DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Der Nebel lichtet sich, und die Sonne kommt durch, die das Städtchen von der Wasserseite her recht hübsch erscheinen lässt. Auf einem Hügel stehen ein paar bunte Wohnblocks, die aussehen wie Lego-Häuschen, wobei man fairer Weise sagen muss, dass diese Lego-Blocks von weitem wesentlich fröhlicher aussehen als vergleichbare Wohnsiedlungen bei uns in Mitteleuropa. Wir gehen vorbei an der ältesten Werft Grönlands zunächst in die Stadt zu den historischen Speicherhäusern und zur blauen Berthel-Kirche aus dem Jahr 1775. Sie ist die älteste Holzkirche Grönlands. Das Tor aus Walkiefern ist etwas für Fotografen, ähnlich wie der gesamte unter Denkmalschutz stehende kleine alte Stadtkern, sofern man die Bauwerksansammlung so nennen will.

Nördlich des Hunde-Äquators

Mindestens genauso interessant wie die Bauwerke: die Schlittenhunde, die hier überall das Stadtbild prägen. Schlittenhunde sind in Grönland ein Kapitel für sich: Rund 30.000 leben hier. Sie sehen nicht nur aus wie Wölfe, sie stammen direkt von ihm ab.

Grönland Schlittenhundebabies
Jeder fängt mal klein an

Nur nördlich des Polarkreises, dem „Hunde-Äquator“, dürfen sie gehalten werden, und nach unseren Maßstäben fristen sie ein trauriges Dasein, denn die Grönländer haben eine sehr unsentimentale Art, mit den Hunden umzugehen. Im Sommer sind die Hunde überall angeleint. Dann bekommen sie, da sie nur wenig Bewegung haben, meist nur ein- bis zweimal pro Woche zu fressen, und müssen während der Wintermonate hart für ihr Futter arbeiten. Die Lebenserwartung der Schlittenhunde ist begrenzt: Meist werden sie nicht älter als 10 Jahre. Überall in der Stadt sitzen die Hunde angeleint auf den Hügeln, und beobachten, was an einem sonst langweilen Sommertag so passiert. Kaum, dass einer der Hunde zu heulen anfängt, beginnt die ganze Meute zu jaulen. Das Geheul dringt durch die ganze Stadt, ja selbst außerhalb des Ortskerns auf den umliegenden Hügeln macht ein unglaubliches Gejaule die Runde.

Grönland Haus
Er darf nur gucken - nicht fressen

Die Sonne hat den Nebel vertrieben, als wir weiter durch die Stadt gehen. Vor der Kulisse der Lego-Häuser befindet sich ein Farbtupfer, der von einem weißen Zaun umgeben ist. Beim Näherkommen wird uns klar, dass es sich hier um den Friedhof handelt, auf dessen Gräbern ein Meer von Plastikblumen „wächst“. Klar, diese Dauerdekoration hält wenigstens. Das, was man zu grönländischen Friedhöfen wissen muss, klingt zunächst etwas makaber: Im Herbst gehen die Bestatter in die Altenheime und erkundigen sich, wer denn wohl den Winter überlebt. Für die, die es wohl nicht schaffen, werden vorsorglich schon Gräber ausgehoben – ansonsten müsste man die Gräber im Winter bei Temperaturen bis minus 35 Grad in den hart gefrorenen Boden sprengen.



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