Reisemagazin schwarzaufweiss

Eine Radtour an der Loire

Immer geradeaus Richtung Atlantik

Text und Fotos: Judith Weibrecht

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie den Namen Loire hören? Ein breiter, behäbiger Fluss vielleicht, der in Frankreich in sanften Schleifen träge dahinfließt, an dessen Ufer sich schon mal Weinberge schmiegen, Schlösser und edle Herrensitze mit prunkvollen Gärten?

Frankreich - Radtour an der Loire

Und wenn Sie Loiretalradweg hören? Immer geradeaus etwa, flussabwärts, keine nennenswerten Steigungen? Alles richtig! Es geht immer geradeaus Richtung Atlantik, und die schwierigste Herausforderung ist sicherlich, die Stationen auszuwählen. Hält man anfangs noch bei jedem Schlösschen an, um es zu bewundern, wird Kilometer um Kilometer eher der Weg das Ziel.

Franreich / Loire / Fähre

Liegt das anvisierte Ziel am anderen Ufer, hilft manchmal nur die Fähre, wie hier bei Coueron

„Wo, bitte, geht’s zur Loire?“

Losgehen kann es mit der Radtour überall an dem 1012 km langen Fluss, zum Beispiel in Orléans, wo einfach alles nach Jeanne d´Arc benannt ist. Und wo, bitte, geht’s dort zur Loire? „Na, ein bisschen à gauche (links) und da vorne à droite (rechts), und dann sehen Sie schon die Brücke!“ Der Alte schüttelt verständnislos den Kopf, jeder hier würde den Fluss im Schlaf finden.

Frankreich / Loire / Rilly-sur-Loire

Schilderwald in Rilly-sur-Loire; eine einheitliche Beschilderung des Loiretalradwegs fehlt bisher!

Freundliche Aufnahme für Cyclistes

Über die Pont George V. und über den längsten Fluss Frankreichs geht’s bei strahlendem Sonnenschein los, weiter entlang dem Südufer auf ruhigen Nebenstraßen und einem Dammweg nach Cléry-St. André. Die D 112 A ab dem Ortsende von St. Dyé ist klein und holprig. Parallel zu ihr verläuft ein Stück Radweg, und dann geht es durch den Park Chambord, einem riesigen Jagdrevier, geradewegs auf das grandiose Chateau de Chambord zu. Ein Schild warnt vor Wildschweinen und Hirschen, die man abends im Hotel Saint-Michel, wo Cyclistes freundlich aufgenommen werden, verspeisen kann. Chateau Chambord ist das Loire-Schloss par excellence, ein Renaissancebau der Superlative mit 440 Räumen und 365 Schornsteinen.

Frankreich /  Loire / Schloss  Chambord

Das Renaissance-Schloss Chambord

Weit und breit bin ich die einzige Radlerin. Von der sprichwörtlichen Radsportbegeisterung der Franzosen ist nichts zu sehen, und auch Touristen scheinen hier nur in Busstärke mit Camcordern bewaffnet aufzutreten.

Anderntags geht es weiter nach Blois und damit zurück ans Nordufer des braun glitzernden Nationalstroms. Auch hier gibt es, natürlich, ein Schloss. Es thront auf felsiger Anhöhe über der Königsstadt mit ihren holprigen Gassen und schiefen Fachwerkhäusern.

Frankreich / Loire / Blois

Blois mit Pont George V.

Gut fährt man mit dem Plat du jour

Hunger? Durst? Für den Radler in Blois und überhaupt in Frankreich kein Problem. Jedes Bistro, Café, Restaurant bietet belegte Baguettes, an der Loire auch mit der hiesigen Spezialität Rillettes (Wurstpastete), Café au lait, Eau minéral an. Gut fährt man meistens mit dem Plat du jour, einem preiswerten Tagesgericht.

Solchermaßen gestärkt führt die Route weiter über die stark befahrene Pont Gabriel hinaus aus dem gastlichen Ort Blois und auf dem neuen Radweg in einer breiten Aue über Condé nach Chaumont. Von unten, vom Wasser, winken ein paar Kanuten herauf. Man versteht sich auch über Sprachbarrieren hinweg: Wir bewegen uns per Muskelkraft!

In Rilly-sur-Loire liegt an der Kreuzung mitten im Ort die „Auberge des Voyageres“, wo nette Opas mit viel Zeit am Tresen kleben. „Allemagne? Ah!“. „En vélo?“. „Oh!“. Man trinkt Tourraine-Wein, den ich dann auch noch in einer der Caves direkt beim Erzeuger am Wegesrand probiere. Trinken und kaufen? Schlecht zu transportieren mit dem vélo! Der Verkäufer versteht, lacht und winkt ab.

Frankreich / Loire / Amboise

Bistro in Amboise

In Amboise ist Vogelmarkt im Zelt neben dem Schloss. Andenkengeschäfte und Cafés reihen sich in dem netten Städtchen aneinander. Ab hier lohnt es sich wieder einmal, das vaterländische Tal zu verlassen, für einen Abstecher durch den Foret d`Àmboise, durch sattgrüne, wild wuchernde Laubwälder. Über einige leichtere Steigungen, die man gar nicht mehr gewohnt ist, gelangt man zum Schloss Chenonceaux, sicher eines der schönsten Loireschlösser.

Franreich / Loire / Chenonceaux

Schloss Chenonceaux

Gleich am Eingang befindet sich der Fahrradstellplatz. Von dort geht es zu Fuß eine Bilderbuch-Platanenallee entlang in Richtung des „Schlosses der Damen“, dessen zweistöckige Galerie über das Wasser des Cher gebaut ist. Stunden könnte man verbringen in den königlichen Gemächern, in den beiden Schlossgärten, vor allem im Blumengarten der Diana von Poitiers, im Restaurant in der Orangerie.

Frankreich / Loire / Schlossgarten

Garten der Dina von Poitiers neben Schloss Chenonceaux

Statt das schöne Tours, die ehemalige Hauptstadt Frankreichs, zu besuchen, fahre ich das nächste Schlösschen an. Hinter Tours führt die Route ein Stück neben der Loire den Fluss Cher auf einem praktisch nicht befahrenen geteerten Sträßchen entlang. Angler säumen den Weg, sitzen im hohen Gras und warten geduldig auf einen Biss. Der Strom glitzert in der Sonne, der Radweg verläuft auf einem Damm, der das Hinterland vor Hochwasser schützen soll, bis Savonniere.

Parkplätze für Radfahrer

Beim Chateau de Villandry gibt es einen eigens für Radfahrer angelegten Parkplatz mit Hinweisschild, von einer Hecke eingefasst. Und auch beim Wasserschloss Azay le Rideau, das aussieht wie ein weißes Schmuckkästchen, ist eigens ein Fahrradstellplatz ausgewiesen. Ohne Hektik kann man weiterrollen bis nach St. Nazaire, vorbei an Sandbänken, Flachinseln, Holzkähnen, Graureihern, Biberburgen, prachtvollen Baudenkmälern, Fähren und ist weder im Süden noch im Norden, denn die Loire durchtrennt Frankreich ziemlich genau in der Mitte.

Frankreich / Loire

Die Loire bei Amboise

Schliesslich schlagen Wellen an den Strand, gewaltigere als das Plätschern der Loire, das die Radtour begleitet hat. Adieu, Loire! Bienvenue, Atlantique!

 

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