Das Boot heilt die Seele
Eine Flussfahrt auf der Dordogne
Text und Fotos: Robert B. Fishman

Seelenruhe hat viele Klänge. Der Wind, der in den Blättern der mächtigen Bäume rauscht, das Plätschern des Flusses, der Schrei eines Milans, der über den Wipfeln kreist oder das leise Tuckern der Gabare, die sich gemächlich ihren Weg durch das braungrüne Wasser des Dordogne-Stausees bahnt.
Sechzig Meter unter dem Kiel lebten bis ins zwanzigste Jahrhundert die Waldarbeiter und Kleinbauern, die ihr karges Leben als Gabariers, als Bootsbauer und Lastkahnfahrer aufbesserten. In jedem Frühjahr und Herbst bauten sie aus dem Holz, das sie im Winter geschlagen hatten, die vier Tonnen schweren Gabaren: schwere, flache hölzerne Lastkähne. Wenn im Frühjahr und im Herbst die damals noch wilde Dordogne genug Wasser führte, beluden sie ihre Kähne mit bis zu fünfzehn Tonnen Holz, Getreide, Vieh, Gemüse, Fisch und Fleisch, um damit den Fluss hinunter zu den Märkten im reichen Aquitanien zu rudern.

Einer der traditionellen Kähne
Die Zeit drängte. Bis zu vierhundert Gabaren gleichzeitig starteten am Oberlauf der Dordogne im Département Corrèze, wenn es der Wasserstand des Flusses für kurze Zeit erlaubte.
Eine flüssige Autobahn
Eine Woche dauerte die gefährliche Reise durch Stromschnellen und Untiefen hinunter ins Flachland bei Bordeaux, drei Wochen der Marsch zu Fuß zurück in die abgelegenen Täler zwischen dem immer noch mittelalterlich anmutenden Flusshafenstädtchen Argentat und der Quelle der Dordogne. So dringend brauchten die Menschen unten in der Aquitaine das Holz der Corrèze für den Haus- und Schiffbau, für die Eichenfässer der Weingüter, zum Heizen, Kochen und für die Eisengießerei, dass die Männer aus den Bergen ihre Boote am Ziel zersägten und das Holz verkauften. „Heute“, sagt Robin, verschwenden wir Holz, werfen es weg und bauen viel Unsinn damit. Damals war es der wichtigste Rohstoff der Menschen“.