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Kreuzfahrt mit Radfahrt

Einmal rund ums westliche Mittelmeer mit der AIDAbella

Text und Fotos: Judith Weibrecht

Sie ist groß, sauber und weiß wie ein frisches Bettlaken, ihre Lippen dunkelrot. Sie lächelt. Im Moment liegt sie im lauwarmen Wasser des Mittelmeers vor Mallorca und entspannt. AIDAbella ist ihr Name. Ein Kreuzfahrtschiff mit Bike-Station an Bord.

Mittelmeerkreuzfahrt

Einmal ums westliche Mittelmeer herum mit dem Schiff ist eine gemütliche Art zu reisen. Das Tempo passt, es geht gemächlich dahin fast im Radfahrtempo. So bleibt viel Zeit, um zu schauen, auf Hafenein- und -ausfahrten, wenn es auf eine Stadt zu oder wieder hinaus geht oder auf See in endloses Blau zu starren. Hat das Schiff angelegt, geht es ab zum Fahrradausflug. Ganz nah dran und mittendrin. Das ist man auf den Radtouren rund ums westliche Mittelmeer: Neapel, Rom, Marseille, Barcelona und Palma de Mallorca heißen die Stationen. Das mag einem zunächst Schauer über den Rücken jagen. Neapel mit dem Fahrrad? Neapel per Fahrrad!

Mittelmeehtkreuzfahrt - auf der AIDAbella: Bars, Swimmingpools, Liegestühle etc.
Auf der AIDAbella

Während der beiden Seetage ist die Dauer-Bespaßung auf so einem Kreuzfahrtschiff sicher nicht jedermanns Sache. Allerdings muss zur Ehrenrettung von AIDA gesagt sein, dass dort alles Kann ist und nichts Muss. Jeder findet garantiert sein Plätzchen: Sei es beim Motorenbrummen auf Deck 3 oder beim Udo-Jürgens-Vormittag am Pool, beim Alpenglühn in der AIDA-Bar auf Deck 10 oder bei der Akrobatik-Show im Teatrium. Oder einfach auf Deck mit Blick in blaue Wogen. An Bord gibt es vier Bike-Guides und 80 Fahrräder, ein Fitnessstudio, einen Spa für Massagen der Radlermuskeln, eine Joggingstrecke. Wählen kann man zwischen 1.025 Passagierkabinen, 7 Restaurants, 11 Bars und 14 Decks. „Kreuzfahrt ist wie all inclusive!“ sagt Else aus Thüringen im Buffet-Restaurant. Stimmt, bevor ich platze beschränke ich mich innerhalb von zwei Tagen auf Frühstück und Abendessen. Dwi aus Bali, mein Lieblingskellner, lacht von einem Ohr bis zum anderen in seinem runden Knödelgesicht, ein Dauerlächler mit Blendaxzähnen. Fast der gesamte Service-Bereich ist in asiatischer Hand, die Tanzkompanie ukrainisch, der Kapitän deutsch. Im Moment befinden sich ca. 2.300 Passagiere an Bord und 607 Mann Besatzung.

Buongiorno Napoli - Gassenspiele in Neapel

Mittelmeerkreuzfahrt - Blick auf die Bucht von Neapel
Blick auf die Bucht von Neapel

„Geht’s euch gut?“ „Ja!“ muss es heißen und dann klatscht man sich ein mit Geheul vor dem Bike-Ausflug. Unser Bike-Guide heißt Fredi und kommt aus Oberösterreich. Die Einweisung der Guides ist gründlich: Wie funktioniert die Gangschaltung, wie setzt man den Helm auf, jeder bekommt Trinkflasche, Rucksack und Powerriegel. Und dann heißt es, wie so oft an diesem und den folgenden Tagen: „Auf geht’s! Pack mer’s!“ Wir packen’s in dem Gewirr der Altstadtgassen, vorbei an der Galleria Umberto I. Mopeds hupen, quetschen sich dazwischen, einer reckt den Daumen nach oben. Eine Mamma ruft nach ihrem Claudio. Unten am Yachthafen steht ein beleuchteter Heiliger neben einer Eisbude. Vielleicht San Gennaro, der Schutzpatron Neapels? Der 1.277 m hohe Vesuv im Hintergrund steht stumm. Durch das Villenviertel Posilippo geht es hoch auf einen Aussichtsberg. Verliebte lassen dort die bemalten Schlösser ihrer Mopeds zurück. „Ciao!“ brüllt man uns zu und „Forza!“, Kraft. Jeder passt auf jeden auf im verrückten italienischen Verkehr. Die Ausblicke auf Vesuv und Capri sind grandios. Unten auf der Piazza müssen wir mit unseren Bikes ein Brautpaar umkreisen und werden gefilmt. Radfahrer bringen Glück? So sei es.

Ciao bella Roma – einer der sieben Hügel per Fahrrad

Mittelmeerkreuzfahrt - Piazza Navona, Rom
Piazza Navona

Auch Rom mit dem Fahrrad ist kein italienischer Wahnsinn, da die Autofahrer dort viel stärker auf das schauen, was um sie herum ist. Abgesehen davon heißt die Devise einfach: Fahren! Jeder probiert ein bisschen, wie weit er gehen kann. Der oder ich, wer darf zuerst um die Kurve. Auch Autos quälen sich mit kaum mehr als 30 km/h durch die Gassen. Perfetto, da ist man per Rad gut dran. Vom Palatinhügel aus blicken wir aufs Forum Romanum, später besuchen wir das Pantheon. Weiter rollen wir zum Kapitolsplatz, und den Petersdom lassen wir natürlich auch nicht aus. „An der Spanischen Treppe gibt es die beste Eisdiele Roms“, meint Fredi. Ein ausgedehnter Stopp darf daher nicht fehlen. Molto bene! Wie wir überhaupt die Fitnessriegel nicht brauchen, denn zu probieren gibt es in jeder Bar, Trattoria, Pizzeria. In der Radtour sind alle Hauptsehenswürdigkeiten enthalten: Ein Gruppenfoto am Colosseum, eine Münze in den Fontana die Trevi werfen. „Pack mer’s?“ fragt Fredi, und wir packen’s immer, auch im quirligen römischen Verkehr.

Mittelmeerkreuzfahrt - Fontana di Trevi, Rom
Fontana di Trevi

Bonjour Marseille – die Verkannte

Nun in Frankreich müssen wir uns umstellen: Die Autofahrer in Marseille halten an den roten Ampeln. Oft wird die Hafenstadt verkannt. Doch weiß glitzern die Fassaden im Sonnenlicht. Zum Fischmarkt geht’s die Küste entlang und später durch die Altstadtgassen zur seltsam gestreiften Kathedrale La Major. In ihr heiratete einst Zinedine Zidane. Eine andere liegt hoch oben auf einem Hügel und überschaut alles: Notre-Dame-de-la-Garde. Der steile Anstieg war es wert. Alle genießen die weiten Blicke auf Stadt, Mittelmeer und Après-Midi-Wölkchen. „Tres jolie“, sehr hübsch, seufzt eine Französin entzückt. Wir stürzen uns den Hang hinunter in die Stadt und flüchten in ein echtes Bistro, oui, wo Monsieur seine Zeitung bei einem Café au lait studiert und der Garçon flugs die Marmortischchen abwischt. „Allez, allez!“ ruft einer, als wir weiter radeln, und klatscht begeistert in die Hände.

Mittelmeerkreuzfahrt - Blick von oben auf Marseille
Blick von oben auf Marseille

Buenos días Barcelona – die Hübsche

Barcelona schließlich kann sogar mit Radwegen und Stadtstränden aufwarten. Doch zunächst geht es hoch auf den Montjuich und zum Olympiastadion - des Überblicks wegen. Und natürlich wird auch zur Sagrada Familia und den Tapas-Bars der Altstadt geradelt. Im „Los Caracoles“ gleich bei den Ramblas gibt es sogar einen Außengrill. Drinnen wummert die Klimaanlage. „Fuerza!“ wird einem nun auf Spanisch hinterhergerufen und auch hier fühlen wir uns als Radfahrer willkommen.

Mittelmeerkreuzfahrt - La Sagrada Familia von Gaudi, Barcelona
La Sagrada Familia von Gaudi, Barcelona

Adiós auf Mallorca – Segway statt Rad

Zum letzten Mal werden die an Pollern vertäuten Seile gelöst, Anker eingezogen, rattern Ketten zum Abschied aus der Tiefe nach oben. Für morgen bleibt mir die Segway-Tour auf Mallorca, da sich für die Radtour wegen der frühen Abflüge nicht genügend Passagiere angemeldet haben. Tut, tut, tut, und die Küstenlinie zoomt sich langsam ins Schemenhafte. Ein Servicelächeln schreckt mich auf: „Einen Cocktail, Madame?“ Ich höre mich „ja“ sagen. Das Meer glitzert, die Bikes sind im Schiffsbauch verstaut. „Alkohol für Sportler nur nach Sonnenuntergang“, grient der Guide. Sie geht gerade glutrot unter.

Mittelmeerkreuzfahrt - die Kathedrale von Palma de Mallorca, La Seu
Die Kathedrale von Palma de Mallorca, La Seu

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