Béarn und Baskenland
Auf Weintour durch den Südwesten Frankreichs
Text und Fotos: Andreas Drouve
"Weine aus dem Jurançon, das ist die Sonne und Frische der Pyrenäen in der Flasche", sagt Cédric Laprun, der Weinrouten auf unausgetretenen Pfaden propagiert. In Südwest-Frankreich müssen es nicht immer die schier übermächtigen Bordeauxweine sein, wie eine Reise durch die Landstriche Béarn und Baskenland belegt. Über die dünn besiedelten Ausläufer der Pyrenäen verteilen sich gemeinhin weniger bekannte Anbaugebiete, die sich mit ihrer Vielfalt und Qualität hinter nichts und niemandem zu verstecken brauchen. Südlich und westlich von Pau beginnen Jurançon und Jurançon Sec, zwei Bereiche mit der geschützten Herkunftsbezeichnung "Appellation d'Origine Contrôlée", kurz AOC. Der historische Salzort Salies-de-Béarn liegt im Zentrum der AOC Béarn-Bellocq, das Pilgerstädtchen Saint-Jean-Pied-de-Port markiert die geographische Mitte der AOC Irouléguy. Überall stößt man auf exzellente Tropfen, als Beigaben gibt es Kulturdenkmäler und charmante Orte zwischen Berg und Tal. Unterkunft findet man in Landhäusern wie im Maison Cantérou bei Monein, wo Madame Marie-Jo Nousty ihre Gäste beherbergt und bewirtet. Hier und in kleinen Restaurants gehört ein guter Tropfen selbstverständlich dazu.
Im Gebiet der Jurançonweine

Besuch bei Patrice Limousin auf der
Domaine de Cabarrouy bei Lasseube
Maronen und Maisparzellen, Rinder- und Pferdeweiden, Brombeerhecken, Feigen- und Walnussbäume. Fruchtbares Land, Töne grün in grün. So sieht es an der Jurançon-Weinstraße aus, an der Patrice Limousin und Freya Skoda bei Lasseube die Domaine de Cabarrouy unterhalten. Das Landgut ist von grünen Hügeln und Rebgärten umzogen, die das französisch-deutsche Paar bis in den Dezember hinein mit der Spätlese auf Trab halten. Alles Handarbeit. Vor knapp zwanzig Jahren begann Patrice, Geld und Leidenschaft in die Erneuerung eines historischen Weinterrains zu stecken, das 5,5 Hektar umfasst und sich mit seinen kalk-, sand- und lehmhaltigen Böden auf Höhen bis zu 300 Metern ausbreitet. Die Rebsorten heißen Petit Manseng und Gros Manseng, bezeichnend bei den Weißen ist die bernstein- bis goldfarbene Tönung. Der Einfluss des Gebirgsklimas der Pyrenäen, das eine Vielzahl frischer Nächte mit sich bringt, sorgt für einen längeren Reifeprozess als andernorts und verleiht den Weinen ausgewogene Noten. Auf der Domaine de Cabarrouy zeichnet sich der "Cuvée Sainte-Catherine" durch aromatische Finesse zwischen Rosinen und Brombeeren aus, im "Cuvée Extrême" schwingen Pflaumen und konfitierte Aprikosen mit. Besucher sind zur kostenlosen Probe willkommen, bei der man en passant einen Blick in die Kellerei mit ihren Eichenfässern und den thermoregulierten Edelstahlbehältern wirft; verkauft werden die Flaschen zu erschwinglichen Preisen ab 5,50 Euro. Bei der Verkostung schwärmt Patrice von der Welt der Weine und setzt mit leuchtenden Augen hinzu, er trinke nie Wasser. Ob das stimmt? Zumindest dürfte er einige der jährlich 25.000 abgefüllten Flaschen selber leeren ...
Wein und Identität
Erste Belege des Weinbaus in der Region reichen ins ausgehende 10. Jahrhundert zurück. Heute nimmt das rund tausend Hektar große Anbaugebiet der Jurançon-Weine einen 40 Kilometer breiten Korridor zwischen Pau und Oloron-Sainte-Marie ein. Im alten Jakobspilgerort Lacommande geht es gegenüber der Kirche hinein ins Weinhaus der Region, "Maison des Vins de Jurançon". In dieser auf den neuesten Technikstand umgebauten Scheune werden mehr als hundert Weine präsentiert, ebenso wie andere Produkte der Gegend. Marmeladen, Honig, Käse, eingekochte Ente.

Weinauswahl im Weinhaus des Jurançon
(Maison des Vins de Jurançon) in Lacommande
"Das Weinhaus fördert das Identitätsgefühl", ist Cédric Laprun überzeugt, der gleichzeitig auf Konzerte in der Dorfkirche verweist, die die Weinvereinigung des Jurançon mitorganisiert. Oft werden Kulturevents gastronomisch unterfüttert. Einen weiteren Abstecher lohnt die Domaine Bellegarde bei Monein, wo Monsieur Labasse in den zwanziger Jahren mit der Bepflanzung der Weinberge begann. Heute setzt Pascal Labasse, der Enkel, die Tradition fort. Symmetrisch laufen die Rebstöcke über die grünen Hänge, im Hintergrund zeichnet sich mit dem Pic d'Orry ein Zweitausender in den Pyrenäen ab. Der trockene "Cuvée Tradition" kommt frisch und fruchtig daher, Star der Produktion ist der "Select 2000" mit aromatischen Anklängen an Honig, Feigenkonfitüre und geröstete Nüsse. "Ein Wein für die besonderen Momente", verspricht Winzer Labasse bei der Weinprobe und empfiehlt Entenbrust à la orange dazu.

Trauben der Domaine Bellegarde bei Monein
Ein Wein, der haltbar macht
"Trinken Sie den Wein aus Salies", steht auf dem Holzschild, "er macht haltbar, so wie das Salz." Diesem Appell kommt man gerne nach, zumal die Tropfen des Weinguts Guilhemas schon mehrfach Preise eingestrichen haben. Als unabhängiger Produzent sprengt der Familienbetrieb das ansonsten feste Gefüge der Kooperativen um Salies-de-Béarn und bringt in vierter Generation Weiß-, Rosé- und Rotweine hervor. Stolz berichtet Winzerin Pierrette Lapeyre, man trinke ihren Wein sogar in Restaurants in Kalifornien und New York. Nicht einzig das Weingut lohnt den Besuch, nicht einzig der Rebsaft genießt hier einen guten Ruf. Aus Salies-de-Béarn stammt noch heute jenes Salz, mit dem der berühmte Bayonner Schinken eingesalzen wird. Das Gassengeflecht, die Häuser am Fluss, die farbigen Holzbalkone und das Thermalbad machen das Städtchen zu einer Oase der Ruhe und einem Springquell für die Gesundheit.

Eingang zum Weingut Guilhemas am
Stadtrand von Salies-de-Béarn
Geballten Charme bietet Saint-Jean-Pied-de-Port auf, wo Jakobspilger durch das historische Stadttor Saint-Jacques einziehen und sich auf den kraftraubenden Aufstieg in die Pyrenäen vorbereiten. Überragt wird Saint-Jean-Pied-de-Port von der Zitadelle Vaubans, in der Unterstadt legt sich eine malerische Brücke über die Nive. In den Gassen geht es geschäftig zu, die Spanne der angebotenen Souvenirs reicht von der Baskenmütze bis zur Kuhglocke. Am Stadtrand driftet man ins hochprozentige Reich der Domaine Brana ab. Das 1897 begründete Familienunternehmen produziert die besten Branntweine der Gegend. Birne, Pflaume, Himbeere. Wunderbar weich, klar, vollreif. Ein Genuss, dem der Quittenlikör und die Rotweine in nichts nachstehen. Die Weinberge sind in atemberaubende Kulissen gefasst. Saftgrüne Wiesenteppiche laufen auf die Pyrenäen zu, Gehöfte punktieren die Hänge. Die würzig-frische Luft spült Lungen und Kopf durch. Und das wird man nach der Weinprobe als besondere Wohltat empfinden ...

Besuch in Saint-Jean-Pied-de-Port mit seiner Brücke über die Nive