DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Neu Dehli hinter sich lassen

Fast eine Stunde, die der Zug tutend und rüttelnd bis zur Stadtgrenze braucht, halten Gedränge und Diskussionen um die zugewiesenen Sitznummern an. Im Gefolge der genervten Schaffner kämpfen sich Teeverkäufer mit unentwegten "Chai! Chai!"-Rufen durch die verstopften Gänge. Orangenfarben steigt der Sonnenball über dem Rauch unzähliger Ziegelbrennereien auf, während Rinderherden auf die Stoppelfelder ziehen und auf der Überlandstraße schwankende Busse und hochbeladene Lastwagen brausen. In den Dörfern und Gehöften hat der Tag längst begonnen. Frauen balancieren Wasserkrüge, Kinder treten vor die Lehmhäuser, reiben sich die Augen und winken dem Zug hinterher.

Auf der Fahrt von Neu Dehli bis Japiur haben wir sechs Stunden Zeit. Wir versuchen, es uns in den Abteilen bequem zu machen, soweit das bei dem ständigen Klappern und Rattern der Wagen überhaupt möglich ist. Für Unterhaltung ist auf alle Fälle gesorgt, den wir Fremden werden schnell von unseren Abteilnachbarn angesprochen: Ein älterer Mann aus Bombay, der in seinem zerknitterten Anzug schon seit zwei Tagen unterwegs ist, bietet der Runde Gebäck an. "Selbst gemacht!" betont er in bestem Deutsch. Er habe vor vielen Jahren in Stuttgart Zeitungen ausgetragen und später in der Nachbarschaft ein indisches Restaurant betrieben. "Unsere Küche mögt ihr doch", schmunzelt er.

In Rajasthan unterwegs

Der Zug fährt bereits durch Rajasthan, einen der ärmsten Staaten Indiens. Vor zwei Jahren hatten erst eine überlange Dürreperiode, dann schwere Regenfälle Tausenden den Tod gebracht. Jetzt Ende März liegt wieder die braungelbe Farbe der Trockenzeit auf Häusern, Feldern und der sich im Dunst erhebenden Aravallis-Kette.

Indien / Kochzeit
Dörflicher Alltag: die Frau am Herd

Dromedare, die immer häufiger auf Straßen und Wegen auftauchen, wirken wie Abgesandte der sich im Nordosten erstreckenden Wüste Thar. Sandiger Staub umweht auch den Bahnhof der Stadt Alwar, wo der "Pink City Express" einen längeren Zwischenhalt einlegt. Die ist die Gelegenheit, auf dem Bahnsteig die Beine zu bewegen und ein Kleinod aus der kriegerischen Geschichte zu erblicken: den vor der Stadt schemenhaft aufragenden Palast, eine der schönsten Residenzen der einstigen Rajputenfürsten.



Reiseinformationen zu diesem Reiseziel

Reiseveranstalter Indien




Twitter
RSS