Auferstehen aus den Industrieruinen
Das
französische Flandern entdeckt seine Wurzeln wieder,
wenn sich auch im übrigen Frankreich hartnäckig
ein anderes Bild der Region festgesetzt hat: Regen, Arbeitslose,
viele Einwanderer,
die Revolten frustrierter Vorstadtjugendlicher und die große
Geschichte der längst abgewickelten oder abgewanderten
Textilfabriken. In den 1960er und 1970er Jahren verlor die
Region plötzlich
ihre Lebensgrundlage: Kohle, Stahl, Werften und vor allem
die Stoffherstellung rentierten sich nicht mehr. Zwischen
1960 und 1990 verschwanden
300 000 Arbeitsplätze. Trotz eines beachtlichen Wirtschaftsaufschwung
zählt die Region Lille immer noch vier Prozent mehr
Arbeitslose als der französische Durchschnitt. (Foto rechts: Ein Opfer wirtschaftlicher Entwicklungen - Bettlerin
in der Rue Faidherbe).
Da kam der Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2004“ gerade recht. Insgesamt 76 Millionen Euro bekamen die Planer des Kulturhauptstadtjahrs für ihre Projekte. In der ganzen Region wueden damit wie in Roubaix und Lille-Wazemmes zwölf ehemalige Fabriken und Klöster zu „Häusern der Verrücktheiten“ (Maisons Folie) umgebaut. Unter angeblich großer Beteiligung der Anwohner entstanden Künstlerateliers, Theatersäle, Restaurants, Cafés, Begegnungszentren und offene Räume, in denen die Menschen Schauspiel, Musik und bildende Künste lernen und zeigen können.

Videotheater
Für André Delpont von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft APIM ist dies ein weiterer Baustein für ein besseres Image seiner Region. „Wissen Sie, wir sind hier im Norden, da bewegt man viel, aber spricht wenig darüber“. Dabei seien doch die Menschen die wichtigsten Botschafter ihrer Region. So wie Véra Dupuis, die als Zugereiste, mit ihrer Begeisterung für Lille alle Besucher infiziert.

Siegessäule, Belfried und die alte Börse an der Grande Place