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Das Erbe einer exzentrischen Milliardärin

Wir passieren die ehemaligen Eignergemächer – die Nummer 1 und 2: Hier hat in den 1930er und 1940er Jahren Marjorie Merriweather Post-Hutton gewohnt, oder sagen wir besser: residiert. Der etwas exzentrischen Milliardärserbin war das Beste und das Schönste gerade gut genug, die amerikanische Dollarprinzessin schuf einen schwimmenden Palast. Nur Auserwählte, darunter Präsidenten, Künstler und selbst Diktatoren, durften damals in das Allerheiligste der luxuriösesten Segelyacht der Welt hinabsteigen. Mittlerweile dürfen gottlob auch normalsterbliche Kreuzfahrer diese Kemenaten beziehen, doch noch immer atmen die Räume die Atmosphäre der Belle Epoque. So tauchen Kreuzfahrer von heute in jene Zeit ein, in der das Leben nicht einfach verging, sondern als ein Fest zelebriert wurde.

Sea Cloud / Eignerkabine 1
Eigner-Kabine 1

Und es ist alles echt und vom Feinsten: Ein altweiß geschliffenes französisches Himmelbett, wallende Gobelins vor den wuchtigen, polierten Bullaugen, geschnörkelte Kronleuchter an den stuckverzierten Decken, bestrahlt von weichem, gelbem Licht stoffbespannter Lämpchen. Die Attraktion: Alle Wasserhähne sind aus purem Gold. Mrs. Post-Hutton hatte sie aus einem jedermann einleuchtenden Grund installieren lassen: Sie hatte gehört – wir dürfen unterstellen, dass sie es niemals selbst ausprobiert hat –, Gold sei leichter zu reinigen als Messing. So war ihr die Entscheidung leicht gefallen.


Die "Sea Cloud" in '3D' - 360° Panoramabilder


Auch der Gatte der reichen Lady verstand etwas vom Lebensstil

Gegenüber dem Gemach mit der Nummer 1 befindet sich Nr. 2, das einstige Schlafgemach von Mr. Hutton, nicht minder opulent als das seiner Herzdame eingerichtet: vollständig holzvertäfelt, die Fußleisten vom eigens eingeflogenen Kunstmaler in den Farben des Carrara-Marmors gestaltet, der im Bad und am Kamin Verwendung fand. Überall entdecken wir üppige Blumensträuße, wertvolle Gemälde und Originalstiche mit maritimen Motiven, dazu gekühlter Champagner, auf dem Kaminsims ein schriftlicher Gruß des Kapitäns. Der Boden schwankt ein wenig unter den Füßen. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir schon fahren oder dass wir trunken von so viel Grandeur und Eleganz sind? Die restlichen Luxuskojen – keine gleicht der anderen – glänzen nicht minder als 1 und 2, jedoch bieten sie statt der 45 Quadratmeter der Eigner-Suiten „nur“ halb so viel Wohnraum.

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