DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Frühlingssonne zwischen Neapel und Rom

Mit dem Wohnmobil durch Kampanien

Text und Fotos: Dirk Schröder

Das kühle Regenwetter macht es uns leicht, schnell in den Süden zu rollen. Als der Apennin auf der kurvigen Autobahn überquert ist, wird es spürbar wärmer, die Bäume sind deutlich grüner und die Blumen strahlen in herrlichen Farben.

Wir wollen zunächst in den Frühlingsfarben „baden“ und fahren bis Cilento durch, weil die Landschaft zwischen dem Golf von Salerno und dem Golf von Policastro in unserer Reiseliteratur mit verlockenden Attributen beschrieben wird. Und wenn das Gebirge, das gleich nach der Küste bis auf 1900 Meter steigt, als „Parco Nazionale del Cilento e Valle di Diano“ von der UNESCO auf die Liste der Weltkulturerbe gesetzt wird, dann will das was heißen.

Kampanien - Küste

Wir wollen die Küste von Süden nach Norden aufrollen, etwas früher als daheim im Frühling auftanken, etwas Kultur genießen, uns in den Großstädten treiben lassen und ruhige Stellplätze am Meer finden.

Über die A3 umfahren wir den Nationalpark auf der Ostseite und verbringen diese Nacht in Maratea, wo an der Küste die Macchia betörend duftet. Unser Bummel durch die mittelalterliche Altstadt, die über dem Tyrrhenischen Meer liegt, versetzt uns schnell in eine andere Welt. Über Marina di Camerota fahren wir mit unserem Reisemobil an der Küstenstraße entlang nach Norden. Doch soweit kommen wir an dem Tag nicht mehr, weil uns die Küstenlandschaft in den Bann gezogen hat und wir uns nur wie eine Schnecke voran bewegen. Da gibt es Bäume, die so dicht mit gelben Blüten versehen sind, dass sie aussehen, wie riesige gelbe Bälle, Ginster breitet sich wie ein gelber Teppich aus und im Sandboden wachsen kniehohe Blumen, die ihre weißen Blütenkelche mit braunen Streifen in den Himmel recken. Nach geduldigem Suchen stellen wir unser Wohnmobil auf einem schmalen Weg zum Strand ab und sitzen förmlich im bunten Frühlingsmeer. Hinter den Dünen riechen wir das große Wasser. Unsere Füße spüren nach langer Zeit Mal wieder Sand zwischen den Zehen. Dann taucht das Meer mit leichten Wellen vor uns auf und lässt uns für einige Minuten still werden. Wie bei einer Andacht stehen wir da und lauschen den Klängen des Meeres, die nach der langen Fahrt Balsam für uns sind. Die Weite ist eine Beruhigung für unsere Augen. Dicht an der Wellenlinie laufen wir über den Sand und saugen die Kraft der Natur in uns ein. Katharina unterbricht das Schweigen, weil sie ihre Begeisterung über die Formen und Farben der Muscheln mit mir teilen muss. Dazu kommen die Hölzer, die so bizarr geformt sind, dass wir die verschiedensten Kunstwerke in ihnen sehen können. In das natürliche Treibgut hat sich der Zivilisationsmüll verwoben. Das muss man in Kauf nehmen, wenn man zu den ersten Urlaubern im Jahr gehört. Die Strandreinigung hat an manchen Orten gerade erst begonnen. Unsere Taschen sind voll mit Muscheln und in den Händen halten wir Kunstwerke aus der Natur. So kehren wir zu unserem Wohnmobil zurück, wo alles in der Garage verstaut wird.

Kampanien - Strandhäuschen

Spargel selbst gesammelt

Nicht weit von unserem Schneckenhaus entfernt laufen Menschen durchs Gebüsch und machen den Eindruck, als würden sie etwas suchen. Wir werden neugierig und fragen. Voller Begeisterung zeigt uns ein Mann lange grüne Stängel, die dünner als mein kleiner Finger sind. „Esparago“ sagt er, doch ich will es nicht glauben. Spargel, wild an der Küste? Der kräftige Italiener gibt mir einen zum Kosten und hat mich damit überzeugt. Grüner Spargel, so köstlich, wie ich noch keinen auf meiner Zunge spüren konnte. Es ist Ostern und da haben die Menschen Muße, die Delikatessen in der Natur zu suchen. Als er uns schwärmend beschreibt, wie seine Frau ein köstliches Gericht daraus macht, läuft uns das Wasser im Munde zusammen. Wir sammeln am Nachmittag auch und bereiten ihn auf die fränkische Art in Salzwasser gekocht mit zerlassener Butter und Rührei zu. So genießen wir vor unserem Reisemobil auf Campingstühlen im Grünen. Das kann kein Restaurant toppen.

In Acciaroli hat sich lange vor uns schon Ernest Hemingway einige Monate aufgehalten – wir können ihn verstehen und würden es ebenso tun. Doch wir wollen in diesem Urlaub noch mehr sehen und landen schließlich in Agropoli, dem größten Ferienort des Cilento. In einer Bar am Hafen genießen wir einen Capuccino und sind gestärkt für einen Bummel durch die verwinkelte Altstadt.

Wie Ausgrabungen bei Ascea zeigen, ließen sich bereits vor mehr als 2500 Jahren Flüchtlinge aus Korsika an der Küste nieder. Sie gründeten die Stadt Velia, die erst zu einem kleinen Teil ausgegraben ist. Anders die Tempelanlage in Paestum, die zum Weltkulturerbe gehört und in unserer Literatur als „archäologische Sensation“ bezeichnet wird. Ihresgleichen sei selbst in Griechenland nicht zu finden. Folglich schlendern wir am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein durch die Ruinen der Stadt. Sie wurde zu den Zeiten römischer Herrschaft durch ein Forum, Thermen und Wohnhäuser erweitert und von einer knapp fünf Kilometer langen Stadtmauer umgeben.

Sand, so weit das Auge reicht

Der Strand, an dem heute ein Restaurant an das andere grenzt, war vor einigen Jahrhunderten als malariaverseuchte Sumpflandschaft gefürchtet. Es braucht all unsere Erfahrung, um einen der wenigen Zugänge mit Meerblick zu finden, an dem wir mit unserem stattlichen Reisemobil guten Gewissens und sicher stehen können. Bei einem Spaziergang über den Sandstrand sehen wir in der Ferne die Häuser von Salerno und ahnen die Amalfiküste am Südhang der langgestreckten Halbinsel. Neben uns rollen friedlich die Wellen auf den Strand. Dass das Meer auch wild und zerstörerisch sein kann, zeigen uns die Schäden an den Gebäuden, die zu dicht am Wasser gebaut wurden.

Kampanien - Strand

Wir genießen beim Abendessen die untergehende Sonne hinter Capri und schmieden Pläne, wie wir die berühmte Küste, die seit einigen Jahren für Reisemobile wie unseren Knaus gesperrt ist, erkunden können. Bis 2009 galt dieses Fahrverbot nur zur Hauptreisezeit April bis Oktober. „Weil die schmale Küstenstraße mit ihren vielen engen Kurven, den Reisebussen und öffentlichen Verkehrsmitteln permanent überlastet ist, wurde das Verbot auf das ganze Jahr ausgeweitet“, hatten wir in Paestum erfahren. Wir brüten über der Straßenkarte und lassen uns durch unsere Reiseliteratur inspirieren. Schließlich konkretisiert sich der Plan, bequem über die Autobahn bis kurz vor Pompei zu fahren und dann über die Landstraße entlang der Nordseite nach Sorrento. Dort hoffen wir, einen Stellplatz zu finden und wollen uns dann einen Motorroller mieten. Je länger wir darüber reden, umso mehr Freude kommt bei der Vorstellung auf, mit einer Vespa die „schönste Küste der Welt“ zu entdecken.

Für wenige Euro umfahren wir Salerno, die zweitwichtigste Industrie – und Hafenstadt Kampaniens, deren Stadtbild im Krieg stark zerstört wurde. Nach der Ausfahrt leitet uns das Navi, das an der Windschutzscheibe klemmt, den weiteren Weg. Aus unserem Wohnmobilfenster sehen wir Häuser, wohin wir auch schauen, dahinter steigt der kahle Vesuv auf. Nach den großartigen Naturerlebnissen der vergangenen Tage brauche ich lange, bis ich mich auf die Enge der Stadt eingestellt habe. Kurz entschlossen halte ich an einer Ausbuchtung über dem Meer an, um in Ruhe die malerische Lage von Sorrento über den weißen Felsen zu genießen. Die Sonnenschirme am Strand sind noch geschlossen. Einige Hotelgäste schwimmen ihre Runden im Pool, andere werden vom Kellner auf der Sonnenterrasse bedient. Sorrento war lange als Treffpunkt der Reichen bekannt. Nun aber ist der Ausgangspunkt zur Insel Capri ein Sinnbild für den Massentourismus geworden. Wir können das nicht beurteilen, weil es dafür noch zu früh im Jahr ist. Beim Anblick der engen Stadt und der felsigen Küste bleibt es für uns ein Rätsel, wie wir dort einen Platz für unser Fahrzeug mit einer Länge von sechs Meter fünfzig finden sollen. Nach einem frisch gepressten Orangensaft von selbst geernteten Früchten wagen wir uns wieder ins Getümmel. Die wild parkenden Autos im Einbahnstraßenlabyrinth fordern meine ganze Aufmerksamkeit. Als ich nach einiger Zeit ein Campingplatzschild sehe, drehen meine Hände das Steuer automatisch herum. Erst als ich registriere, dass ich mit dem langen Gefährt niemals um die Kurve komme und die steile Straße hinunter, ist meine Hoffnung auf einen schönen Platz nach Sekunden wieder dahin. Doch nun sind wir programmiert und haben schon nach weinigen Kilometern den besten Campingplatz auf der gesamten Halbinsel gefunden. Auf Terrassen unter Oliven, Kirschen und Orangen breitet er sich in Terrassen bis zu Meer aus und die Boote nach Capri legen jeden Tag unten am Strand ab. Von einer Minute auf die andere hat sich auf dem Camping Santa Forunata unsere Stimmung komplett gewandelt, so dass wir länger bleiben, als geplant.

Capriblick mit Zitronenduft

Kampanien - Zitronenlikör

Für den nächsten Tag planen wir eine Kombination aus Radtour und Wanderung entlang der Küste. Gestärkt durch ein reichhaltiges Frühstück radeln wir schon bald über die kurvige Küstenstraße Richtung Massa Lubrense. Erst jetzt riechen wir die verschiedenen blühenden Bäume, den Duft der lilafarbenen Glyzinien, der wie eine intensive Parfümwolke an uns vorbei zieht. Wir entdecken Rosmarin und viele unbekannte mediterrane Pflanzen, die um die Wette zu duften scheinen. Immer wieder kommen wir an terrassierten Plantagen vorbei, auf denen die Zitronen für den Limoncello, einem Likör der Gegend, wachsen. Die Straße ist zu der frühen Stunde noch wenig befahren. In Termini stellen wir verschwitzt unsere Räder neben der Bar ab, stärken uns für die Wanderung zum Cap und finden schnell hinter der Kirche unseren Weg. Er führt uns bis zur Punta della Campanella, dem letzten Zipfel der Landnase mit immer wieder neuen Ausblicken auf Capri.

Italien - Kampanien

Am Endpunkt des Weges hören wir die Brandung gegen die Felsen donnern. Vor uns kreisen Möwen, die ihre Nester am Steilfels bauen, in der Ferne sehen wir die Silhouette von Capri im Abendlicht. Beide spüren wir einen tiefen Frieden, weil der Körper ausschreiten konnte und alle Sinne durch die Natur berührt wurden. Am Meer steht ein sogenannter Sarazenenturm. Diese Steinbauten wurden im 16. Jahrhundert als Wachtürme entlang der Küste errichtet. Ursprünglich standen so viele in Sichtweite, dass man schnell durch das Entzünden großer Feuer Signale von einem Turm zum nächsten schicken und so vor Piratenüberfällen warnen konnte.

Am nächsten Tag steht Capri auf unserem Plan. Bei der Bootsfahrt bis zum kleinen Hafen Marina Piccola bekommen wir den ersten Eindruck aus der Seefahrerperspektive. Unterhalb der Steilfelsen auf der Nordseite fallen uns viele Boote auf, die auf der Stelle zu stehen scheinen. „Dort im Felsen befindet sich die Blaue Grotte“, erklärt unser Kapitän durch den Lautsprecher das sonderbare Bild. Jetzt sehen wir, wie einige Passagiere von den Ausflugsbooten in kleine Ruderboote umsteigen. Vor der winzigen Einfahrt in die hochkarätige Sehenswürdigkeit kommt es zum Stau. Für Japaner scheint dieses Abenteuer zum festen Programmpunkt zu gehören. Sie warten geduldig, bis das nächste freie Ruderboot an der Bordwand anlegt und eine starke Hand ihnen den Umstieg erleichtert. Wie mag es hier im Juli und August zugehen? Unser Nachbar empfiehlt uns die smaragdfarbene Grotte an der Amalfiküste, die weit weniger überlaufen ist.

Kampanien - Bootstour

Der kleine Hafen in Marina Piccola liegt so idyllisch und die Cafés sind so verlockend vor grandioser Felskulisse, dass wir vor unserer Inselerkundung noch einen Capu bestellen und im Liegestuhl genießen.

Capri

Es gibt vier Orte auf der kleinen Insel und ein internationales Publikum. Bei 3 Millionen Besuchern pro Jahr ist jetzt schon einiges los. Oben im Hauptort Capri, den wir nach unzähligen Treppen und schmalen Wegen erreicht haben, belohnt uns ein Panorama in alle Himmelsrichtungen. In einem der Minibusse wäre es bequemer gewesen, doch dann hätten wir den Duft und die Farbenpracht der unzähligen Pflanzen versäumt.

Nach kurzem Bummel stehen wir vor der Kirche, aus der gerade eine Hochzeitsgesellschaft kommt und das Brautpaar mit Reis empfängt. Über die breite Geschäftsstraße, in der jeder Markenproduzent ein Schaufenster hat, schieben wir uns weiter bis zum Aussichtspunkt Belvedere di Tragara. Sobald die Geschäfte und Restaurants aufhören, scheinen die Menschen wie von Geisterhand verschwunden zu sein. Begleitet vom Kiefernduft und dem Gezwitscher der Vögel gehen wir den schmalen Wanderpfad zum Meer hinunter bis zu den weißen Steilfelsen, die von Zeit zu Zeit von Ausflugsbooten umrundet werden. Über die Via Krupp, die abenteuerlich in den weichen Fels gehauen wurde, schlendern wir zu unserem Ausflugsboot zurück. Wir sind froh diese Perle gesehen zu haben, freuen uns aber auf unser mobiles Eigenheim auf vier Rädern, wo wir im Schatten der Bäume mit einem guten Rotwein den Tag in Ruhe beschließen.

Kampanien - Via Krupp

Flink wie ein Wiesel entlang der Amalfiküste

Mit dem Fahrrad rolle ich am nächsten Tag die wenigen Kilometer ins Zentrum und steige dort auf eine Vespa um, die ich dort für einen Tag mieten konnte. Unseren zweiten Kaffee trinken wir dann in Positano am Anfang der Amalfiküste. Unser Zweirad ist mit seiner Automatik kinderleicht zu bedienen und auf der bergigen Küstenstraße ziemlich flott unterwegs. Mit den Rennmaschinen, die an diesem sonnigen Sonntag ausgeführt werden, können und wollen wir nicht mithalten. Wir entdecken immer wieder schöne Ausblicke, wo wir mit unseren Vespas jederzeit halten und genießen können. Beschreibungen wie „Inbegriff des Südens“, „schönste Panoramastraße der Welt“ und ähnliche finden wir allerdings etwas hoch gegriffen. 1840 wurde die Straße buchstäblich aus den Felsen herausgeschlagen. Über 40 Kilometer Länge windet sie sich heute an den Ausläufern der Monti Lattari, die bis 1316 Metern steil aus dem Meer emporragen.

Zur „Grotta dello Smeraldo“ fahren wir von der Panoramastraße mit dem Fahrstuhl bis zum Meeresspiegel hinab, wo bereits ein Führer mit seinem Ruderboot auf uns wartet. Ob sie mit der Blauen Grotte vergleichbar ist, können wir nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist sie einfacher und viel preiswerter erreichbar und das Blau war für uns so beeindruckend, dass wir es noch lange in Erinnerung haben.

Italien - Amalfi

Die Orte an der Küste gehören zur ältesten Seerepublik Italiens, die vor 1000 Jahren sogar anderen Republiken wie Venedig und Pisa den Rang streitig machte. Ihre Kriegsflotte war gefürchtet und die Handelsschiffe brachten edle Waren aus dem Orient. Aus dieser Zeit stammt die Freitreppe zum Dom im Hauptort Amalfi. Die 62 Stufen laden viele Besucher zu einer Pause ein. In kleinen Läden wird der Zitronenlikör in besonderen Flaschen, aber auch handgeschöpftes Papier in kunstvoller Verzierung angeboten. Die Kunst der Papierherstellung kam mit den Seefahrern aus dem arabischen Raum nach Amalfi und hat sich von hier in ganz Europa ausgebreitet.

Vietri sul Mare heißt das Schlusslicht an der Amalfiküste. Die vielen Keramikläden, in denen heute bunte Souvenirwaren verkauft werden, erinnert an den guten Ruf als Keramikzentrum, der zurück bis ins Mittelalter reicht. Auf dem Rückweg kurven wir noch die Seitenstraße nach Ravello hinauf. Am Rande der gepflasterten Fußgängerzone parken wir unser Leihfahrzeug neben anderen Zweirädern. Nach einem Bummel durch den Blumenpark der Villa Rufolo genießen wir von dort den Weitblick über die Amalfiküste und dann zwei süße Eisbecher auf dem großen Platz in der Nachmittagssonne.



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