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Hinab an die Ufer des Ganges

Von unserer Unterkunft, die wie die meisten der besseren Hotels im Norden der Stadt beim Fernsehturm angesiedelt ist, machen wir uns noch vor der Morgendämmerung auf zu den Ghats, den Ufertreppen am Ganges. Der Sonnenaufgang an der Flussbiegung, die tagaus, tagein Tausende von Gläubigen zum rituellen Bad aufsuchen, gilt bei Reisenden als Muss. Doch wir sind uns bewusst, dass die Stufen am Wasser wie ein Prüfstein in Sachen "Indien verstehen" wirken können. Sie sind nämlich auch Schauplatz der Leichenverbrennungen, und man sieht außerdem hin und wieder im Morgenlicht Tote flussabwärts treiben. Säuglinge, Sadhus, die asketischen Wanderheiligen, und Leprakranke dürfen nicht verbrannt werden, sie haben sich die Reinkarnation bereits durch Reinheit beziehungsweise erlittenes Leid verdient.

Indien / Waschritus
Rituelle Waschung am Ganges

An den Verbrennungsghats herrscht absolutes Fotografierverbot. Zeitgenossen, die sich darüber hinwegsetzen, können das Erlebte offenbar nur mittels voyeuristischer Erinnerungsbilder verarbeiten.

Die "Seele Indiens" wird Varanasi genannt, gerade wegen der Geschehnisse am Gangesufer, wegen des unaufhörlichen Nebeneinanders von Leben und Tod, von Weihrauch und Scheiterhaufenqualm. Aber auch wegen des grellen, geballten Kontrasts zwischen hungernden Bettlern und prall gefüllten Kaufhäusern, zwischen Reinigungsriten am Fluss und düsteren Gassen, die vom Müll und vom Mist der geheiligten Kühe übersät sind.

Indien / Ganges / Sonnenaufgang
Sonnenaufgang am Ganges

Mancher Besucher wird nach dem Ausflug zu den Ghats den Hotelpool zum Stammplatz in Varanasi erklären. Einige von uns zieht es am Abend erneut zum Fluss, wo Priester mit durchdringenden Gongschlägen, Feuerwedeln und Gebeten das Wohlwollen von Göttern und Verstorbenen beschwören. Auf der Rückfahrt mit der Fahrradrikscha blockiert eine Hochzeitsprozession die Hauptstraße. Männer ziehen uns lachend in die tanzende Menge. Wir wirbeln im Schein gleißender Neonlampen mit und wissen, dass wir Indien ein kleines Stück näher gekommen sind.



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