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Italien

Sardinien jenseits der Costa Smeralda

Text: Ulla Schmitz

Es war einmal eine Küste, schön und klar wie ein Smaragd, la costa smeralda. Sanft umspielten die Wellen des Mittelmeeres ihre Peripherie, legten den hellgolden scheinenden Sandstränden weiße Krägen um – und da sich daran nichts geändert hat, lebt die Costa Smeralda so weiter. Wenngleich das Hinterland im Osten Sardiniens mit dem Ausbau der Küste zu einer Tourismusenklave deutlich umgestaltet wurde. Warum aber dies dem Gesamtbild der „wilden Insel“ nur marginale Veränderungen zufügte, weiß Ulla Schmitz zu erzählen. Und so ganz nebenbei erfahren wir von einer Liebe, einer ewigen.  

„Dieser alte Sack“, ereifert Tonio sich, „wenn der bei uns zu Hause wäre, wüssten wir genau, was mit dem zu tun ist!“ Der junge Kellner in einer Bar am Yachthafen von Porto Cervo hat übrigens eine deutlich eindrucksvollere Bezeichnung für den „alten Sack“ gewählt, der sich schon morgens um zehn und in Begleitung diverser Damen an einem Tisch räkelt, Champagner spritzend, aufdringlich gestikulierend, und die Kellner wie Sklaven hin und her rennen lässt. Verwunderte Blicke ob seines Ausbruchs pariert Tonio aber gerne mit der Erläuterung seiner Pläne, wäre der Typ bei ihm zu Hause, in der Barbagia: „Man schmiert den Alten, die zu nichts mehr nutze sind, Wolfsmilch um den Mund. Das verzieht die Mundwinkel“, er demonstriert per Grimasse ein sardonisches Lachen, „sodass es aussieht, als ginge es ihnen gut und dann stößt man sie in die nächste Schlucht! Bumm!“

„Tonio! Das ist nicht wahr!“ Der vormittägliche Espressostop bekommt gruselige Züge. „Nein, nun ja“, Tonio windet sich, „aber früher war das so!“

Angepasste Sarden gibt es nicht

Gut, das mag man glauben, denn die Sarden standen noch nie im Ruf, eine angepasste Gesellschaft darzustellen. Das wäre für sie auch eine unehrenhafte Entwicklung, denn „ein Sarde ist ein Sarde und kein Weichei, wie diese Italiener“. Im Übrigen: was meint Tonio mit „früher“? Vor hundert Jahren? Vor achtzig oder auch noch, als 1962 die bis dato spärliche Infrastruktur der Costa Smeralda unter der Ägide des Aga Khan zum meeting point für die Reichen und Schönen auf Vordermann gebracht wurde? „Um diese Zeit ganz sicher noch!“ Tonio gibt sich bestimmt und will einfach nicht locker lassen von der Behauptung, dass derartige „Begräbnisse“ auch heute noch möglich sind, „wenn schon nicht Usus!“

Die Hautevollee geht andernorts an Land

Man mag sich der Sehnsucht nach einer Aufgeklärtheit der kompletten Erdenbevölkerung nur erwehren, weil der Himmel wie an fast jedem Tag eines sardischen Frühsommers strahlendblau ist und von einer Klarheit, die nur ein Himmel über einer Insel haben kann. Außerdem weht der Wind von See so sanft und die Yachten im Hafen liegen ruhig und selbstbewusst als Ausdrücke nobler Überlegenheit. Obschon ihre heutigen Besitzer nicht mehr unbedingt der wirklichen Hautevollee angehören, sondern mithilfe der üblichen Statussymbole nur noch so tun können als ob: Meine Villa, mein Ferrari, mein Schiff, mein Hubschrauberlandeplatz darauf, meine Pferde, mein Pool, meine Frau… Man sieht´s dem „alten Sack“ an und möchte ein wenig Mitleid mit ihm bekommen. Oder doch lieber mit Tonio? Oder gar nicht, indem man der ehemaligen Jet-Set Enklave den Rücken kehrt und sein Badehandtuch einfach in der Bucht von San Antonio, nur ein paar Kilometer südlich, auslegt. Ach ja, und jetzt noch ein bisschen Windsurfen, weil der Wind gerade mal wieder so traumhaft ablandig kommt.

„Sardegna mio amore!“

Endlich ist wieder Ruhe eingekehrt, in meinem liebevollen Verhältnis zur Trauminsel, auf der ich in den Siebzigern einmal eineinhalb Jahre verbrachte, weil meine damalige Welt völlig aus den Fugen geraten war. „Geh nach Sardinien“, hatte ein römischer Freund mir geraten, es war auch damals Frühsommer gewesen, „dort wirst du deine Ruhe haben, nichts als Ruhe.“ Wie Recht er gehabt hatte! Schon nach wenigen Wochen war mein seelisches Gleichgewicht wieder hergestellt, doch die Insel daraufhin zu verlassen, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Also verlängerte ich den Mietvertrag des kleinen Hauses oberhalb von Lu Fraili, legte mir ein paar dieser großbauchigen Glasflaschen zu, damit ich vom fahrenden Weinhändler endlich genügend Vorrat direkt von den Fässern auf der Ladefläche seines dreirädrigen Apé kaufen konnte – obwohl ich noch immer den goldfarbenen Vernachia vorziehe, musste ja auch genügend Roter für die Freunde da sein – und fragte im Alimentari von Mamma Lucia nach, ob ich nicht auch bei ihr, genau wie alle anderen Kunden, anschreiben lassen könne. So dass ich nicht für jede Tüte panini und jedes Pfund Oliven und Schinken einen Haufen Lirescheine bei mir tragen müsse. „Certamente“, war ihre Antwort und es klang wie das Besiegeln einer Freundschaft.

Eine Frage der Ehre

Es wurde Sommer, der Duft des Jasmin und der Oleanderbüsche begann, mir den Atem zu nehmen. Ich lernte tauchen und stieß, tief im Bauch unserer Bucht, auf ein paar Amphoren. Natürlich habe ich sie heraus geholt, natürlich liegen sie noch immer auf der Terrasse des kleinen Hauses drapiert. Und natürlich hat kein Mensch je nach einer „Genehmigung für den Besitz archäologischer Funde“ gefragt, zumal es das wahrscheinlich nicht gibt. Schon gar nicht auf Sardinien, wo keine Zeit war, sich um etwas derartig Marginales zu kümmern, wie Don Pavone, der Pfarrer von San Antonio, meinen Kulturdiebstahl nannte. Ging es doch um die Ehre, wieder einmal, und auch in jenem Sommer, als der Sohn eines Mailänder Industriemoguls entführt worden war und, man wusste es auf Sardinien genau, in Orgosolo gefangen halten wurde. So weit, so in der Tradition, erfuhr ich, schließlich waren alle Bewohner dieses Bergdorfes in der Barbagia schon immer Banditen, aber schließlich kämpften sie stets im Rahmen von onore, der Ehre.

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"Sardinien lädt zum Entdecken ein! Die Insel ist erheblich größer und vielschichtiger, als man beim ersten Kartenstudium vielleicht meinen könnte. Vieles ist zudem noch völlig unerforscht wie beispielsweise die zahllosen Tropfsteinhöhlen des Eilandes. Dabei wurden von Eberhard Fohrer natürlich nicht nur die meist an der Küste liegenden touristischen Highlights ausführlich beschrieben, der Leser findet auch Hintergrundinfos für Ausflüge und längere Aufenthalte im Inselinneren."


 

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