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Hongkong – Hafenstadt am Perlflußdelta

Hongkong, die Stadt am "duftenden Hafen", die Stadt modernster Hochhäuser und alter Tempel, der wuseligen Märkte und feinen Boutiquen, der Wahrsager und Börsengurus, der düsteren Betonschluchten und grünen Parks, der eleganten Restaurants und schlichten Imbißbuden, der Zocker und Kunstliebhaber, der Chinesen und Briten – Treffpunkt, ja Schmelztiegel von West und Ost, von europäischer und chinesischer Kultur und Tradition, eine spannende und aufregende Stadt für jeden, egal ob er zum ersten oder zum zwanzigsten Mal hier landet.

Hongkong liegt an der Südostküste Chinas, am nördlichen Rand des Deltas des Perlflusses (chin. Zhujiang) und zählt etwa 6,6 Mio. Einwohner. Seit dem 1. Juli 1997 gehört die ehemalige britische Kolonie als Sonderverwaltungszone zur Volksrepublik China, ist für Europäer jedoch ohne Visum zugänglich. Der Sonderstatus ist Ergebnis der Geschichte dieser Region in den letzten 150 Jahren. Mitte des 19. Jahrhunderts suchten britische Kolonialhändler, wie andere europäische Mächte auch, einen sicheren Stützpunkt für Schiffe und Waren. Da das kaiserliche China nur sehr begrenzt Handel zuließ, schmuggelten die Briten als Tauschobjekt für Tee, Seide und Porzellan in Indien gewonnenes Opium nach China, Auslöser für die beiden Opiumkriege (1839-42 und 1856-60). Gleichzeitig besetzten sie eine von der Küste nur durch einen schmalen Wasserstreifen getrennte Insel, die einen idealen Hafen bildete, denn die Wasserstraße war tief genug für große Schiffe, und die Insel schützte vor den tropischen Stürmen. Diese Gegend wurde im regionalen kantonesischen Dialekt heung gong genannt, was "duftender Hafen" bedeutet und sich vermutlich auf die Produktion von Räucherstäbchen bezog. Daraus machten die Briten "Hong Kong", ein Name, der sich sowohl auf das gesamte Gebiet als auch auf die Insel bezieht.

Hongkong

Weder die chinesische, noch die britische Regierung waren jedoch mit der lokalen Übereinkunft zufrieden, so daß weitere Kriegszüge folgten, denen das schwache chinesische Kaiserreich wenig entgegenzusetzen hatte. So schlugen die Briten ihrer neuen Kolonie noch eine Halbinsel gegenüber von Hongkong zu, die im Volksmund gau long genannt wurde, was "neun Drachen" bedeutet und von den Briten zu Kowloon umgebogen wurde. Der Name entstammt einer Legende, nach der zum Ende der Song-Dynastie (960-1279) ein Prinz, der Anspruch auf den Thron erhob, hierher flüchtete und die Bergkette gut 20 km hinter der Küste betrachtete. Er bemerkte, er sehe acht Drachen, denn es gab acht Berge, und in jedem lebt der chinesischen Mythologie zufolge ein Drache. Da näherte sich ihm ein Höfling und sagte, es müssen neun Drachen sein, er, der Prinz, sei der neunte. Denn die Drachen sind auch Symbol des chinesischen Kaisers. Seitdem wurde der Name von den Menschen hier benutzt. Die Briten bauten auf die damals noch schlanke und sandige Halbinsel ihre Kasernen, damit Soldaten Hafen und Insel schützten. Hongkong und Kowloon machten die eigentliche britische Kolonie aus.

Aus Gründen des Schutzes vor der ebenfalls in Südchina aktiven Kolonialmacht Frankreich pachtete Großbritannien am 30. Juni 1898 das Land zwischen der Halbinsel und der Bergkette sowie 234 große und kleine Inseln dazu, die seitdem einfach New Territories (neue Gebiete) heißen. Dieser Pachtvertrag lief am 30. Juni 1997 aus und machte die Vereinbarung über die Rückkehr Hongkongs zu China notwendig.

Die Kolonialmacht richtete sich ein. Nur wenige Händlerfamilien aus Europa lebten hier, wollten zunächst in Happy Valley siedeln, wo sie jedoch Malaria vorfanden. Heute ist dort die Pferderennbahn. Also siedelten sie Europäer am Hang des Hausbergs (554 m), den sie nach Königin Victoria benannten, der aber heute einfach The Peak heißt. Von hier hat man den tollsten Blick auf Hafen und Stadt. Am Ufer, heute Central District genannt, entstanden Lagerhäuser und Stege, an denen die schnellen Frachtsegler anlegten, die von hier aus Wettrennen segelten, um als erste frischen Tee in London anzulanden. Dahinter, schon am Hang, lag eine kleine Garnison, von der nur das Haus des Kommandanten erhalten blieb, der Rest wurde zum erholsamen Hongkong Park verwandelt.



Weiter westlich wohnten in beengten Quartieren die immer zahlreicher ankommenden Chinesen. Bis heute ist der Western District von Handwerkern und chinesischen Händlern geprägt, die Alltagswaren und Lebensmittel anbieten, aber auch von traditionellen Apotheken und kleinen Tempeln wie dem Man-Mo-Tempel. Moderner sind schon die zahlreichen Antiquitätenläden in der Hollywood Street, aber auch dort wird ja schließlich mit dem chinesischen Erbe gehandelt.

Kowloon hingegen gilt als das Paradies der Shopper. Wie ein Rückgrat zieht sich die kilometerlange Nathan Rd., benannt nach einem Gouverneur, durch die Halbinsel, gesäumt, wie ihre Nebenstraßen, von Touristenläden aller Art: Hongkongs "goldene Meile". Ein wenig Erholung findet man auf den Bänken im Kowloon Park neben der Moschee, der auch einen Skulpturengarten, Flamingoteiche, Spielplätze und das Hong Kong Museum of History aufweist. Parks benötigen die Hongkonger schon allein, um ihre Vögel auszuführen. Unverzichtbar für die Vogelliebhaber ist der ganz im Norden Kowloons gelegene Vogelmarkt, denn dort gibt es frisches Futter für die Sänger und beste Gelegenheit zum Fachsimpeln. Ein beträchtlicher Kontrast zu dieser beschaulichen Alltagsatmosphäre ist die Spitze der Halbinsel, an der einst der Bahnhof lag, der die Kolonie mit dem heimatlichen London verband. Man brauchte nach wochenlanger Zugfahrt nur die Straße zu überqueren, um im Peninsula Hotel wieder in die europäische Welt einzutauchen. Von dem schönen Bahnhof blieb allerdings nur der Uhrenturm stehen. Hinter der Promenade mit phantastischem Blick auf die Insel Hongkong breitet sich jetzt das Cultural Center aus, in dessen Konzertsaal die besten Orchester der Welt gastieren. Mit eingebunden wurden das Hong Kong Museum of Art und das Space Museum.

Die meisten Hongkonger verehren die daoistische Göttin Tin Hau, die Himmelskönigin, die gleichzeitig Schutzpatronin der Fischer und Seeleute ist. In jedem Stadtbezirk ist ihr ein Tempel geweiht, der einst direkt am Ufer lag. Heute befinden sich die meist rot gestrichenen Opferstätten mitten im Straßengewirr, denn praktisch überall wurde dem Meer durch Landaufschüttungen neuer Wohnraum abgerungen.

Die drei bedeutendsten Tempel Hongkongs sind jedoch nicht der Seefahrergöttin gewidmet. Nördlich von Kowloon, wo die gigantischen Wohnwände des sozialen Wohnungsbaus die Stadt zerschneiden, liegt der immer sehr lebhafte Wong-Tai-Sin-Tempel mit seinem Garten und seinen zahlreichen Wahrsagern, die Orakelsprüche interpretieren und aus Hand und Gesicht lesen. In wesentlich exponierterer Lage an einem Berghang blickt der Tempel der 10.000 Buddhas auf die Trabantenstadt Shatin in den New Territories. Eine hohe Pagode verbessert seine geomantische Lage, während in der Haupthalle die großen vergoldeten Altarfiguren von etwa 12.800 gespendeten kleinen Buddhas umgeben sind. Mönche vom Festland gründeten Anfang des Jahrhunderts das Kloster Po Lin auf der Insel Lantau. Mitten in den Bergen, aber gut per Bus erreichbar, liegt die ausgedehnte Anlage in klassischer Formation. Seit einigen Jahren wacht ein 23 Meter großer, frei stehender Bronzebuddha über die durchaus sehr weltlichen Aktivitäten der Mönche.

Einen Ausflug in das grüne Hongkong sollte man keinesfalls auslassen. Die große Insel Lantau bietet Wandermöglichkeiten und den langen Strand von Cheung Sha. Auf den kleineren Inseln wie Cheung Chau und Peng Chau findet man unter der Woche noch gemütliches Dorfleben vor, auf Cheung Chau und Lamma kann man zudem in zahlreichen kleinen Restaurants am Wasser sitzen und frisch zubereiteten Fisch oder Meeresfrüchte verspeisen. Aber auch schon auf der Insel Hongkong lohnt sich eine Busfahrt zur Südküste, an den Strand der Repulse Bay oder zum täglichen Kleidermarkt in Stanley.

Wenn dann der Abend anbricht, werden erst einmal die Feuer unter den Woks entzündet. Denn ein Essen im großen Kreise gehört einfach dazu, und Hongkong bietet nicht nur sämtliche Variationen der chinesischen Küche, sondern auch das Beste aus den Nachbarländern und selbst westliche Küche höchster Qualität. Dann kann man die Lichter der Stadt bewundern, zum Beispiel bei einer Straßenbahnfahrt von Western nach Causeway Bay oder noch einmal vom Peak. Drüben auf der Kowloon-Seite haben die Händler um diese Zeit in der Temple Street längst ihre Stände mit Textilien und elektronischen Geräten für den täglichen Nachtmarkt aufgebaut. Jetzt ist Feilschen angesagt. Wer danach noch Durst auf ein Bier hat, wird in den Seitenstraßen Kowloons oder rund um die Lockhart Road in Wanchai beträchtliche Auswahl finden. Der bekannteste Nightspot der Stadt ist aber Lan Kwai Fong, zwei Straßen etwas oberhalb des Central District, in denen sich Kneipen, Bars, Imbißbuden und Restaurants auf engstem Raum drängen. Kein Wunder, daß jeder Taxifahrer die Gegend kennt.

Spät in der Nacht wird man sein müdes Haupt zur Ruhe betten, und die erstklassigen Hotels der Stadt am Perlfluß werden auch dies zu einem Erlebnis machen. Häuser wie das historische Kolonialhotel Peninsula oder das Regent und das Mandarin Oriental wurden schon mehrfach als beste Hotels der Welt prämiert, doch auch bei den preiswerteren Alternativen kann man Qualität in Ausstattung und Service erwarten. Beste Voraussetzung für einen weiteren aufregenden Tag in Hongkong.

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