Weinbau gegen die Spekulation
Stille Weingüter im Trubel der Côte d´Azur
Text und Fotos: Volker Mehnert

Saint-Tropez ist nicht gerade ein unentdecktes Fleckchen Erde. Der exklusiven Extravaganz der fünfziger Jahre sind längst die Ausuferungen des Massentourismus gefolgt. Und doch bietet sich das überlaufene Hafenstädtchen als Ausgangspunkt für eine kurze Weinreise an, auf der neben ungewöhnlichen Weinen auch ein beschaulicher Abschnitt der Côte d´Azur zu entdecken ist. Dort kann das Auge erleichtert feststellen, dass die Halbinsel von Saint-Tropez noch zu den wenigen grünen Küstenstreifen an der weitgehend zubetonierten französischen Riviera gehört.
Zu verdanken ist dies in erster Linie den Winzern, die es geschafft haben, ihre Weinberge gegen die Spekulation mit Baugrundstücken zu verteidigen. Die alteingesessenen Familien auf den Châteaux verzichteten auf das schnelle Geld und konnten dadurch nicht nur weite Teile der Landschaft erhalten, sondern bewahrten sich selbst auch die Möglichkeit, weiterhin ihre traditionsreichen Rosé- und Rotweine zu keltern.

Der Hafen von Saint-Tropez: Zentrum des Trubels
Durch das Engagement der Winzer und anderer Grundbesitzer konnten auch zahlreiche Wälder der Spekulation entzogen werden, so dass inzwischen nur noch zehn Prozent des gesamten Grund und Bodens auf der Halbinsel zur möglichen Bebauung zur Verfügung stehen. Der Rest ist dauerhaft geschützt - "ad vitam eternam" wie die offizielle, aber möglicherweise doch etwas zu endgültige Lesart lautet. Zur Zeit jedenfalls garantieren die örtlichen Vorschriften den Bestand von Weinbergen und Pinienwäldern, von Pferdekoppeln, Schaf- und Ziegenweiden - und manchmal sogar von ungenutzter, verwilderter Fläche. Welch ein überraschender Luxus an der zugebauten Côte d´Azur!

Wilde Küste auf der Halbinsel Saint-Tropez
Und obwohl es eigentlich nahe liegt, ist bislang niemand auf die Idee gekommen, die Route über die Halbinsel von Saint-Tropez zur offiziellen Weinstraße zu erklären und touristisch zu vermarkten. Kein Wunder, dass sich zwischen September und Mai kaum jemand auf den Weingütern einfindet, so dass Besucher in aller Ruhe die besten Tropfen des Hauses verkosten können. Sie gehören zur Appellation Côtes de Provence, doch verfügen sie über einen eigenen Charakter, da sie im Unterschied zu den meisten anderen Weinen dieser Herkunftsbezeichnung entscheidend von den kühlenden Einflüssen des Meeres geprägt sind.