Der Elefantengott von Rajasthan
Mit göttlicher Begleitung durch den Norden Indiens
Text: Elke Sturmhoebel / Fotos: Sturmhoebel & Dirk Renckhoff

Kurzsichtigkeit macht offenbar auch vor Göttern nicht
Halt. Wie sonst käme Shiva dazu, seinen Sohn Ganesha für den
Liebhaber seiner Frau Parvati zu halten und ihm kurzerhand den Kopf abzuschlagen.
Shiva musste seiner erzürnten Göttergattin nach dem dramatischen
Vorfall versprechen, den Kopf ihres Lieblingssohnes mit dem Haupt des Lebewesens
zu ersetzen, das ihm als erstes über den Weg laufen würde.
Der dickbäuchige Ganesha mit dem Elefantenkopf ist seither der Lieblingsgott
der Hindus. Steht er doch in dem Ruf, wie ein Dickhäuter im Dschungel
Hindernisse jeglicher Art aus dem Weg zu räumen. Bei größeren
Vorhaben wird er daher angerufen, zum Beispiel bei Hochzeiten, Reisen,
Geschäftsabschlüssen oder
Prüfungen. Wer durch Nordindien
reist, begegnet dem Elefantengott auf Schritt und Tritt. Er prangt als
Aufkleber an Windschutzscheiben von Taxis und ziert als Glücksbringer
das Armaturenbrett von Bussen. Er schmückt Eingänge und Hausschreine,
Tempel und Paläste. Als kleine Bronzefigur kann man ihn in Souvenirläden
kaufen.
Auf der Festung Amber (Foto rechts) führt der Weg durch das prächtige Ganesha-Tor zum inneren Palastbereich. Das aufwändig mit Mosaiken, Fresken, Skulpturen, Steingittern und einem Bild des Elefantengottes dekorierte Tor zählt zu den schönsten Palasteingängen Indiens überhaupt. Zum über fünfhundert Jahre alten Fort, das imposant und wehrhaft auf dem Gipfel einer Bergkette thront, gelangt man ganz leicht und standesgemäß auf dem Rücken eines geschmückten Elefanten. Durch das filigrane Gitterwerk der Fenster bietet sich ein phantastischer Blick auf die umliegende Felslandschaft und auf die Elefantenkarawane, die die Serpentinen hinauftrottet.
Seite 1 / 2 / 3 / 4 / zur Startseite