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„Mama, ein echter Wal!“

Nachts wird leise das Programm für den kommenden Tag unter der Kabinentür durchgeschoben. Ein Seetag. Die Vorträge zur Glazialgeschichte Grönlands interessieren Lara nur mäßig. Nach den ersten Eisbergdias – „die kenn ich schon aus dem Buch“ – will sie baden. Erst leise, dann immer lauter, verleiht sie ihrer Forderung Nachdruck. „Mama, jetzt sofort. Oder ich bin nicht mehr Deine Freundin!“ Ihren Bordausweis um den Hals, marschiert sie los, wirft Kleidung, Keycard und Handtuch auf die Holzplanken und springt juchzend in den 37 Grad warmen Whirlpool.

Dänemark Grönland Blick auf die Eisschollen
"Mama, Eisschollen!"

Dicke graue Wolken ballen sich am Himmel, leichter Niesel regnet herab, und stetig pflügt MS Fram mit zwölf Knoten ihren Weg durch die gefürchtete Dänemarkstraße, die sich meist stürmisch, heute jedoch mit mäßiger Dünung präsentiert. In der Hand hält Lara eine Puppe. „Mami, guck mal, Barbie ist jetzt Arielle!“ Immer wieder tauchen die beiden Badenixen zu den Blubberblasen am Boden. Kaum abgetrocknet, sind Lara und die Puppe fort. Spurlos verschwunden. Weder auf Deck 4, wo im Bordbistro heiße Schokolade in Thermobecher abgefüllt werden kann, noch auf Deck 7, wo mit starken Fernrohren die Welt des Eismeers nah heran gezoomt werden kann, ist die Lütte zu finden. In der Kabine – Fehlanzeige. Im Fitnessraum – auch nicht. Auf der Brücke und unteren Decks: auch kein Kind.

Dänemark Grönland Fernsicht
Was gibt es jetzt zu sehen?

Plötzlich, ganz leise, von oben. „Mama“, ich bin ich“. Mit Fernglas bepackt, steht sie auf einem Liegestuhl, hängt halb über der Reling und blickt fasziniert auf eine Eisscholle. Dahinter ragt ein schwarzes Dreieck aus den Fluten: „Mama, ein echter Wal! Und Robben haben wir auch schon gesehen!“



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