Schleusen, Tunnel und ein Schiffshebewerk
Mit dem Hausboot durchs Elsass
Text und Fotos: Axel Scheibe

Die Augen sind geblendet. Die Sonnenstrahlen schmerzen, doch das Aufatmen von Anja ist nicht zu übersehen. Das dumpfe Dröhnen des Bootsmotors, das die letzten Kilometer der Fahrt bestimmte, verflüchtigt sich wieder in die Weite der Landschaft. Geschafft! Der fast 2,5 Kilometer lange Tunnel von Arzviller liegt hinter der Hobby-Skipperin. Nun folgt nur noch das „Tunnelchen“ von Niderviller und einige Kilometer Genussfahrt in Richtung Hesse, wo das Hausboot nach zehn erlebnisreichern Tagen auf dem Marne-Rhein-Kanal an die Vermietfirma zurückgeben werden muss. „Da schwingt etwas Wehmut mit“, kann die junge Frau nicht verbergen. „Der Anfang war zwar nicht leicht, doch jetzt habe ich das Boot gut im Griff. Selbst im Tunnel, der mächtig Nerven kostet, lief es, hat das Schiffchen das gemacht, was ich wollte. Wenn ich da an den Start denke…“ Während die reizvolle Landschaft einem Film gleich vorbei zieht, bleibt Zeit für einen Blick zurück:
„Du wirst dich umsehen“, hatte ein Kollege zu ihr gesagt, als sie erzählte, dass sie gemeinsam mit einigen Freunden per Hausboot durch das Elsass fahren wollte. „Ein Boot zu lenken ist eine völlig andere Geschichte, als per Auto auf Tour zu gehen.“ Ähnlich klangen auch die Worte bei der Übergabe des Hausbootes durch den Mitarbeiter der Charterfirma. Dort wurde aus der Theorie schnell Praxis. Eine erste gemeinsame Fahrt zum Üben unterstrich das Gesagte. „Es war schon mächtig komisch, ehe das Boot auf die Steuerbewegung reagierte. Das hat gedauert. Außerdem musste ich mich erst an die imposanten Maße gewöhnen.“

Romantische Stimmung
Ein Calypso der Crown Class war es, das sich die jungen Leute ausgesucht hatten. Schmuck eingerichtet mit drei Kajüten, gemütlichem Wohnraum und kleiner Küche. Aber auch, und das merkte Anja schnell, den stattlichen Maßen von über dreizehn Metern in der Länge und reichlich vier Metern Breite. Auf einem großen See sicher zu vernachlässigen, nicht aber in einem Kanal, dessen Schleusen gerade mal 5,13 Meter breit sind und auf dem zusätzlich manche Brückendurchfahrt kaum mehr Platz bietet. Da merkt man relativ schnell, dass es durchaus Sinn macht, die Motorleistung auf maximal zehn Stundenkilometer zu drosseln.