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Die "grüne" Insel Korfu

 

Neben dem Listón führt die Fortsetzung der Odós Dousmáni, die die Esplanade auf Höhe der Festung quer teilt, die E. Voulgareos in das Gassengewirr der Innenstadt. Sie bildet die zentrale Achse und Haupteinkaufsstraße durch den Stadtkern, zunächst als Fußgängerzone, dann als Straße G. Theodoki vorbei am Stadttheater und am Platz San Rocco mit dem Bahnhof der Stadtbusse. Sehenswert ist an der Platia Theodoki neben der ursprünglich im 17. Jh. zu venezanischer Zeit errichtete und nach dem II. Weltkrieg wieder aufgebaute katholische Kathedrale St. Jakobus und Christopherus (San Giacomo), das heutige Rathaus (Dimarchion). Der schmucke Bau im venezianischen Stil wurde zwischen 1663 und 1691 erbaut und fungierte zunächst als Adelscasino, wurde nach einem Umbau 1720 als Theater genutzt und erst 1903 zum Rathaus ausgebaut.

Griechenland - Korfu - altes venizianisches Rathaus in Kerkyra

Dimarchion

Die mit Palmen, kurzen Hecken und vielfarbigen Bugainvillea bepflanzte Platia haben Cafés und Restaurants mit ihren Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen in Beschlag genommen. Ohnehin herrscht an kulinarische Angeboten für jeden Gaumen in Kerkyra wahrlich kein Mangel, in ruhiger , eher versteckter Lage, wie auch mitten im Getümmel. Einen schönen Blick über den Platz mit seiner zur warmen Jahreszeit üppigen Blütenpracht hat man vom etwas höher gelegenen ehemaligen Bischofssitz, in dessen Räumen heute die Bank of Greece eine Filiale betreibt.

Griechenland - Korfu - Platia vor dem Rathaus in Kerkyra

Platia vor dem Rathaus

Nicht weit entfernt vom Rathaus erhebt sich in einer Parallelgasse weithin sichtbar der Glockenturm der 1590 geweihten Kirche des heiligen Spiridon, Agios Spiridon, des Schutzheiligen der Insel. Die barocken Malereien an Decke und Wänden im Innenraum brachen damals erstmals mit der alten byzantinischen Tradition, was aus heutiger Sicht bei ihrem Anblick eher wenig revolutionär erscheinen mag, denn wohl die wenigsten Kirchenbesucher sehen einen Unterschied. Der nicht allzu große sakrale Bau ist Ziel vieler Gläubiger, denn in einem Raum rechts neben der 1664 gefertigten marmornen Ikonostase befinden sich in einem kunstvoll mit Silber beschlagenen Sarkophag aus Ebenholz die sterblichen Überreste des um das Jahr 350 gestorbenen Heiligen. Ja, so sie es denn sind, denn sie kamen drei Jahrhunderte später auf verschlungenen Wegen auf die Insel. Also Glaube oder Wahrheit? Nun, alleine die Arbeit des italienischen Silberschmieds ist schon wirklich einen Blick wert. Fotografieren im Innenraum ist, wie so oft, verboten, aber für stilechte Erinnerungen sorgt der örtliche Handel gleich neben der Kirche mit Ikonen und mehr. Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt.

Griechenland - Korfu - Kirche Agios Spiridon in Kerkyra

Nicht zu übersehen: der Glockenturm von Agios Spiridon

Gleich viermal im Jahr, jeweils an Palmsonntag, Karsamstag, dem 11. August und am ersten Sonntag des November, werden die Gebeine von St. Spiridon - von Einheimischen auch salopp „Spiro“ genannt - in einer großen Prozession durch die Stadt getragen. Die Tage sind natürlich nicht zufällig gewählt, so wird am 11. August etwa der endgültigen Befreiung von den Osmanen an jenem Tag im Jahr 1716 gedacht und eben gedankt.

Griechenland - Korfu - Ikonen im Angebot

Ikonen im Angebot

Neben der Agios Spiridon gibt es viele Kirchen in Kerkyra, manche halb verfallen oder entwidmet wie die schifflose Basilika aus dem 15. Jh., in der seit 1984 das Byzantinische Museum untergebracht ist, das dort Werke aus der Zeit vom 15. bis 19. Jh. zeigt. Die sakralen Arbeiten stammen von hiesigen wie von auswärtigen Künstlern, die zunächst nach der kretischen Schule arbeiteten und nach der Besetzung Kretas durch die Osmanen im 17. Jh. mit der Malschule der Ionischen Inseln eine neue Kunstrichtung entwickelten, die weniger byzantinisch, sondern eher westlich geprägt war.

Griechenland - Korfu - kleine Kirche an der Esplanade in Kerkyra

Kleine Kirche an der Esplanade

Die älteste Kirche der Stadt ist die zu byzantinischer Zeit etwa um 1000 errichtete Kirche des Jason und Sosipatres die etwas außerhalb des Innenstadtkerns in Richtung der Halbinsel Analipsis liegt, wo sich in der Antike mit Paleopolis die erste Stadt Korfus befand. Zentraler liegt dagegen die Mitropolis genannte Panagia Spiliotissa am Hafen in Nachbarschaft der Neuen Festung. In der orthodoxen Kathedrale, 1577 erbaut, hat in einem Sarkophag die byzantinische Kaiserin Theodora II. ihre letzte Ruhe gefunden. Die Ehefrau des Kaisers Theophilos und nach dessen Tod im Jahr 843 für 13 Jahre Regentin gilt in der orthodoxen Kirche als Heilige, denn mit ihrer Amtsübernahmen führte sie die Bilderverehrung wieder ein und verbot die Zerstörung von Ikonen. Diese Entscheidung beeinflusst das Erscheinungsbild orthodoxer Kirchen bis heute.

Griechenland - Korfu - Blick in die Mitropolis genannte Panagia Spiliotissa

Blick in die Panagia Spiliotissa

Einer lokalen Persönlichkeit erweisen die Korfioten eine Straßenbiegung weiter die Ehre. Der Adelige und Dichter Dionysos Solomos wurde 1798 zwar auf der Nachbarinsel Zakynthos geboren, starb aber 59 Jahre später auf Korfu und liegt nun im Solomos Museum begraben. Bekanntheit auf breiter Ebene erlangte er erst posthum im Jahre 1865, als sein 1823 verfasstes Gedicht „Ymnos is tin Eleftherian“ (Hymne an die Freiheit) mit der Musik des aus Korfu stammenden Komponisten Nikolaos Mantzaros zur Nationalhymne Griechenlands und ein Jahr später auch der Republik Zypern wurde.

Griechenland - Korfu - Denkmal für den Studenten Costas Georgakis, der sich 1970 in Genua aus Protest gegen die Militärdiktatur in Griechenland für Freiheit und Demokratie selbst verbrannte - Kerkyra

Denkmal für den Studenten Costas Georgakis, der sich 1970 in Genua aus Protest gegen die Militärdiktatur in Griechenland für Freiheit und Demokratie selbst verbrannte

Bei einer Stadtbesichtigung kann man sich treiben lassen oder mit einem Stadtplan in der Hand die Sehenswürdigkeiten „abhaken“, je nach eigenem Gusto. Man kann stundenlang in den herausgeputzten Hauptgassen Kerkyras an den Auslagen in den Schaufenstern und an den Warenständern mit Angeboten von exklusiv und teuer bis preiswert, von außergewöhnlich und schick bis Tand vorbeischlendern oder sich von vorne bis hinten durch das kulinarische Angebot futtern. Und man kann auch mehr „Sehenswürdigkeiten“ im direkten Innenstadtkern als die erwähnten finden, wenn man das möchte.

Griechenland - Korfu - Geschäft in der Innenstadt von Korfu

Geschäft

Es gibt aber jenseits dessen etwas anderes zu entdecken, etwa auf dem von den Venezianern Kambielo genannten Hügel rund um die Mitropolis. In diesem Labyrinth aus Gassen, die teilweise gerade breit genug für Eselskarren oder Fußgänger sind, zeigt sich die Inselhauptstadt von ihrer ursprünglichen Seite und es scheint als wehe ein Hauch des alten Venedig durch das Stadtviertel mit seinen vielen Treppen. Kaum hat man die touristischen Haupttrails verlassen und ist hier eingetaucht, umfängt einen Ruhe und das Leben nimmt ein deutlich gemächlicheres Tempo an. Schnell sind hier nur die wenigen Menschen auf ihren Motorrollern auf dem alten Steinpflaster unterwegs.

Griechenland - Korfu - Häusern in Kambielo

Jenseits der herausgeputzten Gassen

An vielen Fassaden der meist mehrstöckigen Häuser blättert die Farbe ab und der Putz bröselt, manch Fensterladen hängt etwas windschief in den Angeln, die Stromversorgung wird etwas unkonventionell gehandhabt und auf den von Haus zu Haus gespannten Wäscheleinen trocknen die Bewohner ihre Wäsche. Die Fenster der fast ebenerdigen unteren Hausgeschosse liegen oft auf Kopfhöhe, so dass man im Vorübergehen in die Wohnungen blicken könnte. Und zu bestimmten Zeiten türmen sich an Sammelstellen die Müllsäcke zur Abholung und stinken in der Hitze vor sich hin. Hier wird gelebt.

Einer der schönsten Plätze des Viertels ist die Platia Kremasti mit dem von einem wohlhabenden Gönner gestiftete Kremasti-Brunnen aus dem Jahr 1699. Eines der umstehenden Gebäude ist die gleichnamige Kirche aus dem 16. Jh..

Griechenland - Korfu - Platia Kremasti in Kerkyra

Platia Kremasti mit Brunnen

Nicht nur dieses Viertel, sondern die gesamte Altstadt von Korfu-Stadt steht seit 2007 als Welterbe auf der Liste der UNESCO. Und es ist nicht nur dieser seit Mitte des 19. Jahrhunderts nahezu unveränderte überwiegend klassizistische Baubestand, der die Inselhauptstadt und weitergehend Korfu selbst anders als viele andere Teile Griechenlands macht. Am offensichtlichsten wird das bei einem Blick von einer der beiden Festungen über die Stadt, denn die auf vielen griechischen Mittelmeerinseln oft als landestypisch angesehene Farbkombination weiß-blau sucht man hier vergebens. Stattdessen sind die meisten Häuser in Gelb- und hellen Brauntönen gestrichen. Deutlich wird in der Architektur wie der Kultur der westliche Einfluss, statt des östlichen durch die Zeit der osmanischen Herrschaft in weiten Teilen von Hellas, fehlende Moscheen sind dabei nur ein Ausdruck.

Griechenland - Korfu - Blick von der Neuen Festung über die Altstadt von Kerkyra, im Hintergrund erhebt sich die Alte Festung und in der Ferne sieht man das Festland

Blick von der Neuen Festung über die Altstadt von Kerkyra, im Hintergrund erhebt sich die Alte Festung und in der Ferne sieht man das Festland

 

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