
ZEN IM SCHNEE
Finnischer Winter:
Langlauf, Hundeschlitten ... und natürlich Sauna
Text und Fotos: Hilke Maunder
Die
Wintertage sind kurz nördlich des Polarkreises, doch das hindert
die Finnen nicht am ausgiebigen Spaß in Schnee und Kälte.
Wer sich bei Touren durch die eisige Wildnis angestrengt hat, freut
sich am Abend auf die Sauna. Und darf anschließend noch einmal
durch den Schnee toben.
Zwei Spuren im Schnee, sauber gezogen, schön parallel. Geschwind, locker und leicht sausen die Langläufer durch die tief verschneite Taiga, entschwinden am Horizont. Meine Ski hingegen entwickeln ein Eigenleben. Will ich vorwärts, ziehen sie mich seitwärts in den Spagat. Gelingen mir zwei gleitende Schritte nach vorne, rutsche ich einen zurück. Schweiß dringt aus den Poren – und friert zu Perlen auf der Haut. Nach 40 Minuten ist der dünne Skianzug klatschnass, die erste Übungsschleife geschafft: Drei Kilometer misst die kürzeste Runde. Der zweite Durchlauf gelingt in 30 Minuten mit drei Stürzen, die dritte Runde ohne Schneekontakt in persönlicher Bestzeit: schnellen 20 Minuten.
Langlauf ist
das beste Training. Der ganze Bewegungsapparat kommt dabei in Gang.
Trotz aller Leichtigkeit der Bewegung vollbringt der Körper
Höchstleistungen: Das Herz pumpt, die Haut pulsiert. Tief füllt
die Kälte der Luft die Lunge. Muskeln, von deren Existenz man
nie etwas geahnt hat, machen sich bemerkbar. Die Glieder neu ordnen,
die Gedanken fest fassen, die Bewegung im Geiste noch einmal durchleben.
Entspannen. Konzentrieren. Einmal tief durchatmen, dann einstechen.
Das Gewicht auf nur einen Ski verlagern, kräftig nach hinten
abdrücken. Gewicht verlagern, mit den Armen im Rhythmus mitschwingen,
den Stock einstechen. Nicht zu weit nach vorne, sondern weiter nach
hinten schwingen. Gleiten durch Stille.
Langlauf ist wie Zen. Finnisches Zen.
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