Ein Paradies für Wildschweine
Mit diesem Höhepunkt auf dem Tra Mare et Monte verlassen wir durch die Speluncaschlucht die warme Küste Richtung Hochgebirge. Die Fortsetzung des Maultierpfads führt uns über so genannte Genuesenbrücken am Bach Porto vorbei in steilen Kehren hinauf zum Bergdorf Evisa.

Schwindelfrei
braucht man auf den
Hängebrücken nicht sein
Hier nutzen wir die Querverbindung als Zubringer zum GR 20 und erreichen in einem Tag den Höhenwanderweg am Col de Vergio. Dort stoßen wir dann auch auf die von Wanderern gefürchteten Schweine. Sie laufen auf Korsika frei herum und freuen sich über jede Verpflegung, die sie den Touristen entreißen können. Die Macchia ist auch ein Paradies für Wildschweine, der Bestand wird auf 50 000 geschätzt, gejagt wird von September bis März.

Wer auf den Wanderungen seine Verpflegung nicht in
Sicherheit bringt, dem fressen die Schweine sie weg.
Diese leben halb wild im Hochland und ernähren sich
dort sehr gesund.
Im Castel de Vergio (1404 m), dem ältlichen Hotel nahe der Passstraße mit einem ebenso alten Skilift, kommen wir mit dem Patron ins Gespräch. Wir erfahren, das bis Ostern hier noch reichlich Schnee liegt, das Gebiet für den Skilaufen dann allerdings nicht mehr geeignet ist.
Trotz des kräftigen
Aufstiegs prophezeit unser Reiseführer für die nächste
Etappe des GR 20 eine angenehme Tour. Bald schon finden wir die
erste rot-weiße Markierung, die uns für die nächsten
Tage begleiten wird. Die Temperaturen sind bedeutend frischer als
an der Küste und wir freuen uns im Wald über die Fleecejacken.
Vom Col St. Pierre bietet sich uns ein weiter Blick ins Zentralmassiv
zum Capu Tafunatu, dem Berg mit dem Loch, der knapp unterhalb der
Wolkendecke zu erahnen ist. Die alpine Landschaft zeigt sich auch
am Niniosee, einer weiten Hochebene, auf der noch einige Schneereste
an Winter erinnern. Im Hochsommer herrscht hier vermutlich Freibadatmosphäre.
Wir hoffen jetzt, dass die Wolken nicht weiter herabsinken. Trotz
der guten Markierung könnte man sich bei den zarten Wegspuren
im Nebel schnell verlaufen, doch erreichen wir das Refuge Manganu
am Bachufer ohne Probleme. Anders als in den Guite d‘ Etape
herrscht hier die typische Hüttenatmosphäre, wo jeder
zwischen einem Biss in die Coppa und den korsischen Käse seinem
Nachbarn von den Erlebnissen des Tages erzählt. So erfahren
wir, wo es die nächste Verpflegung gibt und in welcher Hütte
Wein verkauft wird.