz steigend.
Doch wer sich traut, mit der rotglühenden Abendsonne zu einer einsamen Wüstenwanderung durch das Wadi Rum aufzubrechen, kann noch heute die gleiche Erfahrung machen wie einst Lawrence von Arabien: "Unsere kleine Karawane wurde nachdenklich, und keiner sprach mehr ein Wort. Man fühlte sich beängstigt und beschämt, sich mit seiner Geringfügigkeit breit zu machen inmitten dieser riesenhaft ragenden Berge."

Am Roten Meer bei Akaba
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