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Reiseführer Istanbul

Topkapi-Palast

Eingang zum ersten Hof des Topkapi-Palastes, Istanbul

Der Eingang zum 1. Hof des Topkapi-Palastes

Mit einer Fläche von 70 ha der ausgedehnteste Profanbau in der türkischen Architektur, ist das Topkapi-Serail einer der Höhepunkte jeder Sightseeing-Tour durch Istanbul. Wie eine Stadt in der Stadt erstreckt sich die Palastanlage mit ihren vier hintereinander liegenden Höfen hoch über Marmara Meer und Goldenem Horn, geschützt durch eine Mauer mit Toren und Bastionen. Mit dem Harem innerhalb der Anlage existiert ein weiterer eigenständiger Bereich – sozusagen nochmals eine Stadt in der Stadt - , der schon immer die Phantasie westlicher Besucher anregte. Bisweilen lebten bis zu 4000 Menschen im gesamten Palastbezirk, der heute als Museum Besuchern aus aller Welt offen steht.

Der Name Topkapi (Kanonentor) kommt von den Kanonen, die im 15. Jh. an der Spitze der Halbinsel aufgestellt waren. Nachdem dem Sultan der bisherige Palast auf dem Gelände der heutigen Universität zu klein geworden war, ließ Sultan Fatih Mehmet (der Eroberer) auf dieser Halbinsel  1472 – 1478 ein neues Palais errichten, das seinen Machtanspruch widerspiegelte. In den folgenden Jahrhunderten wurden zahlreiche Umbauten und Ergänzungen vorgenommen, der Harem wurde erst gegen Ende des 16. Jhs. hinzugefügt. Bis 1839 – knapp 4 Jahrhunderte lang – war der Topkapi-Palast offizieller Sitz der Sultane, bis auch er modernen Ansprüchen und Repräsentationsbedürfnissen nicht mehr genügte und die Sultane in den neuen Dolmabahce-Palast umzogen.

Besichtigung

Mehrere Stunden sollte man veranschlagen, um sich einen ersten Gesamteindruck über die Palastanlage verschaffen zu können. Allerdings kann man dann nicht sämtliche, über die Palastanlage verstreute Museumssammlungen ausführlich begutachten. Zu beachten ist außerdem, dass für den Besuch des Harems erneut Eintritt zu bezahlen ist.

Sultan-Ahmet-Brunnen, Topkapi-Palast, Istanbul

Sultan-Ahmet-Brunnen

Noch bevor man das Außenportal des Topkapi-Serail durchschreitet, stößt man auf ein herrliches Brunnenhaus ganz im Stil des Rokoko: Der Sultan-Ahmet-Brunnen wurde 1728 unter Sultan Ahmet III. errichtet, er verrät bereits den neu aufgekommenen westlichen Einfluss in jener Zeit. Ein weit ausladendes Dach mit drei Kuppeln schützt den viereckigen Bau mit seinen bronzevergitterten Erkern und seinen ornamental verzierten Reliefs. Kostbare Fliesen und Inschriften zieren den Bau. Im dritten Palasthof werden wir übrigens auf einen weiteren sehenswerten Brunnen stoßen, der unter Sultan Ahmet III. errichtet wurde.

Irenenkirche im Topkapi-Palast, Istanbul

Die Irenenkirche im 1. Hof

Durch das Tor des Reiches (Bab-i-Hümayun) gelangt man in den 1. Hof. Gleich hinter diesem Außentor sieht man linkerhand die Irenenkirche liegen, eines der ältesten christlichen Gotteshäuser der Stadt. Erbaut wurde die „Kirche des göttlichen Friedens“ im 4. Jh. unter Kaiser Konstantin I., sie umfasste den Grundriss eines älteren Aphrodite-Tempels. Die dreischiffige Emporenbasilika stammt in ihrer heutigen Gestalt aus dem 8. Jh.. Sie war einst die Hauptkathedrale der Stadt, hier tagte 381 das zweite ökumenische Konzil unter Kaiser Theodosius I. Nach der türkischen Eroberung wurde die Kirche nicht in eine Moschee umgewandelt, sogar das Kreuz ließ man unangetastet. Heute dient das Gotteshaus in erster Linien als Ausstellungssaal und Konzerthalle. Ansonsten diente der Hof früher verschiedenen Dienstleistungsbetrieben, u.a. befanden sich hier die Kasernen der Janitscharen.

Eingan zum zweiten Hof des Topkapi-Palastes, Istanbul

Das Bab-üs-Selam, das Tor des Friedensgrußes

Wir gelangen zum Mittelportal, dem „Bab-üs-Selam“ (Tor des Friedensgrußes), dem Eingang zum zweiten Hof, und damit zum eigentlichen, abgeschlossenen Palastkomplex, für den auch Eintritt bezahlt werden muss. Ein wenig erinnert die Toranlage an einen mittelalterlichen Burgeingang, an mehreren Stellen ist sie mit religiösen Inschriften und Namenszügen von Sultanen geschmückt.

Rechter Hand, an den zahlreichen Schornsteinen gut zu erkennen, erstreckt sich die ehemalige Palastküche, die, nachdem sie 1574 nach einem Brand zerstört worden war, vom berühmten Architekten Sinan neu errichtet wurde. Bis zu 1000 Menschen waren zeitweise hier als Küchenpersonal beschäftigt. Berichten zufolge ließ Sultan Mahmut I. bis zu 70 Gänge auftischen, jährlich wurden in der Küche alten Quellen zufolge 30 000 Hühner, 23 000 Schafe, 14 000 Kälber und Unmengen an Obst und Gemüse verarbeitet. Noch heute können in einem der Räume die damals verwendeten riesigen Töpfe und Kessel sowie altes Bronze- und Kupfergeschirr besichtigt werden. Im Zentrum des Küchentraktes steht heute eine riesige Sammlung mit chinesischem und japanischem Porzellan – die drittgrößte derartige Sammlung weltweit. In weiteren Räumen wird europäisches Porzellan aus dem 18. und 19. Jh. sowie Silberwaren ausgestellt, meist Geschenke an den Sultan.

Palastküche im Topkapi-Palast, Istanbul

An ihren Schornsteinen ist die ehemalige Palastküche gut zu erkennen

Auf der gegenüberliegenden Seite, also linkerhand des Eingangs, erstrecken sich die ehemaligen Stallungen, die einst die besten Pferde des Sultans beherbergten.
Über den so genannten Hof der Hellebardiere gelangt man nach wenigen Schritten zum Eingang des Harem, hier kann man auch die Tickets dafür erstehen.
Ab Ende des 16. Jhs. bestand der Harem aus einem Komplex von 400 Räumen, in dem bis zu 500 Haremsdamen lebten. Bis zum 16. Jh. hatten die Haremsdamen im so genannten Fayencen-Kiosk gelebt, der heute neben dem Archäologischem Museum liegt.

Im Harem des Topkapi-Palastes, Istanbul

Der Hof der Favoritinnen im Harem

Den Besuchern steht nur ein kleiner Teil der Räume offen, wer möchte, kann an einer Führung teilnehmen. In den ersten Räumen lebten die Eunuchen, die einzigen männlichen Bewohner des Harem. Die Eunuchen verfügten über eine eigene kleine Moschee. Nach dem eigentlichen Haupttor kommt man schließlich zu den Gemächern der Sultansmutter, der mächtigsten Frau im Harem. Man kann jedoch nur einen kleinen Teil ihrer einstmals 40 reich verzierten Räume besichtigen. Nach dem Bad der Sultansmutter  folgt das Bad des Sultans, ganz aus weißem Marmor. Es folgt der Fest- oder Thronsaal, der größte und beeindruckendste Raum des gesamten Harem, in dem der Sultan vertraute Besucher empfing. Vermutlich wurde er von dem berühmten Baumeister Sinan konzipiert, unter Osman III. (1754 – 57) wurde er im Stil des Rokoko umgestaltet. Die blauweißen Fliesen an den Wänden stammen aus Delft (Holland), das Kristall stammt aus Venedig.

Fayencenschmuck im Harem des Topkapi-Palastes

Fayencenschmuck

Auch der nicht weit entfernte Saal Murats III. zählt zu den schönsten Räumen des Harem, auch er wird dem Architekten Sinan zugeschrieben. Blaue und korallenrote Iznik-Fayencen zieren die Wände. Ebenfalls mit Fliesen aus Iznik geschmückt ist die Bibliothek Ahmets I., darüber hinaus gibt es hier feine Intarsienarbeiten zu bewundern. Der so genannte Obstraum ist mit Früchtemotiven verziert, er entstand in der so genannten Tulpenzeit unter Ahmet III. Der Hof der Favoritinnen ist einer der größten Höfe des Harems, die Frauen lebten in den Zimmern oberhalb der Arkaden. Über den Goldenen Weg verlässt man den Harem und gelangt in den dritten Hof.

Diwan im Topkapi-Palast, Istanbul

Gold über Gold am Diwan, wo sich einst die Würdenträger des Reiches trafen

Gleich neben dem Eingang zum Harem erstreckt sich ein vortrefflich renoviertes Gebäude, der Diwan. Im Versammlungssaal des Staatsrates trafen sich hier einst einmal pro Woche die höchsten Würdenträgen des Reiches, ein vergittertes Fenster gegenüber dem Eingang diente dem Sultan dazu, versteckt den Beratungen zu lauschen. Gleich daneben die Amtsräume des Großwesirs und der Saal für Urkunden und Protokolle. Das Gebäude gleich neben dem Diwan zählt zu den ältesten Gebäuden des Palastes. Über Jahrhunderte hinweg bewahrte man hier den Reichsschatz auf, heute befindet sich hier eine Waffensammlung.

Vom äußeren Teil des Palastes in den inneren Teil, den 3. Hof, gelangt man durch das „Tor der Glückseligkeit“ oder auch „Tor der weißen Aghas“. Bereits im 15. Jh. errichtet erhielt es im 18. Jh. seine Ausgestaltung im Stil des Rokoko. Ohne Erlaubnis durfte früher niemand diesen privaten Teil des Palastes betreten, Zuwiderhandlungen wurden mit dem Tode bestraft. Vor dem Tor fanden früher wichtige gesellschaftliche Ereignisse statt wie z.B. die Feiern der Thronbesteigung eines neuen Sultans oder militärische Zeremonien.

Gleich hinter dem Tor stößt man auf den Audienzsaal, in dem der Sultan ausländische Gesandte empfing. Es saß dabei auf einem mit Gold und Edelsteinen geschmückten Thron, das Plätschern eines Brunnens sollte die Gespräche vertraulich bleiben lassen. Die Räume zu beiden Seiten des Tor waren die Wohnräume der weißen Eunuchen, die für die Leitung der Serail-Schule zuständig waren. In ihnen sind heute türkische Stickarbeiten zu sehen.

Der Eingang zum Audienzsaal imTopkapi-Palast, Istanbul

Der Eingang zum Audienzsaal

Anschließend an den Audienzsaal, in der Mitte des Hofes, liegt die Bibliothek, die Sultan Ahmet III. 1719 errichten ließ. Sie enthielt einst tausende von wertvollen Handschriften, ihre Wände sind mit Iznik-Fliesen geschmückt – doch kann das Gebäude nicht von innen besichtigt werden. Die meisten Handschriften sind in der benachbarten Agalar-Moschee untergebracht – jedoch ebenfalls nicht zugänglich. Der kleine Brunnen vor der Bibliothek wurde unter Sultan Ahmet III. erbaut.
Die meisten Gebäude rings um den Hof beherbergten Palastschulen, in denen ausgewählte Knaben für den Dienst im Palast erzogen wurden. Heute sind hie verschiedene Ausstellungen untergebracht.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Schatzkammer, die aus vier Sälen besteht und einige der wertvollsten Exponate beherbergt, Geschenke an den Sultan ebenso wie Beute aus Kriegszügen. Im Ersten Saal  erwarten den Besucher goldene und juwelengeschmückte Kriegsgegenstände, Wasserpfeifen aus Kristall und zahlreiche wertvolle Schalen. Die mit Edelsteinen und Gold geschmückte Kettenrüstung von Sultan Mustafa III. stammt aus dem 19. Jh. und war wohl eher als Prunkstück gedacht. Der Thron Sultan Murats IV. wurde aus Ebenholz geschnitzt und mit Perlmutt und Elfenbein verziert. Neben zahlreichen wertvollen Geschenken an den Sultan beherbergt der Zweite Saal eine wertvolle Reliquie, Arm- und Schädelknochen Johannes des Täufers. Zwei hohe goldene Kerzenständer im Dritten Saal, jeweils 48 kg schwer, sind mit 6666 Diamanten bestückt. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten des Vierten Saals gehört der so genannte Topkapi-Dolch, vielfach verziert und durch den Film „Topkapi“ (1964, mit Melina Mercouri, Peter Ustinov und Maximilian Schell) weltberühmt geworden. Der so genannte „Löffler-Diamant“ wird von 49 Brillanten umrahmt, er zählt bis heute zu den größten Diamanten der Welt.

Doch nun zu den weiteren Sammlungen des Dritten Hofes. In der Porträtsammlung der Sultane kann man sich ein Bild machen von vielen Sultanen, gleich daneben eine Sammlung heiliger Reliquien des Islam, darunter der Mantel und ein Fußabdruck Mohammeds.

Im Vierten Hof befanden sich einst die Privatgemächer des Sultans sowie Gartenanlagen mit Pavillons. Rechter Hand erhebt sich die kleine Safa-Moschee (Sofa-Moschee), 1809 unter Mahmut II. errichtet . Der Mecidiye-Kiosk gleich daneben ist der jüngste Bau des Palastes, er wurde 1840 unter Sultan Abdulmecit I. errichtet, bevor er in den Dolmabahce-Palast umzog. Heute ist hier ein edles Restaurant (Konyali) untergebracht.

Goldener Pavillon im Topkapi-Palast, Istanbul

Touristen umlagern den vergoldeten Baldachin

Auf der anderen Seite des so genannten Tulpengartens, vorbei am Turm des obersten Arztes aus dem 15. Jh. in dem eine Apotheke eingerichtet war und vorbei am Terrassen-Pavillon, erreicht man eine Terrasse mit einem herrlichen Blick auf das Goldene Horn. Unter dem vergoldeten Baldachin posieren Touristen für ein Erinnerungsfoto. Auf der einen Seite der Terrasse  der so genannte Bagdat-Pavillon, im 17. Jh. von Sultan Murat IV. als Erinnerung an seine Eroberung Bagdads erbaut, auf der anderen Seite der vom selben Sultan errichtete Revan-Pavillon – beide mit herrlichen Kacheln verziert. Der Sultan-Ibrahim-Kiosk aus dem 17. Jh. diente früher als Beschneidungsraum für die kleinen Prinzen, auch er mit wertvollen Kacheln aus Iznik geschmückt.


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