
Tag- und Nachtgleiche / Day and
Night
Newcastle upon Tyne im Hellen und Dunklen betrachtet
Text und Fotos: Franz-Josef Krücker
Desillusionierte Kumpel mit rußgeschwärzten Gesichtern, deren wütender Protest am Ende erfolglos blieb und still stehende und langsam verottende Förderanlagen. Das schwarze Gold, einstmals Garant für Wohlstand, wurde mit dem Beginn des unaufhaltsamen Zechensterbens in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts in nahezu allen europäischen Kohlerevieren zu einem Fluch und führte ganze Regionen in den wirtschaftlichen Niedergang. Doch wer meint, der Weg von einer strahlenden Metropole in eine düster schwarze Bedeutungslosigkeit sei unumkehrbar, sieht sich getäuscht. Franz-Josef Krücker hat sich in der ehemals bedeutensten Kohlenstadt in Englands Nordosten – Newcastle upon Tyne – umgesehen und erstaunliche, der Agonie trotzende Metamorphosen festgestellt.

Museum "Life"
„To carry coal to Newcastle“ würde etwa soviel Sinn machen wie Eulen nach Athen zu tragen, meint der Volksmund. Newcastle upon Tyne war die Kohlenstadt des Nordostens bis zu jenem großen Zechensterben, das in den 1970-er Jahren begann und letztendlich die Industrielle Revolution auf den Britischen Inseln endgültig beendete. In unmittelbarer Umgebung förderten unzählige Zechen das schwarze Gold, vor allem aber war Newcastle – oder besser gesagt die heutige Region Tyne and Wear, zu der auch Gateshead am Südufer des Tyne, North und South Tyneside direkt an der Flussmündung sowie Sunderland gehören – der wichtigste Hafen der Nordostküste für den Transport der Kohle in die gefräßige Hauptstadt London oder nach Skandinavien und zu den Ostseeanrainerstaaten. Die Kohlezeit ist in Newcastle endgültig und unwiederbringlich vorbei – aber auch die Zeit der Agonie.

South Shields:
Angler
Natürlich gab es Newcastle schon vor der Industriellen Revolution. Die Römer bauten die erste Brücke über den Tyne, die sie, genau wie die kleine Siedlung in ihrer Umgebung, Pons Aelius nannten. Viel weiter nach Norden kamen sie aber nicht, denn in den östlichen Ausläufern des heutigen Newcastle fanden sich Überreste der Festung Segedunum, die mit zum Hadrianswall gehörte, der wiederum die Nordgrenze des Römischen Reichs auf den britischen Inseln darstellte.
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