Auf die Frage, ob es ihnen nicht kalt ist, erntet man nur Gelächter. „Wenn wir ausgehen“, sagt Sarah, „müssen wir gut angezogen sein. Die Mädels laufen alle so rum, siehst du doch.“ – „Wollt ihr die Jungs damit beeindrucken?“ – „Ach was, die interessieren uns doch gar nicht“, meint Jessica bestimmt. „Ich gehe immer mit meinen Freundinnen aus, und meist tanzen wir auch zusammen. Wir wollen nur unseren Spaß haben.“ Na ja, der Abend ist noch jung. Aber es stimmt, junge Männer und junge Frauen ziehen getrennt in kleinen Gruppen durch die Straßen, flachsen mal miteinander, denn man kennt sich hier schon, und gehen dann ihrer Wege. Aber natürlich ist das Balzverhalten beiderseits in vollem Gange.
Auch die Knaben sind edel gekleidet. Mit Jeans kommt man hier in praktisch keinen Club. Kräftige Türsteher begutachten jeden, der Einlass begehrt, und wenn sie jemanden abweisen, gibt es kaum Diskussionen darüber. In manchen Etablissements besteht sogar Krawattenzwang, und das sind keine Altherrenclubs mit Ohrensesseln. „Ich arbeite in Gateshead beim City Council, in den Parks und so“, sagt Stephen zu diesem Thema, „da laufe ich den ganzen Tag in schmutzigen Klamotten durch die Gegend. Wenn ich ausgehe, ziehe ich natürlich nur meine besten Sachen an.“ Auch das ist Arbeitertradition und steht hier überhaupt nicht zur Debatte.

Junge Leute
vor einem Pub
Die Szene hat
sich unglaublich aufgefächert. Man findet sie
in der Innenstadt, vor allem um die beiden Marktstraßen Bigg
Market und Groat Market, westlich des Bahnhofs, in Waterloo Street
und Marlborough Crescent, wo sich auch die Lesben- und Schwulenszene
angesiedelt hat, die von der Stadt jetzt ganz offiziell akzeptiert
wird, oder an Quayside. Alle Musikrichtungen sind vertreten, selbst
die bekanntesten DJs kommen hierher in den Norden und ihre Fangemeinde
hinterher. Man muss schon ausführlich einen der Partyführer
studieren, um sicherzugehen, dass man am richtigen Tag in der richtigen
Veranstaltung ist, „the crack: guide to the northeast“,
der auch die traditionelle Unterhaltungsindustrie berücksichtigt,
oder „The Little Guide“ für Newcastle.
Zu den Stars der Dance Scene mit neuesten Sound- und Lichtanlagen
zählen „Klub Ikon“ und „Planet Earth“.
Einen großen Auftritt hatte das „Legends“, das
sich um 22.30 Uhr von einem normalen Pub in einen Nachtclub verwandelt.
Spitzenreiter in dieser Szene ist aber weiter „Tuxedo Princess“ auf
einem Schiff unter der Tyne Bridge.
Wer mehr auf Rock und Heavy Metal steht, wird sich früher
oder später im „Mayfair“ wiederfinden, während
die älteren Semester es im „Stage Door“ etwas
ruhiger lieben. Der „Quay Club“ besteht aus mehreren
kleineren Räumlichkeiten, und im „Grey’s Club“ geht
es schon recht gediegen zu.
Und mit der guten Laune vom Abend macht sich Newcastle am nächsten
Tag daran, sich selbst eine Zukunft zu schaffen.
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