Der Duft des schwarzen Goldes
Auf Trüffelsuche in der Provence
Text und Fotos: Robert B. Fishman
Die Provence im November: Menschen, Hunde und Schweine durchwühlen den steinigen Boden, als gelte es, einen geheimnisvollen, kostbaren Schatz der Vorfahren zu bergen. Der Duft weist den Weg: ein schwerer, erdiger, leicht nussiger Geruch, den man nie wieder vergisst. Denn dieser Duft gräbt sich tief in den archaischsten Teil des Unterbewusstseins ein, ungefähr dort, wo der Jagdtrieb und die anderen Instinkte unserer frühzeitlichen Existenz sitzen.
1915 lieferten Frankreichs Bäume und Böden rund tausend Tonnen Trüffel. 2001 waren es nur noch 20 Tonnen, im trockenen Sommer 2003 sogar noch weniger. „Es ist nichts da“, klagen deshalb die dick eingemummelten Gestalten, die an den Mauern um den Marktplatz von Aups Schutz suchen. Schutz vor dem eisigen Wind, der die Kälte aus den tief verschneiten Bergen in die grünen Täler des Var bläst. „Die Trockenheit ist schuld, diese verdammte Dürre.“ Natürlich regnet es hier im Sommer wenig, aber vierzig Grad jeden Tag und keinen Tropfen Regen, monatelang, daran können sich sogar die ganz Alten im Dorf nicht erinnern.

Wen die Trüffel-Leidenschaft packt ...
„Vielleicht hat Louis welche“, flüstert der eine, vielleicht Jean, hofft ein anderer. Vergeblich. Nur Madame und Monsieur B. haben ein paar Knollen mitgebracht, die sie in eine Plastiktüte gewickelt vorsichtig auf den Campingtisch vor dem Gemeindehaus legen. Daneben steht eine grammgenaue Waage. Sofort verschluckt eine Menschentraube Madame B. und ihren kleinen Verkaufsstand. Die Kunden nehmen andächtig eine Knolle aus der Tüte, beschnüffeln sie von allen Seiten, schnuppern, halten inne, überlegen, drücken die Knolle vorsichtig. Wortlos.

Der Preis steht fest: 950 Euro für ein Kilo. Bezahlt wird bar. Hastig wechseln die Scheine den Besitzer. Schließlich läuft hier alles an der Steuer vorbei. Die Finanzbeamten in der fernen Bezirksstadt wissen das. Normalerweise lassen sie sich hier oben nicht blicken, normalerweise. Misstrauische Blicke der eingeschworenen Gemeinschaft mustern die wenigen Fremden, die sich in der eisigen Morgendämmerung auf den Marktplatz wagen.