Reisemagazin schwarzaufweiss

Atemberaubend schön

Israels spektakulärste Landschaften

Text: Karsten-Thilo Raab
Fotos: Karsten-Thilo Raab, Israelisches Tourismusministerium und Berthold Werner

Berge, jede Menge Wüste, herrlich grüne Oasen und drei Meere kennzeichnen die landschaftliche Vielfalt Israels. Einem Land, das halb so groß ist wie die Schweiz, aber ein riesiges Spektrum zwischen bedeutenden archäologischen Funden, spannenden und pulsierenden Städten wie Jerusalem und Tel Aviv, Begegnungen mit Geschichte und Geschichten an fast jeder Straßenecke und einer abwechslungsreichen Natur bietet. Zwischen dem Berg Hermon, wo zeitweise sogar Skifahren möglich ist, und den Küsten des Mittelmeeres, des Roten Meeres und des Toten Meeres, wo Badespaß und Erholung groß geschrieben werden, gibt es viel zu entdecken.

Israel - Galiläa © Itamar Grinberg, Israelisches Tourismusministerium

Galiläa © Itamar Grinberg, Israelisches Tourismusministerium

Die Kreidefelsen von Rosh HaNiqra (1)

Zu den faszinierenden Naturschönheiten im Norden Israel gehören die Kreidefelsen von Rosh HaNiqra im Grenzgebiet zum Libanon. Besondere Anziehungskraft besitzen die zahlreichen Höhlen und Grotten, die hier im Laufe von Jahrtausenden von Wind, Wellen und der Erosion geschaffen wurden und über Tunnel miteinander verbunden sind. Eine Seilbahn führt von den rund 80 Meter hohen Felsen bis hinunter auf rund neun Meter über den Meeresspiegel.

Israel - Rosh HaNikra © Itamar Grinberg, Israelisches Tourismusministerium

Rosh HaNikra © Itamar Grinberg, Israelisches Tourismusministerium

Besonders stimmungsvoll ist eine Tour durch die Unterwelt in den frühen Abendstunden, wenn das gut 400 Meter lange Tunnelsystem mit Öllampen erkundet werden kann.

Schon Alexander der Große hat 332 vor Christus angeblich an diesem geschichtsträchtigen Ort einen Tunnel errichten lassen, um seiner Armee den Weg über die Berge zu ersparen. Daher dürften den Streitkräften wohl der herrliche Blick von den Kreidefelsen über das Mittelmeer und bei klarer Sicht bis nach Haifa entgangen sein (www.rosh-hanikra.com).

Keshet Höhle in West-Galiläa (2)

Diese Höhle gemahnt eher an eine Brücke. Aber gerade das macht die Faszination dieser Steinformation im westlichen Galiläa aus. Der Name "Keshet" ist Hebräisch und bedeutet übersetzt "Bogen". Und dieser gut 45 Meter hohe Bogen war nicht immer hier. Denn tatsächlich fand sich hier dereinst eine Höhle, die sich aufgrund der geringen Deckendichte irgendwann den Launen von Wind, Wetter und Erosion beugte und einstürzte. Zurück blieb der markante, rund fünf Meter breite Bogen, der heute ein beliebter Tummelplatz für Kletterer ist. Doch die Brücke kann auch ganz mühelos begangen werden. Von hier bieten sich bei klarer Sicht herrliche Blicke bis zum Mittelmeer.

 Faszination Wüste Negev (3)

Israel - Wüste Negev - Makhetesh Ramon Krater © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Makhetesh Ramon Krater © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Dass eine Wüste alles andere als öde ist, beweist die Negev Wüste. Mit 12.000 Quadratkilometern bedeckt sie flächenmäßig mehr als die Hälfte Israels. Vor allem der südliche Teil der Negev ist geprägt von hoch aufragenden Gebirgen, tief eingeschnittenen Tälern und Erosionskratern. Eine besondere Anziehungskraft genießt der rund 220 Millionen Jahre alte Makhtesh Ramon Krater, der sich über eine Länge von 40 Kilometern und einer Breite von bis zu zehn Kilometern erstreckt.

Makhetesh Ramon Krater © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Makhetesh Ramon Krater © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Hier finden sich versteinerte Bäume und Korallenriffe, Magmakammern und urzeitliche Vulkankegel. Und obschon es so anmutet, als gäbe es hier außer Steinen kaum etwas Essbares, tummelt sich hier eine Vielzahl an Tieren. Der Bogen spannt sich von (ungiftigen) Schlangen und Skorpionen über Nagetiere, Eidechsen, Schildkröten und Stachelschweinen bis hin zu Dorkasgazellen, Nubischen Steinböcken und asiatischen Halbeseln.

Makhetesh Ramon Krater, © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Gazellen © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Auch sonst bietet die Fauna der Negev Wüste einen überraschend großen Artenreichtum. Streifenhyänen und Arabische Wölfe sind hier ebenso auf der Pirsch wie die seltenen Arabischen Leoparden. Doch keine Angst – von Menschen halten sich diese Räuber im Normalfall fern.

Totes Meer - Wellness-Mekka am tiefsten Punkt der Erde (4)

Israel - Totes Meer - Schlammpackung

Schon seit mehr als 2000 Jahren kommen Menschen hierher, um Körper und Geist durch die therapeutische Qualität von Wasser und Luft zu beleben. Nach wissenschaftlichen Schätzungen sind im Wasser des Toten Meeres über 40 Milliarden Tonnen Mineralien gelöst – darunter Magnesium, Kalzium, Brom, Kalium und Schwefel. Jedes einzelne dieser Mineralsalze verfügt über heilende Kräfte für den Menschen. Neben Wasser und Luft kann auch der Schlamm des Toten Meeres Linderung bei körperlichen Beschwerden wie Arthritis, Rheumatismus, Atemwegserkrankungen und Kopfschmerzen sowie bei den diversen Hautproblemen wie etwa Neurodermitis verschaffen.

Israel - Totes Meer - Schlammpackung

Konkret besteht am Toten Meer fast ganzjähriges ein Reizklima mit dem höchsten atmosphärischen Druck der Erde von 800 Millimeter, einem hohen Sauerstoffgehalt von acht Prozent, extrem reiner und atemfreundlich trockener Luft, einem hohen Luftdruck, absoluter Pollenfreiheit sowie 330 Sonnentagen im Jahr.

Israel - Totes Meer

In erster Linie ist der tiefstgelegene See der Erde berühmt für das schwerelose Treiben im wohltemperierten Wasser. Der Mensch liegt ohne jegliche Anstrengung auf dem Wasser und kann dabei die Zeitung in Händen halten! Ein Umstand, der dem extremen Salzgehalt von durchschnittlich 28 Prozent – und damit dem Zehnfachen „normaler“ Meere - zu verdanken ist.

En Gedi – die Oasen-Schönheit am Toten Meer (5)

Die wohl schönste, weil mit üppiger subtropischer Vegetation gesegnete Oase des Landes ist En Gedi (auch Ein Gedi) im Norden der Negev Wüste. Dank der sprudelnden Quellen, kleiner Wasserfälle und Bachläufe gedeihen hier am westlichen Ufer des Toten Meeres Bananen, Pomelos, Weintrauben und Datteln, aber auch Baumwolle und Rosen. Durchzogen wird En Gedi von zwei tief eingeschnittenen Tälern – dem Nachal Arugot und dem Nachal David.

Das 27 Quadratkilometer große En Gedi National Reserve gliedert sich in zwei Naturschutzgebiete, in denen neben Gazellen, Antilopen und Steinböcken auch die seltenen Klippschliefer und vereinzelt Leoparden anzutreffen sind.

Der gleichnamige, auf einen Plateau gelegen En Gedi Kibbuz ist seit den 1950er Jahren bekannt für seine therapeutischen Schlammbäder. Durchzogen wird das von rund 1.000 Kibbuznikim bewohnte Areal von einem liebevoll angelegten Botanischen Garten, in dem neben Wüstenpflanzen auch tropische Pflanzen wachsen.

Qumran - biblisch schön (6)

An den nordwestlichen Gestaden des Toten Meeres liegt mit Khirbet Qumran, meist nur Qumran genannt, ein magischer Ort, der im wahrsten Sinne des Wortes biblische Freude auslöste. Denn in der unwirtlichen, kargen Gegend rund 30 Kilometer nördlich von En Gedi entdeckte im Jahre 1947 ein Hirtenjunge in einem Felsmassiv zufällig in einer Höhle die ältesten existierenden Bibelschriftrollen der Menschheitsgeschichte aus dem 1. Jahrhundert vor Christus.

Israel - Khirbet Qumram © Berthold Werner

Khirbet Qumram © Berthold Werner

Nach und nach stießen Archäologen nicht nur auf 17 weitere Höhlen und auf rund 600 wertvolle Schriftrollen, sondern auch auf Zeugnisse menschlicher Besiedlung wie Keramikreste, Münzen, Werkzeuge, Ölkännchen sowie verschiedene Skelette menschlicher Körper. Auch eine historische Siedlung, die 67 nach Christus von den Römern zerstört wurde, konnte nach und nach freigelegt werden.

Einige der Höhlen sind für Besucher zugänglich, während ein kleines Museum die Bedeutung des Fundes anschaulich dokumentiert. Die Original-Schriftrollen finden sich heute im Israel Museum in Jerusalem (www.deadseascrolls.org.il).

Bizarre Felsformationen im Timna Park (7)

Israel - Timna Park © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

© Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Am Rande des Wadi Araba befindet sich unweit des Golfes von Aqaba rund 25 Kilometer nördlich von Eilat mit dem Timna Park eine Region, die bekannt ist für ihre bizarren Gesteinsformationen. Allen voran die zwei gut 50 Meter hohen Sandsteinpilaster, die als „Säulen Salomons“ bekannt sind. Eine geologische Besonderheit stellt auch der „Mushroom“, ein gigantischer Steinpilz, der sich durch Erosion im Laufe der Jahrtausende herausgebildet hat, dar. Der intensive rötliche Ton des Felskoloss deutet auf einen hohen Gehalt an Mineralien hin.

Israel - Timna Park © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

© Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Überragt wird das gut 60 Quadratkilometer große Areal mit seiner typischen Wüstenvegetation vom 453 Meter hohen Timna-Berg. In dem hufeisenförmigen Tal sollen sich bereits vor rund 6.000 Jahre die ersten Kupferminen der Welt befunden haben (www.parktimna.co.il).

Red Canyon – ein natürliches Kunstwerk (8)

Dass Formationen aus rotem, weißem und purpurfarbenen Sandstein eine besondere Faszination ausüben und fast schon wie natürliche Kunstwerke anmuten, lässt sich beim Besuch des Red Canyon im Süden Israels am eigen Leib erfahren. Bis zu 30 Meter hoch recken sich die Felsen hier säulenartig in den Himmel. Dabei ist das Areal unweit des Timna Parks mit einer Länge von gerade einmal wohl wollend 300 Metern und einer Breite von höchstens drei Metern nicht sonderlich groß, gleichwohl aber umso faszinierender.

Israel - Red Canyon © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Im Red Canyon © Dafna Tal, Israelisches Tourismusministerium

Rund zehn Kilometer vor den Toren von Eilat begrenzt das von markant rotem Stein durchzogene Areal, das frei zugänglich ist, die Ufer des kurvenreichen Nahal Shani Flusses. In einigen Teilen dürfen die Felswände sogar erklommen werden. Doch dies sei nur trittsicheren und erfahrenen Wanderern und Kletterern zu empfehlen. Die übrigen sollten sich sicherheitshalber auf den rund anderthalbstündigen Rundweg um den Canyon begeben und die herrlichen Ausblicke auf die unterschiedlich farbigen Felsen genießen.

 

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Tauchen und abtauchen am Rande der Wüste. Eilat: Israels Badewanne am Roten Meer

„Tauchen kann jeder“ behaupten die jungen Leute am Strand von Eilat, für die die Hippiezeit nie zu Ende ging. In ihren aus Brettern und Netzen gezimmerten Ständen erklären sie Urlaubern das Leben unter Wasser.

Israel - Tauchen in Eilat

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Die letzten Inseln im reißenden Strom der Globalisierung. Kibbuz-Siedlungen in Israel

Das Land hat sich verändert. Der Kibbuz auch. Als in den 90er Jahren Siljas Bruder zu Besuch kam, staunte er über die frei zugänglichen Kühlschränke im Speisesaal. Wer Hunger hatte, bediente sich so oft er oder sie wollte. „Wir waren immer stolz darauf, dass der Kibbuz auf Vertrauen aufgebaut ist und dass niemand das Vertrauen ausnutzt“, erinnert sich Silja an das vergangene Jahrhundert.

Israel - Kibbuz

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Zwischen Wasser und Trockenheit: Stationen in der israelischen Negev-Wüste

Mehr als hunderttausend Beduinen leben heutzutage in Israel. Im Negev haben sie sich meist in ärmlichen Siedlungen eingerichtet, irgendwo in der Wüste, wo es ihnen die Regierung gestattet oder wo sie sich einfach spontan niedergelassen haben. So sind sie zwar keine Nomaden mehr, in der modernen Gesellschaft aber sind sie deshalb noch längst nicht angekommen. „Die orientalische Mentalität ist tief im Sand verwurzelt“, meint Ma´rek, so schnell komme man davon nicht los.

Israel - Negev-Wüste

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