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Guyana

Guyana
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Fotos: © Wilderness Explorers



 

Kurzportrait

Manche vermuten das Land im Westen Afrikas – und erliegen dabei einer Verwechslung mit Guinea. Nein, Guyana liegt auf der anderen Seite des Atlantiks. Namensgeber ist die Großlandschaft Guayana im nordöstlichen Südamerika. Das etwa 1,5 Mio. km² umfassende, überwiegend bergige Gebiet erstreckt sich zwischen Orinoko, Amazonas und der Atlantikküste. Sein westliches und südliches Hinterland teilen sich Venezuela und Brasilien. Niederländer, Engländer und Franzosen bemächtigten sich im 16./17. Jahrhundert der östlichen Territorien und verwandelten sie in einträgliche Kolonien, von denen Französisch-Guayana den weitaus schlechtesten Ruf erwarb als „Archipel der Verdammten“, als Frankreichs berühmt-berüchtigte Übersee-Strafkolonie. So mußte der des Landesverrats bezichtigte Hauptmann Alfred Dreyfus hier fünf qualvolle Jahre verbringen und von der Schreckenszeit seiner Haft unter tropischen Bedingungen erzählt Henri Charrière in seinem autobiographischen Roman „Papillon“. Guyane française ist noch immer ein französisches Übersee-Département, damit Teil der EU und Euroland. Die Straflager existieren schon lange nicht mehr, der Urwald verschluckt ihre zerfallenden Überreste. Gar nicht weit davon, auf dem europäischen Weltraumbahnhof „Centre Spatial Guyanais“ in Kourou, hat Hightec Einzug in den Regenwald gehalten und befördert die Ariane-Raketen der ESA ins All.

Hoatzin, Guyana Black Kaiman, Guyana

Der Hoatzin, Guyanas Nationalvogel
und eine Begegnung mit einem Schwarzen Kaiman

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Das angrenzende Niederländisch-Guayana wurde 1975 unter seinem neuen Namen Suriname unabhängig – ein südamerikanisches Land, in dem keine iberische Sprache sondern Niederländisch Amtssprache ist und niederländische Kolonialarchitektur dominiert, wo afrikanische und asiatische Volksgruppen Kultur, Straßenleben und Küche beeinflussen und so eine faszinierende Melange aus holländisch-afroasiatischen Zutaten entstanden ist.

Der Besitz der Engländer, British-Guiana, blieb bis 1966 Kronkolonie ihrer Majestät. Als unabhängiger Staat machte sich Guyana, wie er sich jetzt nannte, auf den steinigen Weg in eine bessere Zukunft. Experimente, Rückschläge, neue Ansätze folgten aufeinander, ohne bisher einen Königsweg aufzuzeigen. In einem Punkt aber ist man sich einig: Guyanas kulturelle Vielfalt und die intakte Natur sind die Pfunde, mit denen das Land und seine Tourismusplaner wuchern können. Karibische Reggae- und Calypsorhythmen, niederländische Ortsnamen und niederländische Deichbau- und Dränagekunst, Hindu-Tempel und Moscheen, viktorianische Kolonialarchitektur, Reisfelder und Zuckerrohrplantagen, ein buntes Völker- und Sprachengemisch prägen den schmalen, dicht besiedelten Küstensaum. Ganz anders das menschenleere Landesinnere, wo Flußläufe und Luftwege die Hauptverkehrsadern bilden, sich großflächige, nahezu unberührte Regenwälder und Savannen abwechseln und 728 Vogelarten gezählt werden. Wo eine heimische Flora gedeiht, die zu großen Teilen noch unerforscht ist und Schätzungen von etwa 1.000 Baumarten sprechen, Indiodörfer zu erkunden und dramatische Wasserfälle zu bestaunen sind.

Guyana ist kein Land der Palmentraumstrände und türkisfarbenen glasklaren Wasser. Schwemmlandzonen und Flußdeltas, Mangroven und Salzwiesen säumen den von der Fracht der großen Flüsse erdbraun gefärbten Atlantik. Deshalb haben die wenigen europäischen Reiseanbieter in der Regel auch Anschluß(bade)aufenthalte in Barbados, Tobago oder Grenada in ihr Programm aufgenommen.


Georgetown

Obwohl Südamerika zugehörig, ist Guyana durch seine Kolonialgeschichte in Kultur und Lebensart doch ein unverkennbar karibisches Land. Die britischen Overlords hier wie dort machten es möglich. Neben der englischen Sprache verbinden Guyana mit der Inselwelt der Karibik noch andere liebgewordene Gewohnheiten wie Pferderennen und Teatime, Linksverkehr und Kricket als Nationalsport. Und nirgendwo wird die karibisch-festländische Verflechtung deutlicher spürbar als in Georgetown, der „Garden City of the Caribbean“ wie die Stadt wegen ihrer breit und luftig angelegten und von weit ausladenden Kronen der Saman-Bäume beschatteten Avenuen genannt wird. An ihren Rändern thronen die Palazzi und Gotteshäuser aus viktorianischer Zeit in unbefangener Stilvielfalt von Gotik über Tudor bis Renaissance und das besondere: sie sind alle aus Holz gebaut, aus dem einheimischen Hartholz des Greenheart-Baums. Überragend im wahrsten Sine des Wortes ist die anglikanische Kathedrale St. George, mit 44 m eines der höchsten Holzgebäude der Welt, ein tropischer Gotik-Traum mit Spitzbögen, Maßwerkfenstern, Strebebögen. Nicht weniger beeindruckend die St. Andrew`s Kirk von 1818, Südamerikas älteste Presbyterianerkirche, mit einer Empore für die afrikanischen Sklaven, denen eine Mauer den Blick nach unten verwehrte, denn „es erscheint nicht angebracht, daß sie (die Sklaven) ihre slavemasters auf Knien odermit gesenkten Häuptern sehen dürfen“, wie eine zeitgenössische Chronik schrieb. Andere sehenswerte Beispiele britischer Kolonialarchitektur sind die Victoria Law Courts (1887) und die Cara Lodge (1840), Georgetowns City Hall (1889) und das Parlamentsgebäude (1834). Auf keinen Fall sollte man versäumen, am riesigen Stabroek Market an der Water Street mit seinem frechen gußeisernen Glockenturm vorbeizuschauen, wo von lebenden Hühnern bis Gold so etwa alles über den Tresen geht, was Geld bringt. Hier schlägt das Herz der Stadt und es gibt jede Menge Gelegenheiten, Guyanas Nationalgetränk, den Rum, zu probieren und vielleicht gönnt man sich sogar einen 15 Jahre alten „El Dorado“, den gerade eine hochkarätige Jury zum weltbesten Rum kürte.

Georgetown ist stolz auf seinen „seawall“, eine beliebte Promenade in der Abendfrische und sichere Barriere bei Flut, wenn große Teile der Stadt 1 – 2 m unter dem Meeresspiegel liegen. Bemühungen zur Eindeichung und Entwässerung reichen bis in das 18. Jahrhundert zurück, als sich Niederländer daran machten, durch ein Netz von Deichen, Schleusen und Kanälen die periodischen Überschwemmungen des Küstensaums einzudämmen.

Schildkröten und Goldsucher

Die in Guyana gängigen Verkehrsmittel Kleinflugzeug und Einbaum mit Außenborder kommen zum Einsatz, will man den Schildkrötenstränden und den Schürfgründen der Goldsucher einen Kurzbesuch abstatten. Shell Beach heißt ein etwa 145 km langer Streifen am Atlantik im nordwestlichen Guyana, der zu den am wenigsten entwickelten Küsten Südamerikas zählt. Er ist von dichten Mangrovenwäldern bedeckt, unterbrochen von Muschelkalkflächen, die von Schildkröten zur Eiablage angesteuert werden. Vier der weltweit sechs Arten finden sich hier ein: die Lederschildkröte, das weltgrößte Reptil mit bis zu 2,10 m Länge und rund 900 kg Gewicht, die Olive Bastardschildkröte (die kleinste), die Suppenschildkröte und die Echte Karettschildkröte. Unter der Obhut von Arawak-Indios erfahren Besucher viel Wissenswertes über diese erstaunlichen Kreaturen, ihr natürliches Umfeld, Schutzprogramme und das Leben der Indios am Rande der Zivilisation.

960 km befahrbare Flüsse weist Guyana auf und die Stars auf ihnen sind die sechssitzigen Flitzer, die man „ballahoos“ nennt und die „corials“ für drei bis vier Passagiere. Sie erreichen jeden noch so abgelegenen Ort, werden auch mal um Stromschnellen herumgetragen und durchfahren das Mangrovendickicht wie eine Tunnelstrecke. Man braucht sie, um die Gold- und Diamantenfelder in den Kiesablagerungen und Flußauen entlang der westlichen Zuflüsse des mächtigen Essequibo-Rivers zu erreichen. Hier wird industriell „geerntet“, sogar stellenweise umweltverträglich, doch in der Mehrheit der Fälle unkontrolliert. Tausende „Illegale“ aus Brasilien und anderen Nachbarländern suchen hier ihr Glück ohne Rücksicht auf die empfindliche Natur.

Zu den Wasserfällen

Fernab dieser Raubbauregion, inmitten unversehrten Regenwalds und am besten mit dem Kleinflugzeug zu erreichen, verbirgt sich Guyanas überwältigendes Naturschauspiel, der Kaieteur-Wasserfall am Potaro-River. Mit einer Fallhöhe von 228 m gilt er als welthöchster Katarakt, dessen Wassermassen (117.000 Liter pro Sekunde) in freiem Fall in die Tiefe stürzen, gut vier Mal höher als die Niagara-Fälle und in seiner Großartigkeit den Victoria- und Iguazú Fällen in nichts nachstehend. Werner Herzog drehte hier 2004 seinen preisgekrönten Film „The White Diamond“ mit einem eigens für dieses Projekt entworfenen Mini-Zeppelin, der ganz niedrig und in sanftem Flug über die stäubenden Wasser und dampfenden Regenwälder hinwegschwebte. Mit einem „fly-in / fly-out trip“ für wenige Stunden sind die meisten Besucher zufrieden, nur wenige bleiben länger und nehmen Quartier im Kaieteur Guest House, das nur wenige Betten, aber um so mehr „comfortable hammocks“ (Hängematten) anbieten kann. Wer einige Tage bleibt, wird die Zeit nutzen für eine Exkursion durch die Täler und über die Plateaus des Kaieteur National Park mit seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt.

Kaieteur-Wasserfall, Guyana

Blick auf den Kaieteur-Wassserfall

Es ist nur ein 25-Minuten-Luftsprung vom Kaieteur zu einem weiteren Highlight, den Orinduik Falls, wo die Wasser des Ireng-Flusses, der die Grenze zwischen Guyana und Brasilien darstellt, über Stufen und Terrassen aus Jaspis in eine Felsenge hinabdonnern mit überwältigenden Ausblicken auf die Pakaraima Mountains.

Das Regenwald-Projekt

Im Herzen Guyanas breiten sich die großen Regenwälder der Iwokrama und Pakaraima Mountains aus, eine der vier letzten noch weitgehend unberührten Regenwaldzonen der Erde (die drei anderen liegen im Kongo, in Papua Neu Guinea und im Amazonas-Gebiet). 360.000 ha des guyanischen Regenwalds stehen unter der Aufsicht des Iwokrama International Centre for Rainforest Conservation and Development. Arbeitsziel ist der Erhalt des Regenwalds, seine nachhaltige wirtschaftliche Nutzung und die Entwicklung des Ökotourismus. Die unglaublich tier- und pflanzenreiche Waldregion ist offen für interessierte Besucher, die mit kundigen Rangern Bootsfahrten und Wanderungen unternehmen und sich Forschungsteams anschließen oder erlebnisreiche Camps tief im Urwald beziehen können. Der Besuch des Iwokrama Canopy Walkway zählt zu den Höhepunkten einer Exkursion in diese abgelegene Gegend. Dabei handelt es sich um ein Netz von schmalen Hängebrücken und Plattformen, die sich mehr als 30 m über Grund durch den Regenwald schlängeln und einen unverstellten Blick auf die Baumwipfel, ihre Vogelwelt und Affenkolonien freigeben. Zugleich sieht man aus einer ganz ungewohnten Perspektive, was sich tief unten auf dem Boden abspielt.

Iwokrama, Guyana

Unterwegs auf dem Iwokrama Canopy Walkway

Durch die Savanne

Südlich der Iwokrama-Region geht der tropische Regenwald abrupt in die Savannenlandschaft Rupununi über. Eine Bergkette säumt das weite Grasland. Es ist die Heimat der indianischen „vacqueros“, wie man Cowboys in dieser Gegend nahe der Grenze zu Brasilien nennt. Viele sprechen Portugiesisch. Überhaupt sind die Beziehungen zum südlichen Nachbarn deutlich intensiver als zum guyanischen Speckgürtel am fernen Atlantik. Vereinzelte Palmen, mannshohe Termiten-Hügel und der unermüdliche Ameisenbär, der sich an ihnen zu schaffen macht, schmale Galerie-Wälder, eine atemberaubende Vogelwelt und grasende Viehherden prägen das Bild. Einige große Rinderfarmen, deren Begründer Schotten waren, existieren hier seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wie die große Dadawana Ranch. Auf 4.500 km² Grasland weiden ihre 7.000 Rinder, bewacht von vacqueros vom Stamm der Wapishana-Indios, die wie vor hundert Jahren barfuß mit Pferd und Lederlasso ihrer Arbeit nachgehen. Einige Farmen bieten Unterkunft der ganz einfachen Art in wettergegerbten Blockhäusern ohne Strom und Telefon, bei Gas- und Kerzenlicht, derber Kost und Nächten in der Hängematte. Ochsenkarren und Fahrräder sind geläufige Fortbewegungsmittel in der Savanne und auch ein paar der unverwüstlichen „4WD“, die sich über „poor roads“ quälen und schon mal vier Stunden für 130 km brauchen. Doch selbst die haben keine Chance mehr, wenn der Himmel zwischen Juni und August seine Schleusen öffnet, sich große Teile der Savanne in eine Seenlandschaft verwandeln und statt holpriger Jeeptouren gemächliche Bootsfahrten angesagt sind.

Eckart Fiene

Adressen, Links und Bücher



 

Reiseinfos

Landschaftsformen: Vier Naturräume bestimmen das Landschaftsbild Guyanas. Da ist zunächst das Küstentiefland am Atlantik. Es liegt zu großen Teilen bis zu 2 m unter dem Meeresspiegel. Wo keine Deiche und Entwässerungskanäle errichtet wurden (und daran versucht man sich seit dem frühen 18. Jahrhundert), kommt es saisonbedingt besonders im äußersten Norden zu Überflutungen. Die schmale Küstenzone macht nur 6 % der Gesamtfläche aus, beherbergt aber 90 % der Bevölkerung des Landes. Hier gibt es die besten Voraussetzungen für intensive Landwirtschaft und die Ansiedlung von Industrien. Die Fruchtbarkeit des nur fünf, sechs Kilometer breiten Streifens rührt von dem gehaltvollen Schlamm her, den der Amazonas weit südlich ins Meer spült, wo ihn nördlich fließende Strömungen aufnehmen und an Guyanas Küste ablagern. Südlich der Tieflandzone schließt ein mit Sandebenen und Granitfelsen durchsetztes Hügelland an, das dicht mit Harthölzern bewachsen ist. Dieser dünn besiedelte Landesteil mit einer Ausdehnung von etwa 250 km ist die Schatzkammer des Landes, lagern hier doch beträchtliche Reserven an Bauxit, Gold und Diamanten. Hochland (150 – 1.500 m) bedeckt etwa zwei Drittel der Fläche Guyanas. Es ist die Heimat dichter Regenwälder mit einer noch wenig erforschten Tier- und Pflanzenwelt. Weit im Südwesten lichtet sich der tropische Regenwald und Savanne tritt an seine Stelle. Das magere Grasland umfaßt etwa 15.000 km² (7 % der Landesfläche). Einige große Rinderfarmen bewirtschaften das Terrain.

Klima: Bis auf die südwestlichen Savannengebiete, die trockenere Wintermonate und geringere Niederschlagsmengen aufweisen, herrscht in Guyana ein tropisches Regenklima bei gleichbleibend hohen Temperaturen vor. Die Hauptregenzeit dauert von Mai bis August, eine zweite, kürzere von Dezember bis Januar. Natürlich können sich die Regenphasen auch verschieben oder weniger ausgeprägt sein als in zurückliegenden Jahren. Die Niederschlagsmengen eines Jahres liegen an der Küste zwischen 2.000 und 3.000 mm, im südwestlichen Landesinnern bei 1.500 mm. Zwischen 26 und 28 Grad bewegt sich die Durchschnittstemperatur und nicht unter 20 Grad sinken die Temperaturminima. Die Höchsttemperaturen erreichen 31 bis 34 Grad, also keine Extremwerte, doch die hohe Luftfeuchtigkeit macht manchen Reisenden schon zu schaffen.

Pflanzen- und Tierwelt: Besondern die noch weitgehend unberührten Regenwälder sind der Lebensraum auffallender Pflanzen wie der riesigen Victoria Regia aus der Familie der Seerosen, den farbenfreudigen Orchideen, den Helikonien mit ihren großen dekorativen Blütenständen, dem Greenheart, der eisenhartes Ebenholz liefert, dem himmelstürmenden Mora-Baum, der sich auf seine ausladenden Vorsprünge stützt wie ein gotisches Gemäuer auf Strebepfeiler oder den Bromelien, in deren Blüten sich der winzige Pfeilgiftfrosch „Golden Frog“ sein Leben lang verbirgt. Und in den zahllosen Gewässern lauert der Schwarze Kaiman, der bis zu vier Meter lang wird, argwöhnisch beobachtet vom weltweit größten Flußotter, der weltgrößten Süßwasserschildkröte und dem Arapaima, dem wohl größten Süßwasserfisch. Die Grüne Anakonda, eine der größten unter den Riesenschlangen, gleitet durchs Ufergebüsch und auch die größte Giftschlange der Neuen Welt, der den Klapperschlangen ähnelnde Buschmeister (bushmaster), ist unterwegs. Nachts tauchen schwergewichtige Tapire auf, belauert von Jaguar, Ozelot und Puma und wenn er nicht zu sehen ist, zu hören ist er allemal: der Rote Brüllaffe. Der Große Ameisenbär, der täglich bis zu 30.000 Ameisen und Termiten vertilgt, streift durchs Gelände. Über ihm kreist einer der größten und stärksten unter den 50 Adlerarten, der Harpy Eagle, den man im Deutschen „Harpyle“ nennt. Knallrote Scarlet Macaw-Papageien umkreisen die Wipfel und mit hochgestelltem Federschopf stellt sich Guyanas Nationalvogel, der Hoatzin, ein, während der Cock-of-the-rock in leuchtend orangefarbenem Federkleid seinen spektakulären Hochzeitstanz beginnt.

Geld/Währung : Die inflationsgeschüttelte Landeswährung heißt Guyana-Dollar (= 100 Cent). Sie kann außerhalb Guyanas nicht zurückgetauscht werden! Euro und Dollar werden in den meisten Banken und auch in manchen Hotels getauscht. Akzeptiert werden von den Banken auch Traveller Cheques. Zahlungen mit einer der gängigen Kreditkarten (American Express, Visa, Mastercard) sind in größeren Orten in vielen Fällen möglich. Geldautomaten sind (noch) nicht vorhanden.

Sicherheit: Ein heikles Thema! Guyanas Kriminalitätsrate ist seit Jahren unverändert hoch. Diebstahl und Raubüberfälle sind besonders in den Städten an der Tagesordnung. Generell sollte man abends und nachts nur mit einer Taxe unterwegs sein, Nebenstraßen meiden, keine Wertsachen und nur wenig Bargeld bei sich haben, schon gar nicht wichtige Dokumente (Flugschein, Paß etc.), keine Anhalter mitnehmen, Türen und Fenster des Autos geschlossen halten, möglichst nicht alleine unterwegs sein.

Einreisebestimmungen: Ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepaß wird für die Einreise benötigt. Der Personalausweis reicht nicht aus, Kinderausweise (immer mit Lichtbild!) werden anerkannt, ein Visum wird nicht verlangt. Bei der Ausreise wird eine Flughafensteuer kassiert. Es wird empfohlen, mindestens zwei Stunden vor Abflug einzuchecken, um sicherzugehen, dass die eigene Reservierung nicht wegen Überbuchung gestrichen wird.

Einreisen in die USA unterliegen besonderen Bestimmungen.

Medizinische Hinweise: Die medizinische Versorgung ist außerordentlich prekär! Die persönliche Reiseapotheke sollte daher für alle nur denkbaren Notfälle ausgestattet sein. Unverzichtbar ist der Abschluß einer Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rückholgarantie. Pflichtimpfungen sind zwar nicht vorgeschrieben, doch empfiehlt auch bei Kurzreisen Impfschutz gegen Hepatitis A, Tetanus und Diphtherie. Wegen des verbreiteten Malaria- und Denguefiebers sollte ein Tropenmediziner zu Rate gezogen werden. Das Leitungswasser eignet sich nicht als Trinkwasser. Vor dem Verzehr von Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten sollte man, so wird empfohlen, „auf besondere Hygienemaßnahmen achten“.


Statistik


Lage: Guyana liegt im Norden Südamerikas. Das Land hat gemeinsame Grenzen mit Venezuela (im Nordwesten), Brasilien (im Westen und Südwesten) und Suriname (im Osten). Im Norden grenzt es an den Atlantischen Ozean.

Fläche: Mit 215.000 km² ist Guyana nach Suriname und Uruguay drittkleinstes Land Südamerikas. Venezuela erhebt Ansprüche auf das gesamte Gebiet westlich des Essequibo-Rivers (etwa 60 % des guyanischen Territoriums!) und auch Suriname reklamiert einen südöstlichen Landesteil für sich. Der Spruch des Ständigen Schiedshofs in Den Haag vom September 2007 konnte einige Streitfragen mit Suriname beilegen. Danach gehört der Grenzfluß Corentyne/Corantijn zum surinamischen Staatsgebiet und damit auch die Kontrolle über den gesamten Schiffsverkehr auf dem Fluß. Außerdem regelt der Schiedsspruch den Konflikt um das rohstoffreiche Meeresgebiet vor der Küste dahingehend, daß Guyana etwa 2/3 und Suriname 1/3 des umstrittenen Sektors zugesprochen werden.

Staat: Die Kooperative Republik Guyana ist eine Präsidialdemokratie. Der Präsident ist zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Ende 2000 wurde die Machtfülle des Präsidentenamtes zu Gunsten des Parlaments beschränkt.

Hauptstadt: Georgetown mit 35.440 Einwohnern, Ballungsraum: 137.520 Einw.

(Die meisten Zahlenangaben dieses Kapitels entstammen dem Abschlußbericht des Census von 2002.)

Bevölkerung: 751.223 Einwohner = 3,5 Einw. pro km². Die Wachstumsrate ist mit 0,20 % (2000-2005) für ein Entwicklungsland relativ niedrig, die Auswanderungsrate mit etwa 12.000 Menschen jährlich sehr hoch. Mehr als 71 % der Bevölkerung leben in ländlichen Regionen, gut 28 % in Städten.

Guyanas historisch bedingte ethnische Vielfalt kann nicht immer das friedliche Miteinander der unterschiedlichen Kulturen gewährleisten. Wiederholt war sie Anlaß für sozio-ökonomische und politische Spannungen. Daher das geradezu beschwörende Motto des Staates: „One People, one Nation, one Destiny“.

Mit 43,4 % stellen Nachkommen eingewanderter Inder die größte Bevölkerungsgruppe, gefolgt von einer Gruppe mit westafrikanischem Hintergrund (Nachfahren importierter Sklaven / 30,2 %). An dritter Stelle (16,7 %) liegt die Gruppe der „mixed heritage persons“, aus Mischehen hervorgegangene Bürger des Landes, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung rasch zunimmt. Ihnen folgen mit 9,2 % die in neun Stämmen organisierten Amerindians (American Indians), also der indigene Bevölkerungsteil. Zu den kleinen Minderheiten zählen Chinesen (0,2 %), Portugiesen (0,2 %) und Weiße (0,06 %). Dazu einige Erläuterungen: Niederländische Plantagenbesitzer waren die Ersten, die afrikanische Arbeitssklaven auf den Zuckerrohrfeldern einsetzten, englische Eigner machten es ihnen nach. Der plötzliche Arbeitskräftemangel nach der endgültigen Befreiung der Sklaven (1838), zwang die Besitzer, sich nach neuen Arbeitern umzusehen, diesmal auf vertraglicher Basis. An die 30.000 Portugiesen, zumeist von der Insel Madeira, kamen so zwischen 1835 und 1880 ins Land. Auch Chinesen ließen sich anwerben: rund 14.000 machten sich zwischen 1853 und 1881 auf den Weg. Sie stellten die kleinste Immigrantengruppe, während hinduistische und muslimische Kontraktarbeiter aus Indien und dem heutigen Afghanistan das größte Kontingent ausmachten. In den Jahrzehnten zwischen 1838 und 1919 kamen etwa 238.000 in die damals britische Kolonie.

Die seinerzeit gültige Sprachregelung verweigerte den Portugiesen, da sie angeworbene Arbeiter waren, die Zugehörigkeit zur Gruppe der Weißen. Diese Unterscheidung gilt noch heute, wie die Statistik verrät. Sie spricht von „476 Weißen“ und „1.496 Portugiesen“ . . .

Religion: Guyanas Verfassung garantiert Glaubens- und Religionsfreiheit. Das bunte Nebeneinander zahlloser Glaubensrichtungen spiegelt die Vielzahl der im Lande heimisch gewordenen Volksgruppen wider. Hindus (28,8 %) führen die Liste an, gefolgt von den Anhängern der Pfingstbewegung (17 %) und einem großen Block kleinerer christlicher Kirchen und Sekten (Baptisten, Methodisten, Mennoniten, Zeugen Jehovas, Mitglieder der Herrnhuter Brudergemein(d)e, zus. 20 – 21 %). Römische Katholiken stellen 8,1 % der Gläubigen, Anglikaner 7 %, die Sieben-Tage-Adventisten 5 %. Die Muslime des Landes kommen auf 7,3 % (Guyana ist seit 1998 ständiges Mitglied der Organization of the Islamic Conference / OIC). Dazu gesellen sich noch Bahais, Rastifaris und andere.

Sprache: Englisch ist Amtssprache, „often spoken with a Caribbean Creole flavour“. Weit verbreitet unter Indo-Guyanern sind Hindi und Urdu, in einigen abgelegenen Gebieten dominieren indianische Stammessprachen.

Verkehr und Transport: Es herrscht Linksverkehr! Nur im dicht besiedelten Küstenraum existiert ein leidlich ausgebautes Straßennetz. Auch die Fernstraßenverbindung von der Hauptstadt Georgetown nach Lethem an der brasilianischen Grenze ist gut befahrbar. Das Gros der Straßen (etwa 90 %) sind aber eher Pisten, eng, kurvenreich, mal sandig, mal schlammig und immer voller Schlaglöcher. Um so bedeutender für den Personen- und Warentransport sind die großen und kleinen Flüsse und Kanäle, die das Hinterland erschließen. Wer es schneller und bequemer mag, kann sich mit kleinen Propellermaschinen zu den 22 inländischen „airstrips“ fliegen lassen.

Caribbean Airlines und North American Airlines verbinden Georgetown mit Miami und New York. Auch von London via Bridgetown/Barbados gibt es eine Linienverbindung.

Wirtschaft: Guyana zählt zu den ärmsten Staaten des amerikanischen Kontinents. Das Land ist zwar mit natürlichen Ressourcen wie Holz, Bauxit, Gold, Diamanten und Agrarprodukten (Reis, Zuckerrohr) sowie Fischereierzeugnissen reich ausgestattet, doch stehen einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung etliche Hindernisse im Weg: ein kleiner Binnenmarkt, der unzureichend ausgebaute Industriesektor, eine mangelhafte Infrastruktur, fehlende Professionalität und nicht zuletzt die Abhängigkeit von den Schwankungen der Weltmarktpreise für Rohstoffe. Noch leben 35 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Zur Entlastung der angespannten Wirtschaftslage wurden Guyana die Schulden bei IWF/Weltbank und den G 8 – Staaten erlassen. Einst weltgrößter Bauxitproduzent, mußte das Land diesen Rang an das billiger produzierende China abtreten, ein weiterer Schlag war die Erschöpfung der größten Goldmine. Rückgrat der Wirtschaft bleibt die Landwirtschaft, die einschl. Fischerei und Forstwirtschaft etwa 33 % zum BIP beiträgt. Hauptexportgüter sind Zucker, Meeresfische und Krustentiere, Reis, Holz, Bauxit, Rum, Gold (abnehmender Anteil). Die fehlende Infrastruktur ist auch ein wesentlicher Hemmschuh beim Aufbau des Tourismus. Man versucht, in erster Linie an den Regenwaldattraktionen interessierte nordamerikanische und europäische „Ökotouristen“ ins Land zu holen. 2005 folgten 116.600 und 2006 113.500 Besucher dem Ruf des Urwalds, darunter nur 7 % Europäer, aber 63 % Nordamerikaner.