Gewaltige Worte in einem kleinen Land
Mit Dylan Thomas durch Wales
Text: Franz-Josef
Krücker
Fotos:
Dirk Renckhoff u. Franz-Josef Krücker
Von der Pant-y-Celyn Road blickt man in das Wesen von Wales. Wir begleiten einmal mehr den Autor Franz-Josef Krücker - in der Gesellschaft von Dylan Thomas.

Landschaft von besonderer Schönheit

Am Horizont breitet sich das Meer aus,
über das die Waliser bis nach New South Wales in Australien
ausgewandert sind, über das die Kohle aus dem Süden und
der Schiefer aus dem Norden bis nach New York und Hamburg gebracht
wurden. Vor dem Meer erstreckt sich die Stadt Swansea. Sie war eine
Industrie- und Hafenstadt, doch davon ist wenig mehr geblieben als
einiges inzwischen begrüntes Ödland und das Maritime and
Industrial Museum, in dem Großväter ihren Enkeln zeigen,
mit welchen Schiffen, Fahrzeugen und Maschinen sie im Gestern gearbeitet
haben. Keine Industrie mehr im Maritime Quarter, sondern elegante
Stadthäuser aus rot gebrannten Ziegeln und buntem Stahl, vor
denen man die gleißend weiße Jacht am Steg festmachen
kann, wie man einst das Auto im Vorgarten parkte.
In einem eleganten Schwung zieht sich die Bucht von Swansea nach
Süden hin, eingefasst von einer langen Promenade, die hinaus
führt nach Mumbles auf der Halbinsel Gower. Ganz offiziell
sogar bescheinigt man dieser Landschaft besondere Schönheit.
Rugby als Nationalsport der starken Männer von Wales
Und wie Zahnstocher ragen im Häusermeer die Flutlichtmasten des Millennium Stadium auf, in dem vor allem Rugby gespielt wird. Das ist der Nationalsport der kräftigen Männer von Wales und ihrer zahllosen Zuschauer, deren Aufgabe das Trinken von reichlich Bier und Absingen von noch mehr Liedern zu sein scheint. Auch das gehört zum Wesen von Wales.
Und dann Dylan, der Dichter der brüllenden und flüsternden Stimmen
Und wo bleibt Dylan in dieser prosaischen Umgebung? Der walisische Nationaldichter, der kein Wort Walisisch sprach, der Poet wilder, unbeherrschbarer, undurchschaubarer Natur? Der Schöpfer flüsternder und brüllender Stimmen?

Der Beleuchter des Wahns und der Normalität, der die Kleinbürgerlichkeit in den Kleinstädten des kleinen Wales so gnadenlos herausstellte, dass er dafür zwar belächelt und geachtet, aber doch wenig geliebt wurde. Und der selbst die dem Meer zugewandten Kleinstädte seiner Heimat so liebte. Wir werden ihm begegnen, immer wieder.
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