Im Tal der Düfte
"Cosmetic Valley" im Loire-Tal:
das Mekka der französischen
Parfümwelt
Text und Fotos: Dominik Ruisinger
Nicolas de Barry schnuppert am Riechstreifen. Ganz vorsichtig saugt er den Duft ein. „Eine orientalische Note mit etwas Patschuli, Bergamotte und Rose.“ Zufrieden blickt er auf seine letzte Kreation, das Parfüm „George Sand“. Zum 200. Geburtstag der französischen Schriftstellerin hatte er es kreiert. Und damit seine Reihe „Historische Parfüms“ lanciert.

Der Duft im Kämmerchen
Nicolas de Barry ist Parfümeur, sein Reich das Château de Frileuse. Vor drei Jahren kaufte er den Landsitz aus dem 17. Jahrhundert mit großem Park nahe der berühmten Loire-Schlösser Chambord, Chenonceau, Blois und Amboise, um sich ganz der Parfümkunst zu widmen. „Jeder Parfümier braucht diese Abgeschiedenheit, um Düfte zu komponieren“, erzählt de Barry, während er in den Schlosskeller hinabführt. Lagerten hier einst schwere Weine, befindet sich heute sein Atelier dort. Auf der Parfümorgel sind Flakons und Fläschchen mit natürlichen und künstlichen Essenzen angerichtet, aus denen er „wie ein Musiker Akkorde, Harmonien, Noten zu einem Wohlgeruch“ komponiert. Allein geführt von der Nase als Instrument. Kein Wunder, dass Parfümeure in Frankreich ´große Nasen’ heißen.

Château Chamerolles
Wieder taucht er einen Papierstreifen in eine Flüssigkeit, schnuppert, macht sich Notizen. Viel Zeit verbringt er damit. Auch Besucher können sich an einem Duftwasser versuchen, denn im Schloss finden an Wochenenden ab und zu Parfüm-Workshops statt. Jeder erhält dabei Einblick in die alte Kunst – und kreiert sein persönliches Flakon: „Wir schnüffeln gemeinsam, diskutieren, fügen Blumen-, Gewürz- oder Holznoten bei, bis wir letztendlich zu einem Ergebnis kommen.“