„La vie en rose“
Zurück an der Küste, wo die sich wiegenden Palmen ein deutliches Indiz für das milde Mikroklima mit frischem Wind sind. Auf die Dauer mache der Mistral ein wenig verrückt, hat angeblich der provenzalische Dichter einmal behauptet, der den eisigen Wind zum Namensvettern hat. Für etwas verrückt halten manche auch Volker Paul Weindel, weil er auf seiner Domaine La Tour des Videaux bei Pierrefeu du Var biodynamische Weine produziert. „Ein Fundamentalist bin ich nicht“, lacht der Deutsche, der 1996 sofort zugriff, als er das Weingut mit Südhanglage im Maurengebirge fand. Seine Weine geben ihm Recht.

Auf einen Blick: die Köstlichkeiten der Provence
Der Wein hat Appetit gemacht. Wir fahren nach La Cadière d’Azur auf einem Hügel oberhalb der Küstenorte Le Ciotat, Saint Cyr und Bandol, wo wir uns bei Euro-Toques-Küchenchef Réné Bérard zum Kochkurs angemeldet haben. Réné ist mit Leib und Seele Provenzale und führt seinen Gästen die Fülle mediterraner Genüsse vor. Die typischen Provenzalen, wie „Tapenade“ aus schwarzen Oliven, Kapern und Anchovis und „Anchoiade“ aus Anchovis und Knoblauch, stehen zu oberst auf dem Lehrplan.

Jetzt kann der Kochkurs beginnen
Vor dem Maître Cuisinier türmen sich frische Artischocken, pralle Tomaten und Zucchinis, die uns auf dem Markt von Nizza schon den Mund wässrig gemacht hatten. Daneben Gewürze aus dem eigenen Garten, Minze, Salbei, Thymian und Rosmarin. „Nur wenig nehmen und nie als Gewürzmischung“, mahnt Réne. Wenn es um Aromen geht, versteht er keinen Spaß. Unter seiner Anleitung wird geschnitten, gehackt, gerührt, geschmeckt, und es entstehen Ratatouille und ein „Magret de Canard aux épices“, zartes Entenfilet mit Kräutern. Übrigens mache nur schlechte Küche dick, beruhigt der Schlankgebliebene, während wir unsere Kochwerke verschlingen. Dazu reicht Réné einen würzigen Côtes de Provence in einem schönen Lachston, und uns fällt das Lied von Edith Piaf ein: „La vie en rose“.
Website der Autorin: http://www.beate-schuemann.de