Jemen |
Kurzportrait Kaum ein anderes Land bewegt die Phantasie wagemutiger Reisender so nachhaltig wie die wilde, abgeschiedene Gebirgs- und Wüstenregion an der Südspitze der Arabischen Halbinsel. Arabia felix („glückliches Arabien“), Mokka und die Weihrauchstraße, die Königin von Saba und im Wüstensand versunkene Dynastien, Lehmhochhäuser, die sich zu ganzen Städten gruppieren und tief eingeschnittene Wadis – das sind Namen und Bilder, die man mit diesem Landstrich verbindet – und seit neuestem auch Qat und Kalaschnikow, Entführungsspektakel und islamistische Aufwallungen.
Wer in den Jemen reist, betritt eine andere, uns völlig fremde Welt. Das sollte man bedenken. Ohne einheimische Hilfe ist man in diesem archaischen, urwüchsigen Land verloren. Doch gottlob geben sich seine Bewohner – und seien sie noch so martialisch ausstaffiert – offen, unvoreingenommen und grenzenlos gastfreundlich gegenüber Fremden, von denen sie Aufgeschlossenheit und Respekt bei der Begegnung mit den hier gelebten, oft so schwer verständlichen Traditionen und Religionen erwarten. Tihama Anzeige!
Wie das zerbröckelnde Zabid hat auch Al-Mukha, uns besser bekannt als Mokka, seine große Zeit lange hinter sich. Heute ein verschlafenes, von kleinen und großen Sanddünen durchzogenes Schmugglernest, besaß es seit dem Ende des 16. und im 17. Jahrhundert das Monopol als Umschlagplatz für den in Europa so begehrten Kaffee. Eine Handvoll einst üppig ausgestatteter Niederlassungen europäischer Handelshäuser zeugen als traurige Ruinen von Blüte und Niedergang der alten Hafenstadt. Wir sind in der Tihama, der wegen ihres feucht-heißen Klimas berüchtigten Küstenebene. Sie erstreckt sich vom saudischen Hedjas über Djidda bis in den Südwesten des Jemen gegenüber der Meerenge Bab al-Mandab („Tor der Tränen“). In unmittelbarer Küstennähe ist wegen Wassermangels nur eine bescheidene Landwirtschaft möglich. Ganz anders die landeinwärts gelegenen bergigen Partien dieses Landstrichs. Sie sind dicht besiedelt und werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Die Erklärung liefern acht Wadis, tief eingeschnittene Flußtäler, die Wasser aus dem Gebirge heranführen, ihren Tälern eine üppige Vegetation bescheren und noch die Felder auf den terrassierten Hängen mit dem kostbaren Naß versorgen. Jeder Tropfen wird genutzt, nur wenige Rinnsale erreichen das Rote Meer. Nicht nur wegen des heißen und feuchten Klimas fühlt man sich immer wieder nach Afrika versetzt. In den Gesichtern der dunkelhäutigen Menschen und in der Dorfarchitektur sind afrikanische Einflüsse unverkennbar. Man begegnet unverschleierten, farbenfroh gekleideten Frauen und stößt auf kegelförmige Rundhütten aus Lehm, Stroh und Zweigen. Hier leben die Nachfahren afrikanischer Einwanderer, die vor vielen Generationen ins Land kamen.
Bergjemen Durch tiefe Schluchten, vorbei an senkrechten Felswänden und übereinandergestaffelten Terrassenfeldern, führt die Route aus dem heißen Tiefland auf rund 1.400 m in die Stadt Ta`izz. Sehenswerte Stadtmauern und –tore, die prachtvolle Ashrafiya-Moschee mit ihren zwei Minaretten, dazu ein Basar, wie er orientalischer nicht sein könnte, laden zu einem Bummel bei angenehmen Temperaturen ein. Hier, im Gewirr der kleinen Läden und Gassen, sehen wir sie zum ersten Mal: Die Männer mit den dicken Backen, die sich zu gemütlichen Runden zusammensetzen, um für einige nachmittägliche Stunden in kollektives Kauen zu verfallen. Es ist Qat-Zeit. Der dem Amphetamin ähnliche Wirkstoff Cathinon macht die Blätter des Qat-Strauchs zum leichten Aufputschmittel. Zerkauter Blätterbrei wird in der Backentasche gespeichert. Mit viel Wasser durchspült, gelangen dann seine Wirkstoffe in den Magen. Qat, so heißt es, entspannt und fördere die Konzentration, mache mitteilsam, aber auch aufmerksam. „Qat kauen – Verstand verdichten“, sagt ein jemenitisches Sprichwort. Über die gesundheitlichen Schäden des Qat-Genusses sind die Meinungen geteilt, über die volkswirtschaftlichen Folgen nicht minder. 13 % der landw. Nutzfläche tragen Qat-Sträucher (ca. 367 Millionen!), 40 % der knappen Grundwasser-Ressourcen werden für die Qat-Bewässerung verbraucht. Auf der anderen Seite hält der Qat-Anbau die Bauern auf ihrer Scholle und die Terrassenfelder funktionsfähig, denn mit Qat verfügt der ländliche Raum über eine profitable „cash crop“. Qat bringt richtig Geld. Ein Viertel des Volkseinkommens wandert in die Kassen der Qat-Bauern. Eine Folge: Getreide- und Kaffeeanbau gehen dramatisch zurück, die andere: Im Qat-Kreislauf zirkulierendes Geld fehlt für produktive Investitionen und im privaten Bereich für einen höheren Lebensstandard.
Nicht weniger als drei über 2.500 m hohe Pässe sind auf der Weiterfahrt nach Sana`a zu überqueren. Als „Auserwählte“ und „Unvergleichliche“, als „Perle Arabiens“ rühmen Dichter die Hauptstadt des Landes mit ihren vielgestaltigen Minaretten und schlanken Wohntürmen, den weißen Stuckornamenten, mit Zinnen bestückten Dachterrassen, den Fenstergalerien aus Alabaster oder farbigem Glas. Die mehr als 6.000 meist fünf- bis siebenstöckigen Häuser der AltstadtSana`as, eines der am besten erhaltenen Stadtzentren der arabischen Welt, zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Und das berühmte labyrinthische Bazarviertel hinter dem Stadttor Bab al-Jemen verleiht diesem einzigartigen städtebaulichen Ensemble noch einen besonderen Tupfer. Streng gegliedert nach den einzelnen Gewerben gibt es Gewürze hier und Stoffe dort, zwei Ladengäßchen weiter Schmuck und Silber, Kupferwaren und Wasserpfeifen, auch Qatbündel oder die berühmten jemenitischen Krummdolche. Kein Wunsch bleibt hier unerfüllt. Alle Gebäude der Altstadt wurden im traditionellen Stil errichtet: Die unteren Stockwerke aus Naturstein, die oberen aus Lehm. Andere herausragende Beispiele jemenitischer Lehmarchitektur sieht man in Sa`ada nahe der saudischen Grenze und in Shibam im östlichen Landesteil Hadramaut. Wie Erde und Wasser von der Sonne zu Architektur gedörrt werden, ist ein seit Jahrhunderten bewährter Prozeß. Zunächst wird Lehm zu flachen Platten verstrichen, in langen Bahnen aufgereiht und vorgetrocknet. Sind sie fest, schichtet man sie aufeinander und setzt sie für einige Wochen der Hitze aus. Danach können die gehärteten Lehmplatten verbaut werden. Für den weißen Putz, „Nura“ genannt, vermengt man Sand und Kalk, auch braunen Zucker, Eierschalen und etwas Asche. Daß die bis zu 30 m hohen Bauten nicht starr zu errichten sind, um dem Klima und den Beben standzuhalten, war den einheimischen Maurern schon lange vor den Erbauern moderner Wolkenkratzer geläufig. Eine raffinierte Klimatisierung mittels Fenstern, Schächten und unterschiedlichen Wanddicken hält die Innentemperatur um mindestens 10 Grad niedriger als die Umgebungstemperatur. Alle 10 Jahre muß das Flachdach erneuert werden, die Seitenwände nach 40 und das verbaute Holz nach 80 Jahren. Die atemberaubende Berglandschaft rund um Sana`a ist reich an interessanten Ausflugszielen, befestigten Bergdörfern etwa mit herrlichen Ausblicken auf die in Fels gehauenen, aus Bruchsteinen aufgeschichteten Terrassenfelder, die oft nicht breiter sind als ein paar Ackerfurchen. Thula zählt dazu, Amran, Kawkaban und Mahwit und auch das attraktive Wandergebiet des Haraz-Gebirges. Archäologische Stippvisiten In Serpentinen geht es von Sana`a hinab in die Wüste Ramlat as-Sab`atain („Sand der zwei Sabas“), einem Ausläufer der riesigen, lebensfeindlichen Arabischen Wüste, die sinnigerweise „Leeres Viertel“ genannt wird. Nach Stunden taucht auf einer niedrigen Anhöhe die imposante Stadtmauer von Baraqish aus dem Dunst auf. Sie erreichte ursprünglich eine Höhe von 14 m und besaß 57 Wehrtürme. Die einstige Hauptstadt der Minäer (um 400 v. Chr.) lag inmitten einer ausgedehnten Oase. Inschriftensteine und Tempelreste zeugen von einstiger Bedeutung. Heute ist Baraqish eine Geisterstadt. Noch zwei Stunden bis Marib, einem der Höhepunkte jeder Jemen-Reise. Die frühere Metropole des Sabäer-Reiches und vermeintliche Residenz der sagenumwobenen Königin von Saba hat in den letzten Jahren viele Geheimnisse preisgegeben. Während das Rätsel um die schöne, schillernde Königin wohl für immer ungelöst bleiben wird, haben umfangreiche Ausgrabungen Licht in die Geschichte der Stadt gebracht. Neben Tempelruinen und Überresten einer mehr als 4 km langen Stadtmauer versinnbildlicht besonders der antike Damm den Zenith einer Hochkultur und deren Niedergang. Um 600 v. Chr. erbaut, 16 m hoch, 680 m lang und von zwei Schleusen eingefaßt, leitete er nach Regenfällen im Gebirge die herannahende Flutwelle in Kanäle um, die eine Fläche von ca. 10.000 ha mit Wasser und fruchtbarem Schlamm versorgten. Die künstlich bewässerte Oase und der Handel mit Weihrauch und Myrrhe bildeten die wirtschaftliche Grundlage der Stadt mit damals etwa 50.000 Einwohnern. Doch: „Sie aber wandten sich ab. Da sandten Wir über sie die Flut des Dammbruchs und verwandelten ihre beiden Gärten in zwei Gärten mit bitteren Früchten…“, schildert der Koran, Sure 34/Vers 16, den Anfang vom Ende einer glanzvollen Zeit. Hintergrund dieser Zeilen war wohl weniger die Gottlosigkeit der Sabäer als die Tatsache, daß sich der Weihrauchhandel von den Wüstenpisten auf den Seeweg verlagert hatte, Saba einen Machtverfall hinnehmen mußte und nicht mehr über die Fähigkeiten verfügte, das technische Meisterwerk zu warten. Der Dammbruch ist übrigens historisch belegt. 40 km südwestlich von Marib liegt die Ruinenstätte der ersten Hauptstadt des Sabäer-Reiches, Sirwah. Ein noch erhaltener Lehmziegelwall umschließt das alte Stadtzentrum mit dem monumentalen Almaqah-Tempel. Auf seinem Areal gruben 2005 Mitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts einen tonnenschweren Schriftstein aus. Seine 7 m lange Inschrift berichtet von Kriegen eines sabäischen Herrschers in der Zeit um 500 v. Chr. Nach stundenlanger Fahrt über Wüstenpisten schieben sich die Überreste der legendären Hauptstadt Hadramauts, Shabwa, ins Blickfeld. Hadramaut Jemens östliche Provinz bezog ihren Reichtum zuallererst aus der Organisation des Weihrauchhandels. Andere kostbare Güter kamen hinzu: Myrrhe, Gewürze, Elfenbein, Perlen, Seide, Edelhölzer. Quelle all dieser Schätze konnte nach Auffassung der Römer nur das ferne, glückliche Südarabien („Arabia felix“) sein. Doch so war es nicht. Weihrauch und Myrrhe kamen überwiegend auf dem Seeweg aus der Provinz Dhofar im südwestlichen Oman in die antike Hafenstadt Qana (heute Bir Ali/Hadramaut). Die anderen Waren stammten aus China, Indien und Ostafrika und wurden im südlichen Jemen nur umgeschlagen für den Weitertransport auf dem Rücken von Kamelen. In langen Karawanen zogen sie auf der Weihrauchstraße aus dem südlichen Jemen in das westliche Saudi-Arabien, durchquerten das Nabatäer-Reich im heutigen Jordanien und dann Palästina bis Gaza, wo die Waren auf Schiffe verladen wurden mit römischen und griechischen Bestimmungshäfen. Hadramaut wird durch Hochplateaus, Wadis, Oasen und Sandlandschaften geprägt. Kerngebiet ist das gleichnamige Tal (Wadi), mit 160 km Länge und 10 km Breite nach dem jordanischen Wadi Rum zweitgrößtes (Trocken)-Tal der Arabischen Halbinsel. Es umfaßt ein weitverzweigtes, landschaftlich faszinierendes System von trockengefallenen und wasserführenden Haupt- und Nebenwadis, an deren Rändern Städte entstanden mit einzigartigen Baudenkmälern. Sa`yun zum Beispiel, das Zentrum der Provinz. Sein Wahrzeichen ist der aus dem 16. Jahrh. stammende fünfstöckige Sultanspalast, der größte Lehmziegelbau des Landes, der aus nicht weniger als 300 Räumen besteht (heute Museum) oder Tarim, einst Mittelpunkt der Lehre des orthodoxen Sunni-Islam und zugleich namhafte Handelsstadt. Neben zahllosen Moscheen und Medresen, darunter die Al-Midhar-Moschee mit einem himmelstürmenden Minarett – vollständig aus Lehm erbaut, sind alte Kaufmannspaläste zu bestaunen, die neben traditioneller südarabischer Ornamentik auch indonesische Stilelemente zeigen, worin sich die engen Handelsbeziehungen ihrer Besitzer nach Südostasien widerspiegeln. Höhepunkt jedoch ist Shibam, die grandiose Stadt, auf einem ummauerten Sockel mitten im Flußbett errichtet. An die 500 ockerfarbene Lehmhochhäuser mit weiß gekalkten oberen Stockwerken, knapp 30 m hoch und 100 bis fast 400 Jahre alt, stehen so dicht gedrängt, daß die Gassen den ganzen Tag über Schatten bieten und gerade zwei Kamele aneinander vorbeipassen. Das „Chicago der Wüste“, wie der Reiseschriftsteller und Fotograf Hans Helfritz 1932 nach seinem Besuch die Stadt im Wadi begeistert taufte, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und wird mit Hilfe der deutschen GTZ restauriert.
Eckart Fiene
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Reiseinfos Naturraum: Der Jemen gliedert sich in drei Großlandschaften. Im Westen, an das Rote Meer angrenzend, erstreckt sich eine 20 – 70 km breite Küstenebene. Das Tihama („heißes Land“) genannte halbwüstenartige Terrain setzt sich nach Norden in Saudi-Arabien fort. Es zählt bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit zu den heißesten und zugleich niederschlagsärmsten Gegenden der Welt. Ein der Tihama ähnlicher Küstenstreifen hat sich auch entlang dem Golf von Aden im Süden des Landes herausgebildet. Aus den küstennahen Ebenen steigt das Land allmählich zum zentralen Bergjemen an, den steile und stark zerklüftete Strukturen prägen, überragt von der höchsten Erhebung der Arabischen Halbinsel, dem 3.760 m hohen Jabal an-Nabi Shu`ayb. Die angrenzenden, weiträumigen Hochplateaus (über 2.000 m) sind von zahllosen Wadis (Trockentälern) durchschnitten. Sie senken sich im Norden und Nordosten stufenweise zu den Ausläufern der großen Arabischen Wüste Ar-Rub`al-Khali („Leeres Viertel“) auf ca. 500 m ab. Besonders der südliche und mittlere Bergjemen profitiert zweimal im Jahr von den aus Afrika heranziehenden Monsunen, die reichlich Niederschläge bringen (bis 1.000 mm) und den zentralen Jemen in eine grüne Insel inmitten menschenfeindlicher Geröllfelder und Sandwüsten verwandeln. Arbeitsintensiver Regenfeldbau auf Zehntausenden Terrassenfeldern wird hier seit Urzeiten betrieben. Neben Küstenebenen und Gebirgszonen bestimmen Wüstenareale im Norden und Nordosten das Landschaftsbild des Jemen. Die ausgedehnten Sandmeere und Dünen des „Leeren Viertels“, die durchsetzt sind von Schotterflächen und abflußlosen Becken, in denen die Fracht vorübergehend Wasser führender Wadis versickert, bilden einen eindrücklichen Kontrast zum vegetationsreichen Bergland. Vor der jemenitischen Westküste liegt die kleine Insel Kamaran (57 km²) und rund 130 km südlich davon die früher eritreischen Hanisch-Inseln. Sie wurden 1998 nach einem Schiedsspruch des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag dem Jemen unterstellt. Noch weiter südlich gibt es in der nur 30 km breiten Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, ein weiteres, winziges jemenitisches Inselterritorium (13 km²) namens Perim. Dagegen weist der weitab von Jemens Küsten am „Horn von Afrika“ liegende Sokotra-Archipel eine Fläche von beachtlichen 3.600 km² auf. Klima: In den Küstenebenen sind schwül-heiße Wetterlagen bei minimalen Niederschlägen die Regel. Anders im Bergland: Hier herrscht ganzjährig ein gemäßigtes Klima mit der Höhenlage entsprechenden Temperaturen, starker nächtlicher Abkühlung, im Winter durchaus nicht selten gegen null Grad. Da der Winter aber zugleich Trockenzeit ist, bleibt man von Schnee verschont. Dagegen muß in den Monaten März, April, Juli und August im Hochland unter dem Einfluß der Südwestmonsune täglich mit kurzen Regenschauern gerechnet werden. Nach Norden und Osten, in den Tafellandschaften, Halbwüsten und Wüsten, sinken die Niederschläge rapide, es ist ganzjährig trocken und heiß. Als beste Reisezeit gelten die Monate September/Oktober bis März/April. Vegetation und Tierwelt: In der Trockensavanne der Küstenebenen gedeihen nur Dornsträucher, Trockengräser und andere anspruchslose Pflanzen, die eine magere Weidewirtschaft zulassen. Besonders in den Wadis und auf den vorgelagerten Schwemmfächern begegnet man Tamarisken, Akazien, Dattelpalmen und den eigenartigen Wasser speichernden Flaschenbäumen. Jeder noch so kleine Flecken Erde in den vom Monsunregen erreichten Hochlagen wird als Kulturland genutzt. Auf unzähligen terrassierten Hängen wächst Getreide, immer häufiger auch das hohen Gewinn bringende Qat, dazu diverse Obst- und Gemüsearten. Ganz anders sieht es im Regenschatten der Gebirge aus. Hier nimmt die Vegetation rasch ab und fehlt fast vollständig in den trocken-heißen Wüstengebieten. Die Tierwelt des Jemen ist artenarm. Wild lebenden Säugetieren begegnet man kaum noch. Dafür sind Reptilien, Schlangen, Schmetterlinge und Seevögel noch zahlreich vertreten. Geld/Währung: Landeswährung ist der Yemeni Riyal (YR). Kreditkarten werden, abgesehen von einigen großen Hotels und Reiseagenturen, nicht akzeptiert. Am günstigsten werden US-Dollars getauscht. Es hat sich bewährt, kleinere Dollarnoten (für Trinkgelder, die im Jemen üblich sind und einen nicht unerheblichen Teil des Einkommens darstellen) sowie 100-Dollar-Scheine zum Einwechseln mitzunehmen. Einreisebestimmungen: Deutsche Staatsangehörige benötigen zur Einreise einen Reisepaß, der noch mindestens drei Monate über den beantragten Aufenthalt hinaus gültig sein sollte. Außerdem ist ein Visum r e c h t z e i t i g vor dem Reiseantritt bei der Botschaft des Jemen in Berlin zu beantragen. Israelische Einreisestempel im Paß können zu erheblichen Problemen führen. Ein deutscher Kinderausweis muß immer mit einem Lichtbild versehen sein. Kinder können aber auch in den Reisepaß eines Elternteils eingetragen werden, gleichfalls mit Lichtbild. Für Aufenthaltsverlängerungen gelten strenge Richtlinien, die rechtzeitig vor Ort in Erfahrung gebracht werden müssen. Das Auswärtige Amt rät von einer Anreise auf dem Landweg über Saudi-Arabien bzw. Oman ab. Sicherheitshinweise: Bei Reisen im Jemen sollte man Vorsicht walten lassen. Die Möglichkeit terroristischer Anschläge gegen „Westler“ und westliche Einrichtungen darf nicht unterschätzt werden. Auch sollten die immer wieder stattfindenden und zumeist glimpflich verlaufenden Entführungen von Ausländern nicht als folkloristische Zutat mißverstanden werden. Es geht dabei um handfeste Interessen, um Konflikte zwischen Stämmen und der Zentralregierung, in denen die Gekidnappten benutzt werden, um von der Regierung Gegenleistungen zu erpressen. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, daß nach dem deutschen Konsulargesetz eventuell anfallende Kosten für Hilfsmaßnahmen den Betroffenen in Rechnung gestellt werden. Seitens des AA wird von Einzelreisen durch das Land dringend abgeraten. Wer dennoch auf eigene Faust reisen will, benötigt dafür sog. „permits“, polizeiliche Genehmigungen von Reiseroute und Reisezeit. Räumliche oder zeitliche Abweichungen von der genehmigten Tour führen an den Polizei-Checkpoints garantiert zu massiven Komplikationen. Für bestimmte Gebiete erhalten Alleinreisende keine Reisegenehmigung, es sei denn, sie verpflichten sich, den vorgeschriebenen militärischen Begleitschutz aus eigener Tasche zu bezahlen . . . In jedem Fall informiere man sich bei der Deutschen Botschaft in Sana`a über die aktuelle Sicherheitslage in der Region, die man bereisen möchte. Generell gilt, Risiken lassen sich deutlich verringern, wenn der Jemen im Rahmen einer organisierten Rundreise erkundet wird. Was noch zu bedenken ist: Reisende haben Kleinkriminalität wie etwa Diebstahl kaum zu befürchten. Das allgemeine Einfuhrverbot für Alkoholika ist für Nichtmuslime gelockert worden: es dürfen jetzt alkoholische Getränke (1 Liter pro Person) ins Land gebracht werden. Allerdings sollte man sie nicht in der Öffentlichkeit konsumieren. Mittlerweile bieten fast alle Hotels Touristen Alkohol an. Die Öffentlichkeit ist auch nicht der richtige Ort für den Austausch von Zärtlichkeiten. Es ist streng verboten, militärische Anlagen, See- und Flughäfen zu fotografieren. Die Abbildung von Frauen, ob verschleiert oder nicht, ist ebenfalls strikt untersagt. Aus Respekt vor den lokalen Traditionen und Gewohnheiten sollten Frauen keine kurzen Hosen oder Miniröcke tragen. Korrekt sind weite Hosen oder lange Röcke sowie bedeckte Schultern und Oberarme. Auch Männer tragen keine kurzen Hosen. Das gilt als lächerlich. Ein Kopftuch muß von Europäerinnen nicht getragen werden, ist allerdings beim Besuch von Moscheen unerläßlich und leistet überdies gute Dienste gegen Staub und Sonne. Die medizinische Versorgung ist rückständig und mit den europäischen Standards nicht zu vergleichen. Deshalb sollte die persönliche Reiseapotheke großzügig bestückt und eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rückholgarantie abgeschlossen werden. Ob eine Malariaprophylaxe sinnvoll ist, muß in jedem Einzelfall mit einem Fachmann besprochen werden. Vom Gesundheitsdienst des AA werden Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A empfohlen, bei Langzeitaufenthalten noch weitere Impfungen. Durch konsequenten Mückenschutz (chemische Mittel, Moskitonetz) und den Genuß nur gut durchgebratener oder –gekochter Speisen, abgekochten Wassers oder Mineralwassers und Zurückhaltung bei eisgekühlten Getränken vermindert sich deutlich die Gefahr, Opfer von Durchfällen und anderen Tropen- und Infektionserkrankungen zu werden.Statistik Lage: Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel. Saudi-Arabien im Norden und Oman im Osten sind seine Nachbarn. Im Westen grenzt das Land an das Rote Meer, im Süden an den Golf von Aden. Fläche: Mit536.869 km² ist der Jemen etwas kleiner als Frankreich Staat: Laut Verfassung von 1994 ist das Land eine Republik auf Grundlage des islamischen Rechts (Scharia). Parteien, auch oppositionelle, sind zugelassen. Frauen besitzen das aktive und passive Wahlrecht, was aber den Widerstand islamistischer Kreise hervorruft, wie bei den Wahlen vom Sept. 2006 deutlich wurde. Der seit 1978 regierende Präsident Saleh steht an der Spitze von Staat u n d Exekutive. Sein politischer Spielraum ist freilich begrenzt, da er sich auf Kompromisse mit den mächtigen Stämmen einlassen muß. Der schwachen Zentralregierung, die sich überdies auf einen ineffizienten und korrupten Verwaltungsapparat stützt, stehen die gewachsenen sozialen Strukturen einer traditionsverhafteten Stammesgesellschaft gegenüber. Aus dieser Konstellation resultieren enorme Entwicklungsrückstände, wie der Human Development Index von 2005 belegt. Er plaziert den Jemen auf Rang 155 unter 177 Ländern aufgrund hoher Defizite im Bereich staatlich bereitzustellender Basis-Infrastruktur. Nicht weniger alarmierend sind die Daten im Korruptionsindex von Transparency International, nach dem der Jemen auf Rang 111 unter 158 bewerteten Staaten fiel. Unter den Nachbarn und den Mitgliedsländern des Golf-Kooperationsrats geht die Furcht um, der ohnehin bitterarme Jemen könnte noch weiter in Instabilität und Armut abgleiten und die schon vorhandenen islamistischen Tendenzen Auftrieb erhalten. Hauptstadt: Sana`a mit ca. 2 Mio. Einwohnern Bevölkerung: Der Census von 2004 ermittelte 19.7 Mio. Einwohner im Jemen. Ihre ethnische Zusammensetzung ist außergewöhnlich homogen. Rund 97 % sind jemenitische Araber, der Rest Inder, Pakistaner, Somalier, Europäer. Das Bevölkerungswachstum liegt bei hohen 3,4 %. Religion: Der Islam ist Staatsreligion. Zu ihm bekennen sich fast 99 % der Einwohner. Im westlichen Tiefland, im Osten und Süden des Landes machen sunnitische Muslime, genauer: Schafiiten, Anhänger einer der vier anerkannten Rechtsschulen des sunnitischen Islams etwa 90 % der Bevölkerung aus. Im Norden sind es nur 50 %, die andere Hälfte sind Anhänger der moderaten, den Sunniten nahestehenden schiitischen Richtung der Zaiditen. Es gibt kleine Minderheiten von Hindus, Christen und Juden. Im Jemen herrscht Religionsfreiheit. Sprache: Staatssprache ist jemenitisches Arabisch, das in drei Hauptdialekten gesprochen wird (Sanaani im Norden, Taizzi-Adeni im Süden, Hadrami im östlichen Hadramaut). Wie das Arabische zählt auch die Mehri-Sprache zum südlichen Zweig der semitischen Sprachfamilie. Sie wird in der östlichsten Provinz des Landes, al-Mahrah, gesprochen und auch jenseits der Grenze im omanischen Dhofar. Diese Sprache war schon im vorislamischen Südarabien verbreitet, konnte aber keine eigenständige Schrift ausbilden. Soqotri (auch: Suqutri) von der Insel Sokotra mit Anklängen an äthiopische Dialekte zählt ebenfalls zu den südsemitischen Sprachen. Wirtschaft: Noch bis etwa 2016 wird der Jemen – mit 550 Dollar jährlichem Prokopfeinkommen eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt – Erdöl fördern. Dann werden die Quellen versiegen. Überlegungen, welche Branchen an die Stelle des Erdöls treten sollen, sind noch nicht weit gediehen. Eine Hoffnung richtet sich auf das Erdgas, das in beachtlichen Mengen unter den Wüsten lagert und als verflüssigtes Naturgas in großem Maßstab exportiert werden soll. Auch könnte die Fischerei professionalisiert und zugleich erweitert werden, gibt es doch vor der 2.600 km langen Küste einen Fischreichtum wie nur in wenigen anderen Meeresregionen. In der Landwirtschaft stecken ebenfalls noch Reserven (Der Jemen ist eines der wenigen Entwicklungsländer ohne Agrarreformen). Die wirtschaftliche Lage ist unerfreulich. Reformstau, Korruption, mangelnde Transparenz, fehlende Pläne und Projekte bremsen die Entwicklung und lassen internationale Geber zögern. Ein blühender Tourismus steht wie schon bei unzähligen anderen Ländern auf der Wunschliste ganz oben. Sein zweifellos vorhandenes Potential kann aber mangels touristischer Infrastruktur (noch) nicht ausgeschöpft werden. So gibt es nur in größeren Städten richtige Hotels, in kleineren Orten müssen Touristen mit traditionellen Herbergen (sog. Funduks) Vorlieb nehmen. Stammesfehden, die zur Sperrung ganzer Regionen führen und die nicht abreißende Kette von Entführungen bleiben Unsicherheitsfaktoren. |