Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich Bradford, das einstmals weltweit größte Zentrum der Textilindustrie. 1801 lebten hier gerade einmal 6000 Menschen. Fünf Jahrzehnte später verarbeiten 104.000 Einwohner zwei Drittel der gesamten britischen Garnproduktion. Allerdings drohte die Stadt im eigenen Mief und Müll zu ersticken, die Arbeits- und Lebensbedingungen ließen die Lebenserwartungen auf kaum mehr als 30 Jahre steigen. Für den Textilfabrikanten und Parlamentsabgeordneten sowie späteren Bürgermeister von Bradford, Sir Titus Salt, Grund genug, seine Fabrik nebst der Arbeiterunterkünfte ins Grüne zu verlegen. Mitte des 19. Jahrhunderts begann er mit der Realisierung seines Lebenswerkes: Er ließ vier Meilen vor den Toren Bradfords eine Modellsiedlung im neoklassizistischen Stil aus hellen Sandstein zwischen Gärten und Grünflächen errichten und taufte diese in Anlehnung an seinen Namen und die Lage am River Aire "Saltaire".
Der Standort war ideal. Zum einen konnte der Wasserbedarf für die Produktion mühelos gedeckt werden, zum anderen waren die Transportwege kurz. Bereits 1853 wurde Salts Mill, eine sechsstöckige Textilfabrik in der mehr als 3.000 Beschäftigte an 1.200 Webstühlen arbeiteten, eröffnet. 1868 konnte schließlich die "New Mill", eine weitere Fabrik auf dem Gelände zwischen dem River Aire und dem Schiffskanal von Leeds nach Liverpool seiner Bestimmung übergeben werden. Titus Salt hatte eine der gigantischsten Textilfabriken der Welt geschaffen. Äußerlich war das monumentale Bauwerk der Kirche Santa Maria Gloriosa in Venedig nachempfunden.
20 weitere Jahre sollten ins Land gehen, ehe das Dorf mit seinen kleinen Cottages, Schulen, einem Krankenhaus, einer Kirche, einem Badehaus, einer Polizeiwache, einem Freizeitzentrum, einer Bücherei, einem Seniorenwohnheim und Geschäften fertiggestellt wurde. Das Gros der Straßen wurde nach seinen Töchter benannt. Jede Arbeiterfamilie erhielt ein eigenes kleines Häuschen mit Garten. Die Türbeschläge deuteten für die Besucher schon von außen die Position der Arbeiter an. Die Häuser der Vorarbeiter und leitenden Angestellten verfügten sogar über Türme, von denen aus das ganze Dorf beobachtet und überwacht werden konnte.
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