
Besuch in der Steinzeit:
bei den Mek in West-Neuguinea
Text und Fotos: Albrecht G. Schaefer
Ein alltägliches Reiseziel hatte ich mir nicht ausgesucht, als mich in den Westteil der pazifischen Insel Neuguinea aufmachte. Die Begegnungen mit den dort lebenden Menschen gleicht einem Eintauchen in die Steinzeit, öffnet gleichsam das Tor in die weit zurückliegende Vergangenheit, obgleich die Spuren der Moderne auch an diesem Teil des Globus nicht spurlos vorbei gegangen sind.
Aus
den Lüften kommen wir
Ein typisches Dorf in West-Neuguinea mit Rundhäusern
Erst als das kleine weißrote Flugzeug hinter dem Bergrücken verschwunden und das Motorengeräusch abrupt verstummt war, kommt wieder Bewegung in die Gruppe. Die nackten, dunkelhäutigen Menschen scharen sich um die fremden Besucher, die gerade dem "metallenen Vogel" entstiegen sind. Staunend und abwartend stehen sie vor den weißen, riesenhaft erscheinenden Gestalten und vor deren unbegreiflich umfangreichem Gepäck, das ebenso wie die Eigentümer "vom Himmel gefallen war". Die älteren unter den Bewohnern haben solch einen unverhofften Besuch zwar schon früher erlebt, aber es ist nach wie vor unheimlich und unerklärlich. Ort der denkwürdigen Begegnung ist Kosarek, ein kleiner Außenposten im Hochland von West-Neuguinea: Angehörige der Moderne treffen auf Menschen, die immer noch in steinzeitlichen Verhältnissen leben.
Wo bitte liegt denn West-Neuguinea?
West-Neuguinea - Irian Jaya nennen es offiziell die Indonesier - war ehemals holländische Kolonie und wurde durch die indonesische Regierung 1963 als östlichste Provinz des Landes annektiert. Dieser indonesische Außenposten liegt auf Neuguinea, der mit rund 772 000 qkm zweitgrößten Insel der Erde. Sie hatte erst Anfang des 16. Jahrhunderts für Europa zu existieren begonnen: Portugiesische Seefahrer und kurz darauf ihre spanischen Konkurrenten hatten das bislang unbekannte Land gesichtet. "Ilha dos Papuas", die "Insel der Kraushaarigen" - nach dem malaiischen Wort "papuwah"- und "Nueva Guinea", in Erinnerung an die spanische Kolonie in Westafrika: Diese Namen tauchten nun auf den europäischen Landkarten auf. Bis in unsere Zeit haben sich beide Bezeichnungen erhalten. Immer noch sind mit ihnen Vorstellungen von Gefahr, Abenteuern bei wilden, menschenfressenden Eingeborenen in undurchdringlichem Urwald verbunden. Erst ab Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden die Küsten und Flussmündungen der geheimnisvollen Insel erkundet. Die Hochlandregionen sind sogar bis in die 1930er Jahre so gut wie unerforscht geblieben. So war der 23. Juni 1938 ein wirklich historischer Tag für die Neuguinea-Forscher: Einem Wasserflugzeug mit der amerikanischen "Archbold-Expedition" an Bord war der Vorstoß über die Felsgipfel der Zentralgebirgskette geglückt. Und dann hatten die maßlos verblüfften Forscher das dicht besiedelte, kunstfertig bebaute Baliemtal überflogen. Eine einmalig archaische Welt tat sich den "Zivilisationsmenschen" auf. Der Traum, in die Vergangenheit der menschlichen Entwicklung zurückblicken zu können, schien wahr geworden zu sein.
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