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Honduras im Überblick

Tropischer Regenwald und traumhafte Karibikinseln, Piratenbuchten und Palmenstrände, stille Indiodörfer und altkoloniale Festungen der Konquistadoren, dazu die weltbekannten Mayaruinen von Copán: Kontrastreich und touristisch unbefleckt zeigt sich das Reiseland Honduras, das durch den Hurrikan "Mitch" schwer gebeutelt und in seiner Entwicklung weit zurückgeworfen wurde. Dabei galt das an Karibik und Pazifik stoßende Land ohnehin als eines der ärmsten Lateinamerikas.

 Den Reichtum hatten längst andere abgeschöpft: die Spanier während der Kolonialzeit in den Gold- und Silberminen, die internationalen Handelsgesellschaften und Großgrundbesitzer im 19. und 20. Jahrhundert auf Bananen-, Ananas- und Kaffeeplantagen. Wer durch Honduras tourt, muss wissen, auf was er sich einlässt. In den seltensten Fällen braucht man nach Luxushotels Ausschau zu halten und auf einen reibungslosen organisatorischen Reiseablauf zu hoffen. Außerdem sollte man stets Trinkvorrat und Taschenlampe zur Hand haben - der Wasser- und Stromausfälle wegen ...

Kinder aus Copan, Honduras

Kinder aus Copán

Größte Städte Honduras' sind die Hauptstadt Tegucigalpa und das im Nordwesten des Landes gelegene San Pedro Sula. Bei beiden hält sich der Attraktionsgrad in Grenzen. Prägenden altkolonialen Charme - so wie in anderen Metropolen Mittel- und Südamerikas - darf man keiner der beiden zusprechen, Reisenden dienen sie eher als Durchgangsstationen. So ist San Pedro Sula unverzichtbares Sprungbrett für zwei interessante Ausflüge: nach Omoa und nach Copán. Omoa liegt 65 Kilometer nördlich nahe der glanzlosen Hafenstadt Puerto Cortés und lockt mit der stattlichen spanischen Festungsanlage San Fernando. Sie liegt ein Stückchen ins Landesinnere versetzt, wurde 1752-1780 erbaut und mit mehr als zwei Dutzend Kanonen ausstaffiert, mit deren Hilfe man diverse Angriffe von Engländern und Franzosen abschmetterte. Ein Rundgang führt von der Plaza de Armas hinein in die alte Pulverkammer, in die Kanonenkugellager, die Schlafsäle, Küchen- und Speicherräume. Vom oberen Festungsplateau aus bieten sich schöne Blicke aufs Meer und die grüne Bergwelt des Hinterlands.

Puerto Cortes, Honduras

Puerto Cortés

Der zweite lohnende Trip führt ab San Pedro Sula in den äußersten Westen Honduras' Richtung Grenze zu Guatemala. Nach 170 Kilometern und einer Fahrt durch grüne Hügel und vorbei an Rinderweiden, Mais- und Tabakfeldern erreicht man das stille Örtchen Copán. Hier findet man einige Unterkünfte, einfache Einheimischen-Restaurants und den Parque Central mit seiner kalkweißen Kirche. Etwa einen Kilometer außerhalb liegt der Parque Arqueológico Copán Ruinas - und damit ein Besuchshighlight in ganz Honduras, bei dem man in die geheimnisvolle Welt der Mayakultur vorstößt. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Tal von Copán bereits im fünften vorchristlichen Jahrhundert von den Maya besiedelt wurde. Copán bekamen die spanischen Konquistadoren nicht zu sehen, da das Zeremonial- und Wohnzentrum bereits verlassen und von Dschungel überwuchert war. Erst eine wissenschaftliche Expedition 1839, angeführt von dem US-Amerikaner John Lloyd Stephens und dem Briten Frederick Catherwood, brachte Copán wieder ans Licht. Die Forscher kauften den Indígenas das riesige Gebiet für 50 Dollar ab. Heute gehört das restaurierte Ruinenareal von Copán zum Kulturerbe der Menschheit und legt Zeugnis von der sogenannten "Klassischen Mayaepoche" vom 5.-9. Jahrhundert ab, als die Dynastien auf dem Höhepunkt ihrer Macht standen. Überall stechen prächtige Stelen, Altäre und Tempel hervor, was einige Forscher von Copán als dem "Athen der Maya" hat schwärmen lassen. Einzigartig in Copán sind die vollplastisch skulptierten, reliefbedeckten Stelen, die bedeutende Persönlichkeiten ihrer Zivilisation in vollem Ornat zeigen. Ein Rundgang führt über die beiden Hauptplätze, auf denen einst Opferungen stattfanden, sowie zu dem von Rampen begrenzten Ballspielplatz und zur Hieroglyphentreppe, die sich aus mehr als 1.200 Inschriftenblöcken zusammensetzt. Darüber hinaus kann man sich die Maya-Wohnzonen von El Bosque und Las Sepulturas ansehen.

Auch wenn sie Copán nicht entdeckten, blieb der honduranische Westen von den Konquistadoren nicht verschont. Diejenigen, die sich ihnen entgegenstellten, wie der tapfere Lencaführer Lempira (1537/38), wurden getötet und werden noch heute als Helden verehrt. Die Spanier trieben ihren Eroberungs- und Missionierungswahn voran und bauten Zentren wie Santa Rosa de Copán und Gracias aus, deren koloniale Gepräge mit Sakralarchitektur noch heute erhalten sind. Durch seinen freundlichen Charakter und ein fruchtbares, grünes Umland zeichnet sich das bereits 1536 gegründete Gracias aus. Es ist eine Stadt der Kirchen, über der sich ein kleiner Festungshügel mit der Fortaleza San Cristóbal erhebt. Ein Nahausflug führt ab Gracias zum acht Kilometer westlich beginnenden Parque Nacional Celaque, der sich um den Cerro de Celaque legt, den mit 2.827 Metern höchsten Berg Honduras'.

Östlich von Gracias bewegt man sich auf das Kernland zu, wo die Nationalstraße 5 San Pedro Sula mit Tegucigalpa verbindet. Die 250 Kilometer lange Achse führt um den schönen Yojoa-See - ab dort: Ausflugsmöglichkeit zum 30 Meter hohen Pulhapanzak-Wasserfall - und streift das 1537 begründete Städtchen Comayagua, das rund drei Jahrhunderte lang Hauptstadt des Landes war und erst 1880 von Tegucigalpa abgelöst wurde. Im Kernbereich hat sich das geschäftige Comayagua ein koloniales Ambiente bewahrt. Besonders schön: die Kathedrale mit ihrer reich dekorierten Fassade.

Rund 90 Kilometer trennen Comayagua von der Hauptstadt Tegucigalpa, die in 930 Höhenmetern in eine Gebirgswelt eingebettet liegt. Die Metropole ist weit auseinander gezogen und aus zwei Teilen zusammengewachsen: der Altstadt und der einstigen Indígenassiedlung Comayagüela jenseits des Río Choluteca. In den Randbezirken herrscht mitunter erschreckende Armut. Zu den Hauptbesuchszielen in Tegucigalpa zählen der Parque Central mit der Kathedrale San Miguel, die alte Franziskanerkirche San Francisco, das Nationaltheater Manuel Bonilla, das Nationalmuseum Villa Roy und die von einer prächtigen Barockfassade geprägte Kirche Los Dolores. Zahlreiche Straßenstände geben Tegucigalpa den Anstrich eines kontinuierlichen Open-air-Marktes. Beliebte Nahausflüge führen von Tegucigalpa nach Santa Lucía (angenehmes Höhenklima, Kolonialkirche), in den Kunsthandwerkerort Valle de Ángeles (Holzschnitzereien, Leder- und Korbwaren), in den Wallfahrtsort Suyapa und in den Parque Nacional La Tigra mit seinen Nebelhochwäldern.

Tegucigalpa schafft Anbindung in den tiefen Süden Honduras', der auf einer Breite von rund 140 Kilometern von der Carretera Interamericana durchzogen wird, der "Traumstraße der Welt". Die pazifische Küstenlinie und ihr nahes Hinterland werden von der 60.000-Einwohner-Stadt Choluteca, der heißen Hafenstadt San Lorenzo sowie vom Fonseca-Golf bestimmt. Über den Golf von Fonseca verteilen sich zahlreiche Inseln, darunter die bewohnte und von einigen Stränden geprägte Isla El Tigre, auf der - folgt man der Legende - einst der berüchtigte Korsar Sir Francis Drake einige seiner Schätze versteckt haben soll.

Palmenstrände im Norden von Honduras

Palmenstrände im Norden von Honduras

Gänzlich andere Bilder und Welten eröffnen sich an der Karibikküste, wo die schwarzen Garífunas heimisch sind und unter den honduranischen Volksgruppen eine Sonderstellung einnehmen. Ein Stückchen Afrika an der honduranischen Küste! Während der britischen Okkupation Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie von der Karibikinsel St. Vincent gewaltsam auf die Islas de la Bahía und an die honduranischen Küstenzonen gebracht. Die Sozial- und Familienstrukturen der Garífunas haben sich bis heute ebenso erhalten wie ihre eigene Sprache, ihre Tänze und Musik sowie archaische religiöse Riten. Typische Garífunasdörfer wie La Ensenada, Triunfo de la Cruz, San Juan und Tornabé liegen nahe der 30.000 Einwohner großen Küstenstadt Tela. Westlich von Tela stößt man in den Parque Nacional Punta Sal vor, ein 780-km²-Gebiet mit tropischen Feuchtwäldern, Mangrovenforsten, Stränden und Korallenriffen. Größte Stadt an der Nordküste ist das freundlich-geschäftige La Ceiba, das seine Existenz der Bananenwirtschaft und dem Anschluss an das nationale Schienennetz Ende des 19. Jahrhunderts verdankt. Populäre Ausflüge führen ab La Ceiba in den hinterliegenden Parque Nacional Pico Bonito (Regen- und Nebelwälder rund um den 2.436 Meter hohen Gipfel des Pico Bonito) und in die 30 Kilometer westlich beginnende Reserva de Vida Silvestre Cuero y Salado (Mangrovenforst, Sümpfe, Lebensraum von Rundschwanzseekühen und Krokodilen). Letzte wichtige Stadt des Nordens ist das 150 Kilometer östlich von La Ceiba gelegene Trujillo, das 1525 von den Spaniern gegründet wurde. Das Hafenstädtchen liegt in einer weitläufigen Bucht zwischen den Mündungstrichtern der Flüsse Cristales und Negro und zu Füßen des 1.235 Meter hohen Cerro-Calentura-Massivs. Zu den spärlichen Besuchszielen in Trujillo zählen die Fortaleza Santa Bárbara, der Parque Central und der alte Friedhof mit dem Grab des dubiosen Abenteurers William Walker, der 1860 hier erschossen wurde. Östlich der Stadt erreicht man die wegen ihres Vogelreichtums bekannte Laguna de Guaimoreto.

Sieht man von verstreuten Ansiedlungen und dem Garífuna-Städtchen Limón ab, ist die honduranische Welt östlich von Trujillo zu Ende. Dahinter beginnen die Weiten der Mosquitia, ein weitgehend unzugängliches und isoliertes Gebiet mit Lagunen, Mangrovenforsten, riesigen Flussmündungsgebieten, Dschungel-, Sumpf- und Savannenlandschaften sowie dem von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärten Biosphärenreservat Río Plátano. Wichtigste Orte in der Mosquitia sind Puerto Lempira, Brus Laguna und Palacios; Zubringer nur über den Luftweg, organisierte Touren über Reiseveranstalter, Haupttransportmittel ist das Boot.

Ein paradiesischer Honduras-Zusatz eröffnet sich mit den Islas de la Bahía, einem der Nordküste rund 50 Kilometer vorgelagerten Archipel, der vom Festland und auch von den USA aus regelmäßig angeflogen wird. Die drei Hauptinseln heißen Roatán (127 km²),Guanaja (56 km²) und Útila (41 km²) und locken mit ihren Korallenrifflandschaften Taucher und Schnorchler aus aller Welt an. Die beste touristische Infrastruktur - samt luxuriösen Ressorts - findet man auf Roatán. Sandstrände liegen bei West End und Sandy Bay, in der Inselhauptstadt Coxen Hole laufen alle Fäden zusammen, Oak Ridge setzt sich aus einem Mosaik vielfarbiger Stelzenbauten zusammen. Individualisten zieht es auf Roatán nach West End, einem gemütlichen Küstenörtchen mit Aussteiger- und Weltenbummlerambiente.

Andreas Drouve

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