Während sich diese Veränderungen in der Stadt vor allem, aber nicht nur, tagsüber erschließen, macht die Stadt in der Nacht eine weitere Metamorphose durch. Newcastle gilt inzwischen als die Partystadt der Britischen Inseln, noch vor London. Die Hauptstadt mag in den Kategorien Theater, Musical und Konzert noch führend sein, doch was die Kneipen-, Bar- und Clubszene angeht, da spielt die Musik im Nordosten. Auf einer Liste der besten Partystädte der Welt, die von der amerikanischen Reiseagentur Weissman Travel aufgestellt wurde, belegte Newcastle den achten Platz, während London erst gar nicht auftauchte.
Am Donnerstagabend geht die Party los, setzt sich am Freitag fort, macht den Samstag so ziemlich durch, ruht am Sonntag und holt sich am Montag, manchmal zu besonders günstigen Preisen, einen kleinen Nachschlag. Die meisten Pubs schließen zwar weiterhin um 23 Uhr, aber in den Clubs und Bars geht es wenigstens bis 2 Uhr weiter.
In Filmen wie „The Full Monty“ („Ganz oder gar nicht“) deutete es sich schon an: Die Lage mag bescheiden sein, die Stadt von Arbeitslosigkeit niedergeworfen, doch die düstere Stimmung des Tages muss einfach immer wieder für ein paar Stunden verdrängt werden. Sei es im Fußballstadion. Die besten britischen Mannschaften kommen aus Nordengland, man denke nur an ManU, Liverpool, Leeds und natürlich Newcastle United. Und selbst der exzentrische Ex-Star Paul Gascoigne wirbt nun für seine Heimat. Die abendliche Alternative sind die Clubs, auch sie eine echte Weiterentwicklung aus den Traditionen der Arbeiterkultur.

Fanladen Newcastle United
Zitternd huschen die jungen Frauen (das macht sie eher älter) über die Straße. Die Röcke bedecken gerade einmal ihr Sitzfleisch, bei den Tops genannten Hängerchen scheint es einen Wettbewerb zu geben, wie dünn die Spagettiträger sein dürfen, dass sie den kleinen Stofffetzen gerade noch halten. Alle fünf sind stark geschminkt, dieses erste Ritual des Abends kostet sie bereits eine Stunde. Selbst für den englischen Sommer kann man die Kleidung nur spärlich nennen. Und sie ändert sich auch nicht im Winter.
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