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Lärmendes Spektakel vor der Sommersaison

Das Frühjahr ist auch die Zeit, in der die rund sechstausend Bewohner von Saint-Tropez noch einmal letzte Kraft sammeln für den sommerlichen Ansturm der Millionen. Gleich zweimal, Mitte Mai und Mitte Juni, feiern sie die "Bravades", scheinbar demonstrative Versuche, die bevorstehende Invasion der Massen doch noch aufzuhalten. Die Tropezianer kleiden sich dann in selbst geschneiderte Uniformen, bewaffnen sich mit uralten Musketen und feuern nach einem festgelegten Ritual Tag und Nacht Gewehrsalven in die Luft, bis der Pulverdampf die engen Gassen vollständig einnebelt.

Tatsächlich hat das lärmende Spektakel natürlich nichts mit der Abwehr von Touristen zu tun, sondern mit zwei weit zurückliegenden Ereignissen in der Geschichte der Stadt: 1637 wehrten die Franzosen in Saint-Tropez den Überfall einer spanischen Flotte ab, eine Heldentat, die nun alljährlich im Juni nachgespielt wird. Und weil das Knallen und Krachen der Musketen so effektvoll und beliebt war, hat man im Laufe der Zeit auch das eigentlich viel ältere religiöse Fest vom 16. bis 18. Mai ins Militärische gewendet. Ursprünglich ging es dabei um die Ehrung des Lokal-Heiligen Torpes, eines römischen Offiziers, der sich zum Christentum bekannte und deshalb auf Befehl von Kaiser Nero enthauptet wurde. Seinen Rumpf übergab man in einem Boot dem Meer, nach römischer Sitte zusammen mit einem Hund und einem Hahn. Doch anstatt über den Körper des Märtyrers herzufallen, segelten die Tiere an der Küste der Riviera entlang und landeten an einem Ort, an dem der Heilige begraben werden konnte, und der deshalb heute Saint-Tropez heißt. Soweit jedenfalls die Legende.

Wenn der letzte Schuss der "Bravades" abgefeuert ist und der Pulverdampf sich verzogen hat, dann können die Sommerurlauber kommen, die zum Füllen der Kassen wieder sehnsüchtig erwartet werden. Denn von der neuen Klientel allein, den Besuchern, die sich für Malerei interessieren oder die Überreste von Landschaft an der Côte d´Azur erwandern, mag auch in Saint-Tropez niemand auf Dauer existieren.



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