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Von Pompei nach Neapel

Kampanien - Pompei

Von Sorrento hätten wir bequem mit dem Bus nach Pompei fahren können, doch uns zieht es weiter nach Norden, sodass wir mit dem Wohnmobil vor der riesigen Ausgrabungsstätte einrollen. Die Zufahrt ist einfach und es gibt große Parkplätze gleich vor dem Haupteingang. Mit der Aufschrift „safe“ (sicher) werben sie in großen Buchstaben und rechtfertigen damit ihren hohen Preis. Für das gleiche Geld kann man allerdings nebenan auf dem Stellplatz bis zum nächsten Tag bleiben. Wer einen längeren Aufenthalt plant ist mit dem Campingplatz Zeus besser beraten. Die komfortable Anlage befindet sich nicht weit vom Haupteingang des archäologischen Parks entfernt und liegt nahe der Haltestelle der Schmalspurbahn Circumvesuviana, die nach Neapel führt.

Italien - Kampanien - Pompei

Bevor wir nach Neapel fahren, wünschen wir uns einige erholsame Tage am Strand. Die erhoffen wir uns weiter im Norden zu finden, wo in unserer Karte eine schmale Küstenstraße mit Campingplätzen verzeichnet ist. Doch es sollte alles anders kommen. Unser Navi hat Mühe, den Weg durch das Vorstadtgewirr an den Strand zu weisen. Immer wieder müssen wir neue Entscheidungen treffen und die Anweisungen korrigieren. Schließlich können wir das Meer ahnen und manchmal auch sehen, doch jeder Zugang ist durch Hotelanlagen, Restaurants oder ähnliche touristische Sommereinrichtungen versperrt und für den Campingplatz sind wir noch zu früh im Jahr unterwegs. In unserer Verzweiflung fahren wir wieder retour und versuchen es auf der anderen Seite von Pozzuoli. Der Geburtsort der berühmtesten Schauspielerin Italiens Sofia Loren wirkt heruntergekommen, viele dunkelhäutige Menschen fallen uns am Rande der Hauptstraße auf. Wir fühlen uns unwohl und sind froh, am Ende der Sackgasse einen Zugang zum Strand zu finden. Nach vielen Kilometern stelle ich den Motor mit dem Gefühl ab, das Beste gefunden zu haben, was möglich ist. Wir sind gerade beim Abendessen, da klopft es energisch an der Türe. Ich kenne den Klang und stehe tatsächlich beim Öffnen einem Polizisten gegenüber. Sofort bin ich auf das Schlimmste gefasst. Doch der Mann erklärt uns in besorgtem Ton, dass es seine Pflicht sei, uns darauf aufmerksam zu machen, dass dieser Platz nicht sicher ist. Er verabschiedet sich mit dem Rat, dass wir uns einen belebteren Platz suchen mögen. Wenige Minuten später sitze ich am Steuer und folge seiner Schilderung zurück zur Hauptstraße. Für uns ist klar, dass wir noch bis Baia Domizia weiter fahren werden, wo uns der gleichnamige 4-Sterne-Luxusplatz Camping empfohlen wurde.

Abenteuer Neapel

Mit dem Wohnmobil fahren wir nicht nach Neapel, das steht fest. So fällt unsere Wahl auf die Eisenbahn. Der Bahnhof Sessa Aurunca liegt nur wenige Kilometer landeinwärts und der bewachte Parkplatz kostet schlappe 2 Euro für den ganzen Tag. Für weniger als 10 Euro pro Person kommen wir hin und zurück und können für eine Stunde in Neapel noch die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, was wollen wir mehr. In knapp einer Stunde sind wir bereits im Zentrum. Bei der Haltestelle Montesanto betreten wir aus dem Untergrund zum ersten Mal das Herzstück der so berüchtigten Stadt. Der erste Eindruck ist düster, schmuddelig und die moderne Standseilbahn zum Vomero ein gewaltiger Kontrast. Von der Endstation ist es nicht weit bis zur Via Tito Angelini, die wie ein Balkon über der Metropole angelegt ist. Wer will, kann hier einen Kaffee mit dem schönsten Blick auf die Stadt bestellen. Bei klarem Wetter ist hinter dem Häusermeer der Vesuv zu sehen und die Frachter im Hafen wirken von hier wie Spielzeugboote. Deutlich sehen wir im Zentrum die Straße Spaccanapoli, die wie eine schnurgerade Linie bis zum Bahnhof die Altstadt in zwei Bereiche teilt.

Wir fahren mit der Funicolare Centrale hinunter in den südlichen Teil der Stadt und stehen nach wenigen Schritten in der Galleria Umberto. „Die elegante Geschäfts- und Lokalpassage zählt mit ihren Cafés zu den beliebtesten Treffpunkten der Stadt“ hat es in unserer Reiselektüre geheißen. Für mich ist es wie eine Zeitreise ins ausklingende 19. Jahrhundert, als die Architekten Stahl und Glas zu luftig hellen Konstruktionen vereinen konnten. Fast 60 Meter sollen es bis zur Kuppel sind. Ihr Vorbild steht in Mailand.

Italien - Kampanien - Galleria Umberto

Hier wenden wir uns den kulinarischen Genüssen der Stadt zu. Schließlich sind wir in der Geburtsstadt der Pizza Margherita und in einem der Lokale wird noch nach alter Tradition im Holzkohleofen gebacken. Angeblich soll 1889 die Pizza zu Ehren der Königin Margherita von Savoyen in Neapel kreiert worden sein. Belegt mit den Nationalfarben rot wie Tomaten, weiß wie Mozzarella und Grün wie Basilikum. Und für einen Neapolitaner gehört nur Mozarella di bufala darauf, sonst ist es keine echte Pizza.

Italien - Kampanien - Pizzabäcker

Mozzarella di Bufala. Er muss aus Büffelmilch sein.

Der Mozzarella ist ein Frischkäse – so italienisch wie der schiefe Turm von Pisa. Aber dazu muss er traditionell aus 100% reiner Büffelmilch hergestellt werden, die ihm seinen besonderen Geschmack und seine cremige Textur verleiht.
Wie die Wasserbüffel, die ursprünglich aus Asien stammen, nach Italien kamen, ist Hypothese. Mal hält man Hannibal und seine Truppen für die Transporteure, mal arabische Völker, mal Handelsschiffe aus Indien. Einigermaßen sicher ist, dass die Tiere ab dem 12. Jahrhundert in Italien auch gezüchtet wurden. Zunächst als starke und willige Arbeitskräfte in den sumpfigen Gebieten. Später entdeckten Mönche und Bauern auch die Qualität ihrer Milch, mit der sie neue Varianten in die Käseherstellung einbrachten.

Die Gerinnung der Milch ist für die Herstellung ein entscheidender Prozess, der den Geschmack und die Konsistenz des späteren Käses bestimmt. Der geschnittene Bruch wird zunächst mit heißem Wasser überbrüht und unterliegt dann einem sehr speziellen Verfahren durch mehrmaliges Anheben und Ziehen. So entsteht eine homogene, Fäden ziehende Masse. Nun wird der Käse zur Festigung der Konsistenz in kaltes Wasser getaucht und schließlich in Salzlake eingelegt, in der er bis zu seinem Verzehr bleibt. Sein glänzendes Porzellan-Weiß ist das äußere Merkmal für ein Spitzenprodukt.

Warnende Hinweise in den Reiseführern bezüglich der gefährlichsten Stadt Italiens, in der einem spätestens am Ende der Einkaufsstraße die Handtasche gestohlen wird, haben all unsere Sinne geschärft, doch nichts dergleichen passiert. Sightseeingtouren in roten, oben offenen Busse sind eine andere Möglichkeit, Neapel zu erkunden. Eine gute, wenn auch teure Wahl. Doch nach unserer Erfahrung erschließen sich die Gassen und Winkel der Metropole so richtig nur zu Fuß. Vorbei an Bettlern, die mit ihrem Hund und einer Blechdose auf den dunklen Stufen sitzen.

Die Altstadt hat eine starke Konzentration an Kirchen. Nach unserer Meinung muss man nicht alle gesehen haben, aber eine Runde durch den Klostergarten der Kirche Santa Chiara bleibt unvergessen. Es sind die bunt bemalten einzigartigen Majoliken auf Mauern, Brunnen und Sitzbänken, die einen ganz speziellen Eindruck hinterlassen. Dazu kommt im Frühjahr der unverkennbare Duft der Orangenblüten, der einem gleich nach der Kasse durch die Nase zieht.

Italien - Kampanien - Klostergarten der Kirche Santa Chiara

In Neapel kann es auch regnen. Doch das trübt einen Bummel durch die Altstadt nicht, weil die Straßenverkäufer flexibel sind und sofort an jeder Ecke Regenschirme in fröhlichen Farben und Größen anbieten.

Die meisten Straßen sind eng und die Häuser so hoch, dass nur schwer ein Sonnenstrahl hinunterkommt. Auch in der Spaccanapoli, der Verkaufsmeile der Altstadt, in der es von Nudeln bis zur Glühbirne alles Mögliche zu kaufen gibt. Mein Blick fällt dort auf die alte Fassade einer Schokoladenmanufaktur, die seit 1894 hier einen Laden hat. „Gay Odin“ steht in goldenen Lettern über der Eingangstüre und die Geschenkdosen in der Auslage sind so verlockend, dass es mich wie magisch hineinzieht. Es ist nicht schwer zu erraten, dass wir mit süßen Köstlichkeiten das Geschäft wieder verlassen. Ein halbgefrorenes Schokoladenkunstwerk genießen wir sofort.

Kampanien - Neapel

Wenige Häuser weiter sind es Nudeln in allen Formen und Farben, die unseren Schlenderschritt zum Stillstand bringen. Dem erfahrenen Verkäufer entgeht das nicht, doch er ist geschickt und lässt uns erst so richtig seine Köder betrachten, bis er uns am Haken hat. Nachdem eine Plastiktüte schon gut mit Waren gefüllt ist, kommen noch Kostproben der verschiedenen Köstlichkeiten hinzu, sodass sich schnell noch eine Zweite füllt. Salvatore ist ein „alter Hase“ auf dem Gebiet und versteht es, eine angenehme Atmosphäre zu verbreiten, so dass der Einkauf zu einer wahren Freude wird.

Neapel - Nudelgeschäft

In der Querstraße V.G. Armeno ist das ganze Jahr über Weihnachten. Hier wird alles rund um die Weihnachtskrippe präsentiert und teilweise vor dem Publikum in Handarbeit bemalt. Das Angebot der kleinen Figuren geht weit über die klassische Krippenausstattung hinaus. Da gibt es in Miniatur Marktstände mit einer großen Gemüseauswahl, Pizzaöfen in Spielzeuggröße und vieles, das den Alltag und das alte Handwerk widerspiegelt. Manche Gegenstände sind inzwischen elektrisch angetrieben. So kann man sehen, wie das Jesuskind abgetrocknet wird, ein Schaf geschoren, oder die Pizza aus dem Ofen kommt.

Neapel - Miniaturen

Auf dem Weg zum Bahnhof sehe ich auf der anderen Straßenseite ein Wohnmobil mit einem österreichischen Nummernschild kommen. Der Fahrer ist offensichtlich verzweifelt und hält mitten auf der Straße an, um einen Polizisten nach dem Weg zu fragen, während um ihn herum der Verkehr hupt. Wir gehen mit der Gewissheit zum Gleis, dass unsere Entscheidung, den Zug zu wählen, die angenehmere, preiswertere und sicherere Variante war.

Auf der Rückfahrt lesen wir dann, dass man als Tourist vor der Mafia keine Angst haben muss, weil der Fremdenverkehr ein viel zu einträglicher Wirtschaftszweig geworden ist. In dem Bericht erhalten wir auch eine Antwort auf die Frage nach den Müllbergen auf den Straßen. Inzwischen hat auch hier die Mafia ihre Hände im Spiel und kontrolliert einen Großteil der Mülldeponien in Süditalien. Der Staat scheint auch hier hilflos zu sein.

Traumstrände in Latium

Trotz angenehmer Begegnungen bleibt uns Neapel als düstere, enge und schmutzige Stadt in Erinnerung, für die wir auf der nächsten Reise keinen Umweg einplanen würden. Anders ist es mit dem Küstenabschnitt, der nach Gaeta folgt.

Es werden gerade die Laternen angeschaltet, als wir in die Hafenstadt einrollen. Noch wird direkt neben den Kuttern der frische Fang verkauft. Die Auswahl reicht vom Tintenfisch bis zum Rochen, dazu Muscheln, Garnelen und teilweise unbekannte Spezies in sonderbaren Formen. Wir entscheiden uns für bekannte Arten, handeln schüchtern, weil wir die Gepflogenheiten nicht kennen und freuen uns auf das unerwartete Abendessen aus dem Meer. Dazu finden wir bald einen Platz am Strand, an dem wir geduldet sind.

Sperlonga - Fischhändler

Als wir am nächsten Morgen in Sperlonga einrollen, glauben wir, eine magische Grenze überschritten zu haben. Ja, wir sind nun in Latium, doch warum liegt hier kein Papier mehr auf der Straße, kein Strandgut auf dem langen Sandstrand am Meer, warum sind die Häuser so propper? Schließlich erfahren wir, dass der Küstenort auf dem Sporn seinen guten Ruf als hübschester Ort der Latinischen Küste nicht verlieren möchte. Wir würden ihm sogar als den saubersten Ort der ganzen Reise fünf Sterne verleihen. Genügend Sterne hat auch das Gefrierfach unserer Luxusküche. Darin verstauen wir zwei Eistorten der Gelateria am Dorfplatz, weil sie so einzigartig köstlich sind und haben zuhause noch eine halbgefrorene Erinnerung an unseren Urlaub.

Im anschließenden Parco Nazionale del Circeo tanken wir noch einmal mit frischem Grün auf. Bei Spaziergängen genießen wir die Farbenpracht der Frühlingsblumen und schlendern ein letztes Mal über den feinen Sandstrand, der hier mit dem Horizont zu verschmelzen scheint.

 

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