Den nächsten Morgen bestimme ich zum Rodeltag.
Bereitwillig zieht meine Mutter den Schlitten jedesmal wieder hoch, nachdem ich zunächst mit Kribbeln im Bauch, dann mit gewisser Routine, die Piste zum See runter sause. Zwischendurch immer dieser blöde Sprachunterricht. Statt „Danke“ soll ich jetzt „Kiitos“ sagen, und mein Lieblingsfahrzeug heißt plötzlich nicht mehr Trecker, sondern „Traktori“. Das verstehe wer will!

So
ein „Traktori“ kommt gelegentlich vorbei: Entweder um zu meiner großen
Begeisterung mit riesigen Greifarmen Bäume aus dem Wald zu fahren
und zu stapeln oder um mit einer respekteinflößenden Schneefräse den
frisch gefallenen Schnee vom Weg zu räumen.
Nachdem mir das ständige Pulkafahren auf Dauer doch etwas langweilig wird, ich die Weingummiforderung langsam aber ständig nach oben geschraubt habe, ereignet sich am vorletzten Tag doch noch das absolute Highlight. Auf einer unserer Spritztouren begegnen wir einer Frau mit einem Schneescooter, die nicht nur so nett ist, mich einmal am Lenker sitzen zu lassen, sondern meinen Vater und mich auf dem Anhänger zu einer Runde um den See einlädt. Dabei geht es vielleicht ab! Mein Vater erklärt mir zwar, daß Ski- und Pulkafahren viel umweltfreundlicher seien, doch bei dem Leuchten in seinen Augen kommen mir Zweifel.
Ach ja, bevor ich es vergesse: Ich heiße Thore, bin zweieinhalb Jahre alt und mit Eltern verheiratet, die bei jeder sich bietenden Möglichkeit mit mir in den Norden fahren.Wenn ich mal ganz groß bin, fahre ich ganz bestimmt mal nach Spanien ...
Seite 1 / 2 / 3 / 4 / zur Startseite