Italien
Im Reich des Gallo Nero
- eine genussvolle Radreise in der Toskana
Text und Fotos: Elke Sturmhoebel

Chianti Classico und eine wellige Landschaft, in der Rebstöcke in Reih und Glied stehen, Dörfer rund um Ambra, die kaum ein Reiseführer erwähnt, Dorffeste als eine willkommene Abwechslung am Ende einer Tagestour von bis zu 70 Kilometern und "Panino con Porchetta" nebst einem Grappa sind genau die richtige Mischung genussvolles Radeln durch die Toskana.
Weinseligkeit und "Betthupferlsteigung"
In Duddova ist Dorffest. Janine hat bei der Tombola eine Schildkröte gewonnen,
die schnarrende Töne von sich gibt, wenn man sie an sich drückt.
Von den Kindern wird sie glühend beneidet, daher wechselt das giftgrüne
Plüschtier nach kurzer Zeit den Besitzer. Jedes Jahr gibt es in
einem der kleinen Dörfer rund um Ambra ein Festes, und alle sind
eingeladen. Da werden Kuchen aufgefahren und köstlich belegte Brote,
eine Flasche Wein nach der anderen wird geköpft und großzügig ausgeschenkt.
Jeder bedient sich, keiner muss bezahlen. Alle sind weinselig und
fröhlich: ein krönender Abschluss eines schönen Tages auf dem Rad.
Doch was heißt hier Abschluss? Der Tag ist noch lange nicht vorbei. Wir müssen an Bruno denken, der jetzt in der Küche der Cantina wirbelt, um uns zu verwöhnen. Und unser Koch ist ein Künstler. Für seine kulinarischen Kreationen lohnt es sich, auf das ein oder andere Schnittchen am kalten Büffet zu verzichten. Also schnell den Berg runtergeradelt nach Ambra, noch die "Betthupferlsteigung" hoch und schon sind wir in Badia a Ruoti. Giotto, der zottelige Hund wird mit dem Schwanz wedeln, wenn wir in unserer Villa, der ehemaligen Propstei, eintreffen. Und nach dieser nicht enden wollenden Steigung haben wir auch den nötigen Appetit.

Civitella, ein
Etappenziel
Der Name der Anhöhe "Betthupferlsteigung" ist übrigens eine Erfindung unserer Begleiterin Birgit, die aufpasst, dass wir den rechten Weg nicht verfehlen. Für sie ist das ein Kinderspiel, kennt sie doch jedes Dorf und jeden Hügel, jede Kurve und jeden Stein in diesem Teil der Toskana. Sie weiß, dass der Liedermacher Konstantin Wecker zwischen Ambra und Cennina eine Immobilie besitzt und dass der Schauspieler Bud Spencer - bekannt aus zahlreichen Filmen mit Terence Hill, so auch "Vier Fäuste für ein Halleluja" - in dieser Gegend ein Urlaubsdomizil erworben hat. Jedes Café auf der Strecke, in dem es guten Cappuccino gibt, ist ihr bekannt und ebenso jede Bar, in die wir einkehren können. Kurz gesagt: Sie kennt die Gegend mit all ihren Höhen und Tiefen wie ihr Flickwerkzeug.
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