Reisemagazin schwarzaufweiss

Die wilde Westküste, vom Meer aus betrachtet

Porto war lange Zeit die geschützte Hafenbucht von Ota, bis die Touristen diesen idyllischen Fleck entdeckten. Viele Jahre wurde am Kiesstrand wildes Campieren toleriert, bis das Müllproblem überhand nahm und ein offizieller Campingplatz angelegt wurde. Inzwischen haben sich große Hotels und Restaurants in erster Reihe neben dem eckigen Genuesenturm angesiedelt. Porto liegt eigentlich abseits unserer Wanderroute, doch wollen wir von hier aus einen Ausflug aufs Meer unternehmen, um uns die Küstenszenerie vom Boot aus zu betrachten. Unsere Beine werden uns diese Wanderpause danken.Schnell bringt uns der kleine Zodiak, ein Schlauchboot, über die glatte See hinaus zum Cappo Rosso, einem Felsen der weit ins Meer hinaus ragt. Gigantisch wie die Berge hier direkt aus dem Wasser aufsteigen: 1294 Meter mißt der Capu d‘ Orto, 1283 Meter der Capo a La Vetta. Auf halber Höhe ist die schmale Straße durch die Calanche zu erahnen, dem spektakulärsten Teil der Westküste. Auf Meereshöhe entdecken wir immer wieder kleine Grotten, die von der Wucht der Wellen bearbeitet wurden und unseren Forscherdrang wecken. Die steilen Klippen dagegen fordern uns zu steilen Luftsprüngen ins türkisfarbene Nass heraus. Wie gut, dass wir uns noch in letzter Minute ein Schnorchel-Equipment ausleihen konnten. Immer wieder unterbrechen wir unsere Fahrt und kommen uns teilweise vor wie im Aquarium.

Frankreich / Korsika / Felsen im Wasser

Zu Fuß durchs Felsenchaos

Ausgerüstet mit einer kleinen Wegbeschreibung vom Touristenbüro lassen wir uns am nächsten Tag vom Linienbus in die Calanche hinauf bringen. Die Straße windet sich bis zu dem kleinen Dorf Piana förmlich durch das Felsenlabyrinth.

Frankreich / Korsika / Piana

Piana liegt hoch über dem Meer am Eingang der schönen Felsenlandschaft „Calanche“

In der Bar Les Roches Bleues dann der erste Café im Licht der Morgensonne mit Blick auf die Küste, die wir gestern noch im Boot erforscht hatten. Aus dem Blau des Meeres steigen die bizarren Felsformationen auf, die Namen tragen wie „La Tête du Chien“ oder „Château Fort“. „Pietra tafunata“ (durchlöcherte Felsen) ist die korsische Bezeichnung für Felsen, die von Höhlen oder Löchern durchsetzt sind. Die rötliche Färbung des Gesteins ist auf den hohen Eisenoxidanteil zurückzuführen. Diese Eisenoxide, die an der Felsoberfläche harte Krusten bilden, entstehen durch den abrupten Wechsel von starkem Tau in der Nacht und intensiver Sonneneinstrahlung am Tag.

Krankreich / Korsika / Panorama

Den Blick zum „Château Fort“ kann man nach einer kurzen Wanderung von der Küstenstraße oberhalb von Porto aus genießen

Jetzt, wo die Reisebusse anrollen, wird es ungemütlich und schnell sind wir nach wenigen Metern auf dem ehemaligen Maultierpfad dem Touristenstrom entkommen. Wenn die Businsassen wüßten, dass die Aussicht hier noch gewaltiger ist, wäre es schnell mit der Idylle auf dem Wanderweg vorbei. Unter uns windet sich die Asphaltstraße wie ein Wurm durch das Felsenchaos, während wir gemütlich auf dem historischen Pfad über das rote Gestein laufen und die immer neuen Ausblicke genießen. Beim Fußballplatz von Piana folgen wir dem Hinweisschild Capu d’Orto und steigen durch den Foret Domaniale de Piana stetig bergan. Insgesamt 895 Höhenmeter zeigt der Ciclo an meinem Handgelenk an, das kleine Genie in Sachen Wanderinformation: Uhrzeit, Höhe, Temperatur und viele nette Zusätze bietet uns das Multitalent. Welch großartiges Panorama sich über den Golf von Porto bis weit ins Gebirge vom Gipfel in 1294 Metern ergibt, muss man bei dieser exponierten Lage sicher nicht weiter erläutern.

Ein Paradies für Wildschweine

Mit diesem Höhepunkt auf dem Tra Mare et Monte verlassen wir durch die Speluncaschlucht die warme Küste Richtung Hochgebirge. Die Fortsetzung des Maultierpfads führt uns über so genannte Genuesenbrücken am Bach Porto vorbei in steilen Kehren hinauf zum Bergdorf Evisa.

Frankreich / Korsika / Hängebrücke

Schwindelfrei braucht man auf den Hängebrücken nicht sein

Hier nutzen wir die Querverbindung als Zubringer zum GR 20 und erreichen in einem Tag den Höhenwanderweg am Col de Vergio. Dort stoßen wir dann auch auf die von Wanderern gefürchteten Schweine. Sie laufen auf Korsika frei herum und freuen sich über jede Verpflegung, die sie den Touristen entreißen können. Die Macchia ist auch ein Paradies für Wildschweine, der Bestand wird auf 50 000 geschätzt, gejagt wird von September bis März.

Frankreich / Korsika / Wildschweine

Wer auf den Wanderungen seine Verpflegung nicht in Sicherheit bringt, dem fressen die Schweine sie weg. Diese leben halb wild im Hochland und ernähren sich dort sehr gesund

Im Castel de Vergio (1404 m), dem ältlichen Hotel nahe der Passstraße mit einem ebenso alten Skilift, kommen wir mit dem Patron ins Gespräch. Wir erfahren, das bis Ostern hier noch reichlich Schnee liegt, das Gebiet für den Skilaufen dann allerdings nicht mehr geeignet ist.

Trotz des kräftigen Aufstiegs prophezeit unser Reiseführer für die nächste Etappe des GR 20 eine angenehme Tour. Bald schon finden wir die erste rot-weiße Markierung, die uns für die nächsten Tage begleiten wird. Die Temperaturen sind bedeutend frischer als an der Küste und wir freuen uns im Wald über die Fleecejacken.
Vom Col St. Pierre bietet sich uns ein weiter Blick ins Zentralmassiv zum Capu Tafunatu, dem Berg mit dem Loch, der knapp unterhalb der Wolkendecke zu erahnen ist. Die alpine Landschaft zeigt sich auch am Niniosee, einer weiten Hochebene, auf der noch einige Schneereste an Winter erinnern. Im Hochsommer herrscht hier vermutlich Freibadatmosphäre. Wir hoffen jetzt, dass die Wolken nicht weiter herabsinken. Trotz der guten Markierung könnte man sich bei den zarten Wegspuren im Nebel schnell verlaufen, doch erreichen wir das Refuge Manganu am Bachufer ohne Probleme. Anders als in den Guite d‘ Etape herrscht hier die typische Hüttenatmosphäre, wo jeder zwischen einem Biss in die Coppa und den korsischen Käse seinem Nachbarn von den Erlebnissen des Tages erzählt. So erfahren wir, wo es die nächste Verpflegung gibt und in welcher Hütte Wein verkauft wird.

2225 Meter, der höchste Punkt

Gleich nach der bescheidenen Berghütte beginnt ein steiler Aufstieg durch die felsige Region. 2 ½ Stunden immer bergauf zum höchsten Punkt der Transversale auf 2225 m. Vor uns liegt ein Panorama der Superlative: tief unten der grüne Capitello- und Melosee, das gewaltige Massiv des Rotondo baut sich bis auf 2622 Meter Höhe auf. Genau der richtige Platz, um die gewaltige Kulisse in uns aufzusaugen. Wir umrunden den eindrucksvollen Bergkessel fast auf gleicher Höhe, erklimmen die Ausläufer des zweithöchsten Gipfels (Rotondo) über viel Geröll und alte Schneefelder. Während unserer ganzen Tour mochten wir die Wanderstöcke bei der schweren Last auf den Rücken nicht missen, doch hier sind sie fast lebenswichtig, in Anbetracht des Blicks in die Tiefe zum Capitellosee.

In der Nacht gibt es ein ordentliches Gewitter, seitdem regnet es ununterbrochen. In der Pietra Piana Hütte herrscht wenig Begeisterung, jeder klüngelt länger als gewöhnlich. Der glitschige Weg über die Felspassage der Crête nach L’Onda und weiter bis Vizzavona kommt bei dem Wetter für uns nicht mehr in Frage. Wir wählen die Variante "par la Vallée". Im Rucksack haben wir unsere Sachen so weit wie möglich wasserdicht verpackt. Selber in Gorotex eingehüllt, stiefeln wir durch den Wald von Tattone zur dortigen Bahnstation.

In Ajaccio am Meer werden wir nun noch zwei Tage entspannen, die französische Küche genießen, etwas auf Napoleons Spuren wandeln, bevor wir wieder den Flieger für die Heimreise besteigen.

 

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