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Gleiten bis die Kanten glühen

Auf den Skipisten im französischen La Plagne

Text und Fotos: Hilke Maunder

Zehn Skistationen, 134 Pisten von 225 Kilometern Länge, 80 Loipenkilometer, 105 Liftanlagen – das allein macht La Plagne bereits zu einem Skigebiet der Superlative. Doch richtig paradiesisch ist das Skilaufen erst durch die weltgrößte Gondel geworden, die seit Dezember 2003 nach Les Arcs schwebt: Durch sie entstand „Paradiski“ – das flächenmäßig größte Skigebiet der Welt.

Frankreich La Plagne Einsamkeit der Berge

Fast lautlos und langsam setzt sich der Vanoise Express am Plan Peisy in Bewegung, wird schneller und schwebt nach wenigen Augenblicken 380 m hoch über dem Tagt des Ponturin. Dicht an dicht drängen sich Snowboarder und Skifahrer um den Piloten, der vom Obergeschoss der Doppelstockgondel die schnellste Seilbahn auf Tempo 45 beschleunigt. Vier Minuten steigen die nächsten 200 Passagiere ein. 4000 Menschen sausen so zwischen Les Arcs und La Plagne umher – auch das ist Weltrekord.

Frankreich La Plagne Abfahrt

Platz genug ist vorhanden

Paradiski liebt solche Superlative. 239 Skiabfahrten mit einer Pistenlänge von 425 Kilometern locken zwischen den Gipfeln der Aiguille Rouge (3.226 m) von Les Arcs und der Bellecôte (3.417 m), dem Hausberg von La Plagne. Zwei Gletscher und 559 Schneekanonen garantieren Skispaß, auch wenn keine einzige weiße Flocke gefallen ist. Und sollte die weiße Pracht zur Gefahr werden, können 55 Stickstoffkanonen gezielt Lawinen auslösen.

Frankreich La Plagne Skistation

So sind sie, die französischen Skistationen

Noch vor vierzig Jahren dominierten hier Bergbau und Landwirtschaft. Daran erinnert heute nur noch der Name: La Plagne heißt Alm – der östliche Partner des Skigroßraums Paradiski liegt auf einem riesigen Plateau auf rund 2.000 Meter Höhe, das im Süden halbkreisförmig bis zu 3.400 m hohe Schneeberge einfassen. Als 1973 hier das letzte Bergwerk schloss, rettete die Vision des dreifache Skiweltmeister von 1937, Emile Allais, und des Bergsteigers Pierre Leroux die Bauern und Bergleute vor dem Elend. Statt Erz- und Silberbergbau sorgt nun der Tourismus für Auskommen.

Sonnenski und Nervenkitzel

Heute gibt es im Skigebiet von La Plagne neben vier alten Savoyer Bergdörfern sechs Skistationen aus der Retorte, 50.000 Betten, 134 Pisten, 105 Lifte, eine Halfpipe und Frankreichs einzige Olympia-Bob-Bahn. In Les Arcs entstanden hoch oberhalb des Gemeindesitzes Bourg St-Maurice im Tal die Höhenstationen Arc Pierre Blanche (1600), Arc 1800, Arc 1950 und Arc 2000. In den künstlich angelegten Stationen bilden die Apartmentblocks aus Holz und Beton mit ihren Galerien, Geschäften, Bars und Restaurants funktionelle Zentren, die von der Heimeligkeit jahrhundertealter Chalets und Gehöfte weit entfernt ist – und doch ihre Fans haben: Selbst in Aime la Plagne, einer Bettenburg aus Beton mit 20 Geschossen und Ladengalerie im Erdgeschoss, sind mehr als 80 Prozent aller Urlauber Stammgäste. Denn wer sich „Paradiski“ aussucht, möchte schlichtweg nur eines: Gleiten, bis die Kanten glühen.

Frankreich La Plagne Piste und Unterkunft

Eine Piste mit Kulisse

Und dazu gibt es kaum ein besseres Revier. Denn die Pisten beginnen gleich an der Haustür. Selbst Behinderte, für die es 15 gezielt ausgebildete Skilehrer gibt, können hier direkt aus dem Rollstuhl in die Sitzschale des Monoskis umsteigen – so barrierefrei und unkompliziert ist das Skifahren für Menschen mit Handicap sonst nirgends in den Alpen.

Die verschiedenen Hanglagen von La Plagne erlauben Abfahrten nach Lust und Laune. Der Südhang von Champagny en Vanoise erfreut besonders Sonnenskiläufer. Freunde des besonderen Nervenkitzels zieht es dort auf die Piste Mont de la Guerre mit 1.250 Metern Höhenunterschied. Vom Gipfel des Verdons (2.500m) geht es auf einem Kamm entlang zur Kapelle von Bozelet, dann über breite Hänge oder Buckel zurück ins Bergdorf auf 1.250 m Höhe. Als Krönung in jeder Hinsicht gelten die Pisten Rochu oder Bellecôte auf dem Gletscher: 900 Meter Anspruch auf 3.000 Metern Höhe.

Schneller als 150 Stundenkilometer

Doch auch die Freunde gemütlicher Waldabfahrten gehen nicht leer aus. Die Piste Cornegidouille ab Fornelet auf 1.970 Höhenmetern bis hinab nach Plagne Montalbert auf 1.350 Metern führt mitten durch den verschneiten Wald. Les Arcs lockt mit einer 7 km langen, schwarzen Piste von der Aiguille Rouge, die nach 2.026 Höhenmetern auf schnelle, rote Pisten mündet. Wer Buckelpisten liebt: Am Grand Col sind die Hügel am Hang mitunter mannshoch. Richtig Gas geben kann man auf dem „Kilomètre Lancé“ (KL) von Les Arcs. Wo Philip Goitschel am 23. April mit 250,70 km/h einen neuen Speedski-Weltrekord aufstellte, können außerhalb der Rennzeiten auch Urlauber die 1.740 m lange Piste mit 79 Prozent Gefälle hinunter jagen. Wer die rund 15-Sekunden-Schussfahrt gut überstanden hat, erhält ein Diplom – die heiß begehrte Goldmedaille gibt es erst für alle, die schneller als 150 km/h waren.

Frankreich La Plagne Tiefschnee

Im Tiefschnee ist noch mehr Platz

Geradezu rauschhafte Glücksgefühle lösen auch die makellosen Tiefschneehänge aus, die andernorts längst verspurt ist. Besonders schön sind die Abfahrten über den Gletscher von Bellecôte, die Hänge oberhalb von Montchavin und die weiten, baumlosen Flanken zwischen Montchavin und Arpette. Steile Hänge, die für Adrenalinkicks sorgen, finden sich auch in Les Arcs – unter der Aiguille Rouge und an der Aiguille Grive. Wer „hors piste“ jedoch in den Nationalpark von Vanoise oder das Naturschutzgebiet von Villaroger vordringt, wird mit einem saftigen Bußgeld bestraft.

Frankreich La Plagne Pause

Pause vom rasanten Gleiten

Freestyler zieht es zum Snowpark „Le 7 Cube“ auf der Capella-Piste zwischen La Grande Rochette und Plagne Centre gehört – einem 900 m langen Terrain mit 15 Rails, Big Airs, einer Quarter Wall und wöchentlichen Contests. Zum Chill-out gibt es Sonnenstühle, zum Shapen mit Profis wie Marie Martinod, Julien Regnier oder Charlie Bellemin fetten HipHop und Rap.

Frankreich La Plagne Bob

Noch schneller geht´s im Bob

Doch auch nach Liftschluss sind Adrenalinkicks garantiert – beim Eisklettern am 22 m hohen Eisturm in Champagny en Vaoise. Oder im Eiskanal von La Plagne. Mit Tempo 110 steuert der Profi-Pilot seine drei Gäste im Taxibob durch die 19 Kurven der Bob-, Rodel- und Skeletonbahn, die 1991 für die olympischen Winterspiele in Albertville gebaut wurde. Und wiederum den Gästen eine Weltpremiere bietet: Besonders Wagemutige können halb liegend im „Monobob“ in knapp einer Minute mit Tempo 90 zu Tal rasen. Geradezu gemütlich wird die Tour im „Bob-Raft“, der sich selber steuert – und „nur“ Tempo 80 schafft.

Frankreich La Plagne Rast

Reiseinformationen zu La Plagne

Anreise:

Auto: mautpflichtige Autobahn bis Albertville, vierspurige Schnellstraße bis Moûtiers, RN 90 bis Aime, dann 18 km auf der Bergstraße RD 221 hinauf zu den hochgelegenen Skistationen.
Flug: mit Air France oder Lufthansa bis Lyon oder Genf, weiter mit Zug oder Leihwagen.
Zug: nächster Bahnhof in Aime

Auskunft:

Office de Promotion de la Grande Plagne/Booking Centre
Le Chalet, BP 62
F – 73211 Aime Cedex
Tel. +33 4 79 09 79 79
www.la-plagne.com

ATOUT FRANCE – Französische Zentrale für Tourismus
Postfach 100128
D - 60001 Frankfurt am Main
E-Mail:  info.de@rendezvousenfrance.com
 www.rendezvousenfrance.com

 

Webiste der Autorin: www.meinfrankreich.com

 

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