Ein Sumpf ohne Stechmücken
Am Ufer drängen sich weißfellige Rinder. Eine Abzäunung benötigen sie nicht, ist die nächste „conche“ doch nicht weit. In der Stille der nahrungsreichen Wiesen haben auch Wildenten und Fischotter, Biber und Frösche, Falken und Zugvögel ihr Refugium gefunden. „Und Stechmücken?" Jacques schüttelt den Kopf. „Nein, glücklicherweise nicht. Ihre auf den Wasserlinsen abgelegten Larven werden sofort von Libellen und Fischen gefressen."

Der Marais als Rinderweide
Das 'Grüne Venedig' ist eine geheimnisvolle Welt, ein Ort der stillen Genießer wie der Gourmets. So tummeln sich im Süßwasser Zander, Hechte, Krebse und vor allem der Aal als wahrer König des Marais, die zusammen mit Schnecken in Butter, Lamm oder Krautwickel die Gaumen verwöhnen.
Zwar lässt sich das 'Grüne Venedig' ebenso per Fuß oder Rad erkunden, doch ist die Barke noch immer Fortbewegungsmittel Nummer eins. „Bis in die 1960er Jahre transportierten die Bewohner damit Holz und Ernte", erklärt unser Bootsführer die Bedeutung der breiten und stabilen Boote. „Sie jagten Fische, brachten ihre Kinder in die Schule oder das Vieh auf die saftigen Weiden - im Frühjahr hin und im Spätherbst wieder zurück."

Abendliche
Idylle am Kanal
Befand sich damals der Lebensrhythmus der Maraîchins fest in der Hand der Boote, sind noch heute viele Häuser nur über den Wasserweg erreichbar. So ticken die Uhren weiter im Takt der „pigouille“, mit der die Bootsleute den Kahn durch die Straßen staken. Kurz vor Ende der Route fahren wir unter einer kleinen Brücke durch. „Das ist unsere Seufzerbrücke", schmunzelt Jacques. Auch darauf müssen wir in der grünen Schwester des venezianischen Originals nicht verzichten.