
Römische Kaffee-Rituale
In der Caffè-Bar schlägt das Herz der italienischen Hauptstadt
Text und Fotos: Dominik Ruisinger
„Un caffè”, „due cappuccini
e un cornetto”, „un caffè un poco macchiato”.
Es ist neun Uhr in einer kleinen Bar in San Lorenzo, einem Arbeiterviertel
im Osten Roms. Eugenio ist hinter der Bar in seinem Element. Hier
ein Cappuccino, dort einige nette Worte, ein Lächeln, ein Gruß.
Flink schiebt er die Tassen unter die Kaffeemaschine, setzt sie auf
eine Untertasse, zwei Tütchen Zucker hinzu, ein Schuss aufgeschäumte
Milch - fertig ist der Caffè Macchiato.
Jeden
Morgen kommen die Anwohner vor der Arbeit her: Der Bankangestellte,
der um die Ecke wohnt, der Eisenwaren-Händler, die Fischhändler
und Obstverkäufer vom Markt. Auch der ergraute Herr,
der stets die Theke blank poliert. „Es ist hier immer
die Aufgabe der guten Kunden, für etwas Sauberkeit zu
sorgen", blinzelt
er mir zu. Dabei zieht er tief an seiner glimmenden Zigarette.
Am Ende des Tresens wartet schon die Belohnung auf ihn: Ein
Caffè Corretto,
Kaffee mit Schuss.
Leben in der Bar
An den beiden einzigen Tischen wünschen drei ältere Damen Cappuccino im Glas. Der Barista zeigt auf ein Bierglas und lacht über ihr Kopfschütteln. Zwei, drei Handgriffe später serviert er die Getränke in einem kleinen Glas. Vier Caffè, davon zwei mit etwas mehr Wasser verlängert und zwei besonders stark, bestellt ein hübsches Mädchen. Voller Vorfreude beobachtet sie das leichte Röcheln der Maschine, bevor die schwarze Flüssigkeit tröpfchenweise in die Tassen sickert.
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