„Wir wollen kein Freilichtmuseum sein!“
„Wir sind draußen, kommt vorbei“ hat sie an die Tafel am Vereinslokal in der Rue de l’Eveché geschrieben. Auf einer Brache sitzen die Nachbarn in der Sonne, junge und alte. Sie trinken Wein, essen die frisch gegrillten Schnitzel, unterhalten sich. Die Kinder spielen zwischen den Resten der Häuser, die schon abgerissen wurden. Fremde sind willkommen. „Praktizierte Solidarität“ nennt Zéphora den Alltag. Man halte zusammen, kümmere sich auch um die, die nicht mehr mithalten können, Alte, Kranke. „Und wenn Jugendliche Mist bauen, dann sind sie trotzdem unsere Kinder“. Den Reichen die jetzt immer mehr alte Häuser kaufen und sanieren, misstraut sie. „Wegen mir können die hier wohnen, kein Problem, aber dann sollen sie sich an unsere Regeln halten und die Gemeinschaft respektieren“.

Der Hafen bei Nacht
Das Panier geht den Weg vieler ehemaliger Kleine-Leute-Viertel in europäischen Großstädten, sei es München-Schwabing, der Prenzlauer Berg in Berlin, die Altstadt von Nizza oder der Montmarte in Paris. Jahrelang interessiert sich niemand für sie. Die Häuser verkommen, weil die Bewohner kein Geld haben. Die niedrigen Mieten ziehen Studenten und Künstler an, die verrückte Läden und Ateliers aufmachen. Dann kommen die Designer, die Boutiquen und Leute, die sich ein schickes Nest in der Innenstadt einrichten wollen.

Man äußert sich in Le Panier
„Die wollen hier einen Montmartre machen, ein Freilichtmuseum“,
fürchten viele Panier-Bewohner. Wie das aussehen könnte, zeigt
ein riesiges Plakat, das die Stadt auf einer großen Freifläche
aufgestellt hat. „Wohnumfeldverbesserung im Panier“ steht darauf
und darunter wandelt eine brave Kleinfamilie über eine große
gepflasterte Fläche. An deren Rand sind Betonkübel mit Stechpalmen
abgebildet. Es könnte auch die Fußgängerzone von Großkleckersdorf
sein.