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Koulouri-Genuss am Fuße der Akropolis

Auf Entdeckungstour in Athen

Text und Fotos: Karsten-Thilo Raab

Gelbe Taxen und gelbe Elektrobusse schwimmen mit in der nicht enden wollenden Verkehrswelle. Ab und an gelingt ihnen ein Raumgewinn auf der Sonderspur, die aber auch immer wieder Nichtberechtigte für sich in Anspruch nehmen. Obschon ganzjährig an geraden Tagen nur Fahrzeuge mit gerader Endziffer im Nummernschild sowie an ungeraden Tagen die mit ungeraden Endziffern in die Athener Innenstadt einfahren dürfen, geht auf den Straßen der griechischen Hauptstadt mal wieder wenig. Um den chronischen Verkehrsinfarkt zu umgehen, haben viele auf zwei Räder umgesattelt. Ohne Helm und ohne Rücksicht brettern sie im Slalomkurs durch die langsam voran kommenden Autos hindurch.

Griechenland - Athen - Evzones

„Natürlich herrscht eigentlich Helmpflicht, aber niemand hält sich daran. Es ist einfach zu warm“, zeigt Alexandra Leontaritou ein wenig Verständnis für ihre Landsleute. Und so bringt es die Griechin mit der anhaltenden guten Laune schlicht auf den Punkt: „Wir haben einfach zu wenig Straßen für zu viele Autos.“

Zwar hat sich die Lage seit dem Bau der U-Bahn im Vorfeld der Olympischen Spiele im Jahre 2004 etwas entspannt, doch nur selten gibt es ein ungebremstes Fortkommen im Schatten der Akropolis. Offiziell sind gut 3,5 Millionen Menschen in der von den weithin sichtbaren Bergen Egaleo, Parnes, Pentelikon und Hymettus umrahmten Hauptstadt Griechenlands zuhause. Hinzu kommen laut Schätzungen rund eine weitere Millionen Menschen, die nicht behördlich erfasst sind, sowie täglich einige Tausend Touristen.

Griechenland - Athen - Akropilis

„Athen war und ist die wichtigstes Lebensader unseres Landes“, erträgt nicht nur Alexandra Leontaritou das gebremste Tempo auf den Straßen mit Geduld. Schließlich sei Athen nicht nur für sie der schönste Platz der Welt. Als eine der ältesten Städte Europas, erstmals erwähnt um 4.500 vor Christus, galt die Millionenmetropole vor allem um 500 nach Christus als das Zentrum von Kunst und Philosophie mit Gelehrten und Dramatikern wie Sokrates, Perikles oder Sophokles. Auch heute begegnet man den Zeugen der langen, vielfältigen Geschichte Athens an fast jeder Straßenecke.

Auf einem Felssporn über der Stadt thront die Akropolis. Auch hier herrscht nicht selten eine Art Stau, ob der Besuchermassen, die Athens berühmteste Sehenswürdigkeit zeitgleich erstürmen wollen. Um dem größten Andrang zu umgehen, empfiehlt es sich, den „heiligen Felsen“ mit dem stolzen Pantheon, den Propyläen, dem Tempel der Göttin Athena Nike und dem Erechtheion frühmorgens oder in den Abendstunden zu besichtigen. Andererseits verleihen die Menschenmassen, die sich den Berg der Stadtfestung hinaufschieben, auch ein wenig Trittsicherheit. Denn auf den im Laufe der Jahrtausende ausgewaschenen Gehplatten herrscht selbst bei trockener Witterung akute Rutschgefahr – vor allem für Träger von Sandalen und Stöckelschuhen.

Griechenland - Athen - Akropolis

Auf dem heiligen Felsen lässt sich dann nicht nur in ein faszinierendes Stück griechischer Geschichte eintauchen, sondern auch ein perfekter Rundumblick auf Athen genießen. Ähnlich gute Aussichten versprechen ansonsten nur das Erklimmen des Stadtbergs Lycabettus oder des Philopapposhügel, der höchsten Erhebung im südlichen Teil Athens.

„Die Akropolis ist irgendwie wie der Kölner Dom“, flachst Alexandra Leontaritou angesichts der Tatsache, dass irgendwelche Teile des Wahrzeichens immer eingerüstet sind, um wichtige Instandsetzungsarbeiten durchzuführen.

Robuster scheint da das Theater des Herodes Atticus (auch Herodeion genannt) am Südhang der Akropolis zu sein. Die 161 vor Christus errichtete Freiluftbühne ist bestens erhalten und wird noch heute vor bis zu 5.000 Zuschauern im Rahmen von Konzerten und Theaterstücken bespielt. Von hier zieht sich eine Prachtstraße, die Dionysiou Aeropagitou, hinunter Richtung Plaka. Prachtbauten aus der vorherigen Jahrhundertwende und das moderne Akropolis-Museum, in dem die archäologischen Schätze der Stadt untergebracht sind, schmiegen sich an den Rand der von üppigem Grün gesäumten Straße.

Griechenland - Athen - Brettos

Vorbei an Portraitmalern, Straßenmusikern und Nussverkäufern führt der Weg in die Plaká, die historische Altstadt. Buntes Treiben herrscht hier vor allem auf der Ermoú-Straße, benannt nach Hermes dem Schutzgott der Kunsthändler und Reisenden. In der größten Einkaufsstraße der Altstadt ist es Zeit für eine traditionelle Stärkung mit einem Koulouri. Die wohl schmeckenden Ringe aus Hefeteig und Sesam gehören zu Athen wie die Plaká und die Akropolis. Gleichzeitig bilden die Koulouris eine gute Grundlage, um bei Brettos, der ältesten Schnapsbrennerei Athens, einen von 150 griechischen Wein, 40 Likören oder zahllosen Cocktails zu testen.

Allein das 200 Jahre alte Ladenlokal an der Kydathinaion Straße, einer weiteren pulsierenden Lebensader der Plaká zwischen dem Syntagma und dem Monastiraki Platz, ist eine Augenweide. An zwei Seiten sorgen Regale mit Hunderten von Flaschen mit bunten Likören für einen prächtigen Blickfang. Doch die Brettos-Drinks sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch überaus wohlschmeckend.

Doch Vorsicht! Nach zwei, drei Spartan (Ouzo mit Kaffee, Likör und Tequilla) oder Apollo (Whisky, Kirschlikör und Cranberry-Saft) erlebt so mancher sein blaues Wunder. Was schade wäre, denn Athens Innenstadt hat noch weit mehr zu bieten.

Etwa den Tempel des Olympischen Zeus. Das so genannte Olympieion, dessen Bauzeit rund 700 Jahre betrug, gilt als größter Tempel des antiken Griechenlands. Von den ursprünglich 104 Säulen mit einer Höhe von 17 Metern sind noch genau 17 erhalten.

Ein Muss ist zudem der Besuch des aus weißem Marmor errichteten Panathenischen Stadions in unmittelbarer Nachbarschaft zum Nationalgarten und einen Steinwurf vom Parlament entfernt. Die beeindruckende Arena geht auf die Römer zurück und wurde 1870 ausgegraben und renoviert. 1896 fanden hier die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit statt.

Griechenland - Athen - Electra Hotel

„Ein perfekter Abschluss des Tages ist ein Abendessen auf der Dachterrasse des Electra Hotels“, schwärmt Alexandra Leontaritou vom Essgenuss mit Blick auf die illuminierte Akropolis. „Und wer dann noch Zappel in den Beinen hat, sollte sich nach Gazi, unserem hippen Partyviertel, aufmachen“, fügt die zweifache Mutter hinzu. Wohl wissend, dass hier ab 22 Uhr die Nacht zum Tag gemacht wird.

Gazi ist nicht nur für seine junge Künstlerszene bekannt, sondern auch für seine modernen Restaurants, Bars und Clubs. Denn nicht von ungefähr gilt das Trendviertel an der U-Bahnstation Kerameikos (Blaue Linie) als der Spot schlechthin für Barhopping. Ein idealer Ort, um mit einem Glas Ouzo oder griechischem Wein den Tag ausklingen zu lassen. In diesem Sinne: Jamas (Prost)!

 

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