Farbenrausch in der "blauen Stunde"
Hinter
dem Hotel beginnt das Loipennetz. Während morgens um acht noch
die Nacht das Land in Dunkel hüllt, weisen Scheinwerfer den
Weg. Gegen zehn Uhr zeigt sich die Sonne für fünf, sechs
Stunden – mal als diesige Scheibe im schneeschwangeren Himmel,
dann wieder strahlend hell. Der Schnee funkelt. In der trockenen
Kälte von minus zwanzig Grad wird die „Blaue Stunde“
zum Farbenrausch. „Kamoos“ nennen die Finnen die einzigartige
Mischung aus Dunkelheit und Zwielicht, die gegen drei Uhr nachmittags
das Land zum Leuchten bringt: erst golden, dann pink, türkis,
bis zwei schmale Streifen in orange und grün das dunkle Land
vom schwarzblauen Himmel trennen. Nördlich des Polarkreises
zeigt sich die Dämmerung als stundenlanges Spektakel. Ab
fünf Uhr abends leuchten die Sterne am Firmament, das Flutlicht
auf die Loipen. Unter Wegweisern liegen Rucksäcke, Anoraks,
Beutel und Taschen: Was stört, wird an zentralen Punkten deponiert
– und später wieder abgeholt. Selbst Skiausrüstungen,
die rasch mehrere Tausend Euro kosten, stecken im Schnee. Angst
vor Diebstahl kennt hier niemand.
Am zweiten Tag
werden die Stürze weniger, klappt der Stockeinsatz besser,
verführt die bessere Balance zu ersten Experimenten. Jetzt
einige Doppelschwünge einschieben. Aus der Loipe treten, einmal
„skating“ probieren. Toivo zeigt die Technik. Fast scheint
er über den Schnee zu schweben.
An der Talstation des Ylläs wechseln wir Ski und Stöcke.
Für Abfahrtsläufer wie Snowboarder ist dieser Berg das
Beste, was Finnland zu bieten hat. Seine Südflanke bietet die
längste Piste der Landes. Mit drei Kilometer Länge stellt
sie einen weiteren Rekord auf – den landesweit größten
Höhenunterschied (463 Meter). Wartezeiten an den Liften sind
unbekannt. Die Abfahrten sind besonders am Wochenende gut besucht,
aber nicht überfüllt. Schneekanonen garantieren eine lange
Saison bis weit in den Mai.
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