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„So pittoresk war´s auch wieder nicht!“

Schon der Schriftsteller Walter Benjamin ließ sich zwischen den Weltkriegen durchs Panier treiben - mit einer Mischung aus Abscheu und Faszination. Zunächst auf der Suche nach Haschisch und Inspiration, später auf der Flucht vor den Nazis, war er am Hafen von Marseille gestrandet, wo er 1940 wie viele andere deutsche Intellektuelle lange vergeblich auf die rettende Ausreisemöglichkeit nach Spanien wartete. Er wohnte mit seinen Leidensgenossen in heruntergekommenen Wohnungen. Mittellos durchstreifte er das Stadtviertel der Halsabschneider, Hehler und Zuhälter: Streunende Hunde, offene Mülltonnen, das Geschrei der Möwen und der Gestank nach Urin vermischten sich mit dem salzigen Duft des nahen Meeres.

Frankreich Marseille Treppenaufgang
Pittoresk?

Heute führt eine in die Provence ausgewanderte Deutsche Touristen und Einheimische auf den Spuren Walter Benjamins durch den Panier. So pittoresk war das Leben hier nicht, schon gar nicht die Prostitution“, wirft eine Zuhörerin ein, „ich musste als Mädchen hier immer durch. Das war gar nicht angenehm.“ Zwischen den „normalen Leuten“ und den Kriminellen und Prostituierten war „auf engstem Raum eine unsichtbare Mauer.“ Auch die Geschichten vom einfachen Marseiller, der hier im Panier mit seiner Familie in und von seinem kleinen Laden lebte, hält die kritische Besucherin für einen Mythos: „Mein Urgroßvater hatte hier so ein kleines Café, er hat getrunken und seinen Sohn geschlagen. Das war das echte Leben.“

Frankreich Marseille Kathedrale
Die Kathedrale thront über der Stadt

Einen Rest davon erahnt man heute noch in der Passage de Lorette am Nordrand des Viertels. Zwischen den graubraunen fünf-, sechsstöckige Mietshäusern, von denen der Putz bröckelt, haben die Bewohner ihre Wäscheleinen gespannt. Von ihren Fenstern aus können sie dem Nachbarn gegenüber fast die Hand geben. Keine fünf Meter ist der geteerte Innenhof breit. Im Winter erreicht das Licht nur die oberen Stockwerke. Unten riecht es muffig-feucht.



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