Senkrecht steigen die Felswände hundert Meter hoch direkt vom Sand auf, da und dort wachsen besonders zähe Bäume waagerecht daraus hervor. Große Gesteinsbrocken liegen verstreut bis hinein ins Meer, das glasklar und mit hellstem Grünblau lockt. Unzählige Serpentinen, Haarnadelkurven, Schotterwege, die uns durchschütteln, denn es locken noch unentdeckte, oft unberührte Buchten. Mit einem Moped ist das Hinkommen kein Problem, doch manchmal muss man das letzte Stück zu Fuß hinunter, über enge, staubige Pfade und schwindelerregende Holzkonstruktionen.

Kann
ein Strand noch schöner sein? © Weiss
296 Stufen führen zum Egremnoi Beach, der diejenigen, die sich herab – und vor allem wieder hinaufmühen, mit der Einsamkeit eines mehrere hundert Meter langen, breiten Sandstreifens belohnt. Das Meer ist hier voller Kraft, hohe Wellen branden ans Ufer, wecken die Lust einzutauchen, sich schlucken zu lassen von Poseidon, bis man wieder, erschöpft und glücklich, an Land gespuckt wird.
Das griechische Lebenselixir: Oliven
Es ist später Nachmittag, die Menschen haben ihr Tagwerk vollbracht und kommen von den Feldern heim. Eine in Schwarz vermummte alte Witwe auf einem Esel, der freundlich grüßende Bauer, die Harke über die Schulter gelegt. Ein bärtiger Schäfer treibt seine Ziegenherde an uns vorbei. Der Weg zurück nach Vasiliki führt in die idyllische Abgeschiedenheit der Bergdörfer, in denen die Tradition noch lebt. Wunderschöne, alte Steinhäuser, eingewachsene Trockenmauern, das obligatorische „Kafeinion“ auf der Plaza, in dem über Gott und die Welt diskutiert wird. Manche Orte scheinen dennoch einsam und verlassen, die Jugend zieht es fort, zurück bleiben die Alten, deren Herz hier verwurzelt ist, wie der Wein, den sie anbauen.

Blick auf Vasiliki © Weiss
Immer tiefer führt der Weg bergab in die Welt der knorrigen, alten Schönheiten, aus deren Früchten das griechische Lebenselixier gewonnen wird: Oliven. Einem Dom gleich, überspannen die Äste der oft uralten Bäume den Weg; dunkle Netze wie Schleier dazwischen gehängt, um die Ernte aufzufangen. Eine letzte Rast, mit einem Stück Feta, Brot und Tomaten. Mit dem Rücken an den Stamm gelehnt, letzte Sonnenstrahlen genießend, ein königliches Mahl. Wir sind glücklich, wieder einmal zurückgekehrt zu sein in dieses Land, um unter einem Olivenbaum zu sitzen und den Zikaden zuzuhören.
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