
Kein Weg führt vorbei
Text und Fotos: Gundula Stoll
Sanfter Tourismus - unter dem Stichwort läuft offiziell ein Entwicklungshilfeprojekt im Ixil-Dreieck Guatemalas, dessen Bewohner besonders stark unter dem jahrelangen Bürgerkrieg im Land gelitten haben. Auf einer Wanderung durch entlegene Bergregionen dürfen Touristen erleben, was ihnen sonst oft vorenthalten wird: bittere Armut, am Krieg zerbrochene Menschen und ungemütliche Fragen nach dem Warum.

Es ist ein Bild wie das Juni-Blatt aus dem Apothekenkalender: hellgrüne Hügel vor imposanten Gipfeln, Schäfchenwolken am tiefblauen Himmel, einfache Holzhäuser vor blühenden Wiesen. Bergidylle pur - auf den ersten Blick. "Hier war die Armee stationiert", sagt José Marcos Ramirez , der Bürgermeister des 200-Seelen-Dorfes Cotzol, und bleibt an einer Stelle stehen, von der der Blick auf Gipfel und Täler des Cuchumatane-Gebirges besonders schön ist. "Denn von hier konnten die Soldaten die Gegend am besten kontrollieren." Alle Dorfbewohner, die den Todesschwadronen entkommen konnten, flohen in die Berge und lebten dort sechs Jahre im Versteck. "Wie die Tiere", erzählt er weiter. "Kein Salz, keine Seife, kein Zucker, kaum Mais. Ernährt haben wir uns von dem, was wir im Wald fanden. Erst nach Sonnenuntergang konnten wir Feuer machen, verborgen hinter hohen Brettern, damit die Soldaten den Rauch nicht sahen. Viele von uns sind damals verhungert."

Blick auf das Dorf
Chuatuj
Die beiden Touristinnen aus Deutschland schweigen betroffen, als sie den leidvollen Ausdruck im Gesicht des winzigen, offenbar früh gealterten Mannes sehen. Ursprünglich waren sie mit ihm auf den Hügel am Rande des Dorfes gestiegen, um sich den Altar für traditionelle Rituale der Ixil-Indianer anzuschauen, eine von vielen Ethnien in Guatemala, die vom Volk der Maya abstammen. Doch Ramirez möchte nicht über die Opferrituale der Maya sprechen. "Genau hier" - er deutet auf eine Stelle nicht weit vom Altar entfernt - "haben die Soldaten im Jahr 1982 acht Leute abgeschossen. Poff, bumm."
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